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Norddeutsche Rundschau

15. Dezember 2017 | 06:12 Uhr

Wenzel-Hablik-Museum : Das geheime Bilder-Lager

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Unsere Zeitung wirft einen exklusiven Blick auf bisher noch nicht gezeigte Werke des Universalkünstlers.

shz.de von
erstellt am 28.Aug.2015 | 12:04 Uhr

Katrin Maibaum macht es spannend. „Das hier hat noch kein Journalist oder Fotograf vorher gesehen“, sagt die Leiterin des Wenzel-Hablik-Museums als sie einen Raum im Keller der Itzehoer Versicherungen öffnet. Dahinter lagern sicher, trocken und für das Museum dank des Sponsorings der Versicherung kostenlos die Schätze des Museums, die die Leiterin nicht dauerhaft zeigen kann. In der einen Hälfte des rund 50 Quadratmeter großen Raumes stehen die Möbel, die der Universalkünstler entworfen hat, in einer Ecke ein Bettgestell, in Regalen finden sich Bücher, auf der anderen Seite Ölgemälde. Vorsichtig lösen Maibaum und ihre Kollegin Katharina Gräber die Schutzfolie eines ein mal zwei Meter großen Gemäldes von der Wand, das Hablik 1910 erschaffen hat. „Das ,Feuer von Nordoe‘ wurde noch nie ausgestellt“, sagt Gräber und deutet auf kleine Fehlstellen. Rund 30 von Habliks Werken, die im Fundus des Museums lagern, müssen restauriert werden. „Dafür suchen wir immer Sponsoren, weil unser Etat dafür nicht reicht“, sagt Maibaum, die auch noch drei kleinere Archivräume im Museum in der Reichenstraße hat. Dort lagern nur etwa 20 Prozent der Ölgemälde, aber dafür die Zeichnungen und die gesamte Korrespondenz des Ehepaars Lindemann-Hablik sowie Textilien wie Wandteppiche oder Kissen, die Hablik geschaffen hat. Auch in diese Räume durfte unsere Zeitung exklusiv einen Blick werfen, denn wenn es Anfragen nach Habliks Werken gibt, räumt Maibaum sie immer persönlich heraus. „Es ist einfach zu eng hier drin als dass man Besucher hineinlassen könnte.“ Der gesamte Bestand ist digitalisiert, soll demnächst im Internet einsehbar sein.

Immer häufiger muss die Museumsleiterin an den Fundus heran, denn Habliks Werke seien immer gefragter in der Welt. Gerade sei eine kanadische Professorin in Itzehoe gewesen, die über die Darstellung des Kosmos in der Kunstgeschichte forscht und den großen Sternenhimmel, der im Obergeschoss des Museums hängt, für eine Ausstellung in Toronto und Paris ausleihen wollte. „Aber den geben wie nicht her, außerdem wäre es zu kompliziert gewesen, den zu transportieren. Im Rahmen hätten wir das große Gemälde gar nicht aus unseren Räumen bekommen“, sagt Maibaum. Nun wird die Forscherin den kleinen Sternenhimmel ausleihen. „Hablik ist in der Welt gefragt und das ist natürlich auch immer Werbung für uns in Itzehoe“, so die Museumsleiterin.

Für solche Leihgaben bekommt das Hablik-Museum etwas Geld, nicht allerdings für Werke, die an Museen in Schleswig-Holstein gehen. „Die haben ja wie wir auch wenig Geld“, sagt Maibaum, die als „Langzeitperspektive“ von größeren Archivräumen träumt. „Wenn uns Leute etwa Möbel von Hablik anbieten, dann muss ich die leider ablehnen, weil wir sie schlicht nicht lagern können.“ Und auch bei Textilien müsse sie eine Auswahl treffen.

Nicht alles was Hablik geschaffen hat, ist auch bekannt. Sie könne an Habliks Verkaufsbuch nachvollziehen, was er geschaffen und an wen abgegeben habe, sagt Maibaum. Allerdings seien von den 600 Ölgemälden des Künstlers 225 im Museum und etwa 80 im Privatbesitz. Und der Rest? Maibaum zuckt mit den Schultern: „Nach zwei Weltkriegen und einem Künstler, der vor seiner Zeit in Itzehoe viel im Ausland war – da ist wohl vieles einfach weg.“

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