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Norddeutsche Rundschau

23. September 2017 | 13:16 Uhr

Kritik gegen Bauvorhaben : „Das ist Wahnsinn“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Itzehoer Naturschützer kämpfen gegen ein Wohngebiet auf dem Gelände der Kleingartenkolonie Eichtal.

von
erstellt am 18.Mai.2017 | 16:05 Uhr

Geht es nach den Plänen der Stadt Itzehoe, soll auf einem Teil des Geländes der Kleingartenanlage Eichtal im Südosten der Stadt ein Neubaugebiet mit bis zu 100 Einfamilienhäusern entstehen. Das Vorhaben stößt auf massive Kritik der Naturschutzverbände. Im Interview erklären die Vorsitzenden der örtlichen Gruppen von Nabu und BUND, Leonhard Peters, Rainer Guschel und Gisela Wieneke, warum sie das Vorhaben für keine gute Idee halten.

Herr Guschel, Sie haben kürzlich in einer Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses gefordert, das Projekt Wohngebiet Eichtal/Kratt zu beerdigen. Was haben Sie gegen Einfamilienhäuser? Dort sind doch jetzt schon Gärten und die künftigen Häuser werden sicher auch Gärten haben.

Guschel: Das ist nicht das gleiche. Heute sind dort lebendige, unversiegelte Flächen mit vielen wertvollen Pflanzen, etwa alten Obstbäumen. Die Kleingartennutzung hat ein ganz anderes Angebot für Insekten und viele andere Tierarten, die sich von ihnen ernähren, als ein Wohngebiet. Für das Bauprojekt würden massiv Flächen versiegelt, nicht nur durch den Bau der Häuser selbst, sondern auch durch die Straßen und die inzwischen sehr beliebten „Schottergärten“. Denn leider werden ökologische Auflagen in der Bauleitplanung von vielen Bauherren ignoriert und von den Behörden nicht durchgesetzt. Da gibt es dann kaum noch tierisches und naturnahes pflanzliches Leben. Und was einmal zerstört ist, kann man nicht wieder zurückholen.

Peters: Das stimmt. Allein für die Straßenanbindung wird schon einiges an wertvollem Baumbestand zerstört werden – und das am ehemaligen Weese-Gelände, wo man gerade erst viel Geld in die naturnahe Naherholung investiert hat. Das ist Wahnsinn. Aber es geht uns gar nicht nur um das, was verloren geht. Es geht auch um das künftige Potential dieser Fläche. Das wird gar nicht diskutiert. Es ist eine besondere Lage dort. Das Gelände grenzt an äußerst wertvolle Lebensräume wie etwa den Altbaumbestand an der Freudentaler Wiese und könnte daher zu einer einmaligen Naturerlebnisfläche entwickelt werden. Wir sollten da auch an künftige Generationen denken.

Aber es gibt laut der Stadtverwaltung eine große Nachfrage nach Bauplätzen, die die Politik gern bedienen möchte.

Wieneke: Aktuell ist das vielleicht so wegen der guten Konjunktur, der extrem niedrigen Zinsen und der hohen Mieten in Hamburg. Aber wir wissen aus der Vergangenheit, dass sich das Blatt da schnell wenden kann. Ich sehe nicht, dass Itzehoe ins Unendliche wachsen wird. Außerdem gibt es genug Ecken, die alternativ entwickelt werden könnten – ohne großen Schaden. Man muss nur den Willen zu einer nachhaltigen Siedlungspolitik entwickeln.

Peters: Mittelfristig werden in einer alternden Gesellschaft eher Einfamilienhäuser frei – auch in Itzehoe. Auch jetzt gibt es diverse freie Bauplätze, beispielsweise am Öwert Holt oder an der Hoge Kant. Die sollten allgemein genauer erfasst und gemanagt und dann zunächst bebaut werden. Und die Innenstadt sollte durch innovative Wohnkonzepte belebt werden. Itzehoe darf nicht die Fehler anderer Kommunen wiederholen und durch die Ausweisung von Baugebieten in der Peripherie das Zentrum zu einem leblosen Raum machen. In der Innenstadt gibt es genug zu tun.

Was fordern Sie konkret?

Peters: Wir fordern, das gesamte Projekt auf den Prüfstand zu stellen und ganzheitlich sowie im Vergleich zu anderen Standorten zu analysieren und nicht nur wirtschaftliche Aspekte zu betrachten. Nicht alles, was wichtig ist, lässt sich in Heller und Pfennig beziffern. Man muss nicht immer Tabula Rasa machen.

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