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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 20:54 Uhr

„Das ganze Leben ist ein Kompromiss“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Tür geht auf und ein paar verspätete Schüler kommen ruhig und geordnet in den hellen Raum der Grundschule Wilster. Als dann alle Schüler und die 20 Referendare als Zuschauer sitzen, beginnt das Planspiel. Es wird vom Bürgermeister Niklas Grünberg mit den Worten: „Herzlich Willkommen zu unserer heutigen Debatte, in der es darum geht, ob in Wilster ein Skatepark errichtet werden sollte oder nicht“ eröffnet.

Die im Gegensatz zum bunt dekorierten Raum dezent gekleideten Schüler, zeigen sich diskussionsfreudig und versuchen jeweils die Argumente der anderen Parteien zu schwächen.

Schon nach kurzer Zeit merkt man den Schülern ihre Anspannung kaum noch an und noch nicht einmal das Blitzlicht der Kamera des Fotografen stört sie beim Debattieren. Die Stimmung lockert sich immer mehr und bei einigen Argumenten müssen alle lachen. Zum Beispiel als Lasse Kalwat sagt: „Da wir mehr junge Menschen in Wilster haben wollen, wäre es doch gut dafür zu sorgen, dass hier weniger alte Menschen leben.“ Und auch der Bürgermeister Niklas Grünberg sorgt für gute Laune, indem er aus Versehen seine Meinung zum Thema nennt: „Ich wollte ja neutral bleiben, aber ganz so einfach ist es nicht.“

Als die Pause angekündigt wird, ziehen sich die Parteien zurück, um sich erneut zu beratschlagen. Etwa zehn Minuten lang hört man leises Gemurmel und sieht viele konzentrierte Gesichter. Dann ist es so weit und die Abstimmung beginnt. Es wird die entscheidende Frage von Bürgermeister Grünberg gestellt: „ Wer wäre hier von den anwesenden Parteien, also der Freien Union, der Ökologischen Offensive und der Sozialen Partei bereit, einen Kompromiss einzugehen?“ Die gesamte Freie Union meldet sich, bleibt dabei aber alleine, denn was sie nicht weiß ist, dass die anderen Parteien eine Kooperation eingegangen sind, um die Freie Union zu schwächen.

Somit kommt es am Ende zu dem Ergebnis, dass es keinen Skatepark in Wilster geben sollte, um das Traditionelle der Stadt beizubehalten. „Ich möchte mit dem Planspiel erreichen, dass Schüler mehr Verständnis oder sogar Spaß an der Politik bekommen. Außerdem möchte ich den neuen Wipo-Lehrern zeigen, wie sie den Unterricht lebendig gestalten können. Denn Lehrer sollen nicht Fässer abfüllen, sondern Feuer entfachen“, erzählt der mit seinen Schülern sehr zufriedene Lehrer Rainer Papke. Auch die Schüler sind sichtlich begeistert von dem Unterricht dieser Art. „Es macht viel mehr Spaß, den Politik-Unterricht so durchzuführen, denn so können wir auch wirklich nachempfinden, wie es in der realen Politik funktioniert.“

Beendet wird diese Unterrichtsstunde dann mit ein paar Worten eines anwesenden Reporters und der eigentlichen Meinung des Bürgermeisters: „Das ganze Leben ist ein Kompromiss.“ Da ist etwas Wahres dran, doch heute verhielt es sich anders.

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erstellt am 25.Feb.2015 | 18:07 Uhr

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