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Verkehrschaos : „Das ist eine einzige Katastrophe“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Umleitung wegen Bauarbeiten auf der Bundesstraße 5 durch das Nadelöhr St. Margarethen und Brokdorf sorgt für Empörung. Und das soll noch vier oder fünf Wochen so weiter gehen.

„Nichts geht mehr!“ Dieser Satz aus dem Spielcasino trifft seit gestern auch für einen Straßenengpass in der Dorfstraße von St. Margarethen zu. In der Nacht war die Vollsperrung der Bundesstraße 5 zwischen Wilster/Dammfleth und Brunsbüttel-Süd in Kraft getreten. Grund: Die B 5 wird zwischen Landscheide und Wilster-West (Nortorf) auf einer Länge von 7,4 Kilometern erneuert. Die Arbeiten und somit auch die Vollsperrung werden bis zum 10. Oktober dauern. Der gesamte Verkehr wird jetzt durch St. Margarethen und durch die enge Dorfstraße im Zuge der Bundesstraße 431 umgeleitet. „In der Nacht zwischen 3 und 6 Uhr war hier alles dicht“, hatte sich Gemeindevertreter Karl-Heinz Schwarz am frühen Montagmorgen an Ort und Stelle informiert.

Weil er und mit ihm auch Bürgermeister Volker Bolten unzufrieden mit der jetzigen Verkehrsregelung ist, hatte er gestern umgehend den CDU-Landtagsabgeordneten Hans-Jörn Arp eingeschaltet. Auch dieser konnte nur den Kopf schütteln über die getroffene Verkehrsregelung. Um Fußgänger zu schützen, sind zwar Leitplanken aus wassergefüllten rot-weißen Kunststoffbehältern an beiden Fahrbahnseiten im Kurvenbereich zwischen Poststraße und Sparkasse aufgestellt, doch auch diese wurden schon bei Ausweichmanövern von den schweren Lastzügen zur Seite gedrückt.

Der Engpass im Kurvenbereich der Ortsmitte ist so schmal, dass sich selbst zwei Pkw nicht problemlos begegnen können. Total dicht war bei dem Lokaltermin die Straße, als sich ein Lastzug sowie ein Pkw mit Anhänger begegneten. Um die Straße wieder frei zu bekommen, musste der Pkw in die eigentlich gesperrte Herzogstraße einbiegen und dann wieder auf die Dorfstraße zurücksetzen.

Was soll geschehen? Das Mindeste sei, so Arp, eine Verkehrsregelung durch eine Ampelanlage, um den Gegenverkehr zu entschärfen. Auch sollte der Landesbetrieb Straßenbau Möglichkeiten suchen, die Umleitung auf Lkw-Verkehr einerseits und Pkw-Verkehr andererseits zu separieren. Weil die alte B 5 und jetzige Kreisstraße 63 auf eine Achslast von 5,5 Tonnen gewichtsbeschränkt ist, hatte der Kreis sie nicht für die Umleitung freigegeben. „Man sollte zumindest den Pkw-Verkehr über die alte B 5 umleiten“, regte Arp an. Er war sich aber auch bewusst, dass eine Umleitung des Schwerverkehrs über die alte B5 Probleme bereiten könnte. Weil die Auffahrt in Rehweg ebenfalls gesperrt ist, müsste der gesamte Verkehr durch das Stadtgebiet von Wilster geleitet werden – eine Lösung, die dann die Gemüter in der Marschenstadt erregen würde. Die Sperrung der B 5 betrifft auch die Auf- und Abfahrten in Landscheide und in Rehweg, so dass der Verkehr auf die Anschlussstellen Brunsbüttel-Süd und Dammfleth/Wewelsfleth umgelenkt wird.

„So kann es jedenfalls nicht weitergehen“, machte Karl-Heinz Schwarz seinem Ärger Luft. Er will sich jetzt für eine kurzfristig einzuberufende Krisensitzung der gesamten Gemeindevertretung stark machen.

„Das ist eine einzige Katastrophe!“, ärgert sich Harald Ertel. Der Leiter Spedition und Logistik in der Brunsbütteler Spedition Kruse kritisiert: „Die Umleitungsstrecke ist für den Schwerverkehr absolut nicht geeignet.“ Allein sein Unternehmen habe täglich 100 Lkw-Fahrten zwischen dem Industriegebiet und Hamburg auf dem Plan. Schon 20 Minuten Zeitverlust pro Tour summierten sich zu „einem Produktionsverlust von 50 Stunden am Tag – zu 55 Euro pro Stunde“. Der Linienverkehr, den Kruse auf dieser Route betreibe, sei durch die Umleitung „völlig unkalkulierbar“ geworden. Alternativstrecken gebe es nicht, betont Ertel. Umso unverständlicher ist ihm, dass die Baustelle auf der B5 nicht halbseitig ausgeführt wird.

Das vermisst auch Bernd Lutzkat. Der Marner Stahl-Händler hat gestern selbst in St. Margarethen festgesessen, als kurzzeitig nichts mehr ging. Er sorgt sich, dass seine Lieferanten mit den langen Lastern in den nächsten vier Wochen auf das Ansteuern von Marne verzichten könnten. Und auch für seine Lkw-Fahrer, die Baustellen im Kreis Steinburg und Pinneberg bedienen, sieht er in St. Margarethen große Schwierigkeiten, mit den langen Aufliegern im dichten Gegenverkehr um die Kurve zu kommen. „Dass man das als Ausweichstrecke nimmt, ist nicht nachvollziehbar.“

Neben dem Nadelöhr St. Margarethen sei auch der Straßenzustand der B431 kurz vor Brokdorf verheerend. „Die hält das nicht vier Wochen lang aus.“ Und dass sich dann in Dammfleth die Umleitung für die B5 mit der von der B431 zwischen Brokdorf und dem Störsperrwerk treffen, sei keine gute Planung, sagt Lutzkat.

In einem Schreiben an den schleswig-holsteinischen Verkehrsminister Reinhard Meyerdrängte Hans-Jörn Arp gestern auf eine schnelle Lösung: „Von den St. Margaretheren ist der Vorschlag an mich heran getragen worden, den Verkehr innerörtlich zu teilen, indem man einerseits die Pkw-Verkehre zum Beispiel über die Kreisstraße 63 und andererseits die Lkw-Verkehre großräumiger über die B 431 – gesteuert durch eine Ampelanlage in St. Margarethen – zur Vermeidung von Lkw-Begegnungen im zentralen Kreuzungsbereich St. Margarethen leitet.“ Arp: „Die jetzige Lösung kann für die Dauer von fünf bis sechs Wochen so kein Zustand sein.“

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erstellt am 09.Sep.2014 | 05:05 Uhr

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