Handwerk : Das Ende einer Ära

Hängt nach mehr als 40 Jahren den Beruf als Drucker an den Nagel: Kai-Peter Schwarck.
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Hängt nach mehr als 40 Jahren den Beruf als Drucker an den Nagel: Kai-Peter Schwarck.

Die Druckerei Johann Schwarck Söhne schließt für immer ihre Pforten. Damit geht in Wilster auch ein Stück Stadtgeschichte zu Ende.

shz.de von
10. Januar 2018, 18:04 Uhr

Am Ende hat es sich einfach nicht mehr gelohnt: gesellschaftliche Veränderungen, Internet und schließlich überall Kopiergeräte zu Dumpingpreisen läuteten den Abschied von einem Geschäftsmodell ein, das zu einem Stück Stadtgeschichte geworden ist. Mit Kai-Peter Schwarck hängt jetzt der letzte Drucker aus einer Wilstermarsch-Dynastie seinen Beruf an den Nagel. Über sechs Generationen wurde am Kohlmarkt ein klassisches Handwerk betrieben. Mehr als 100 Jahre lang wurde hier auch die Wilstersche Zeitung gedruckt. Das Geschlecht der Schwarcks lässt sich in der Marsch bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Erst im 19. Jahrhundert widmeten sie sich aber der „schwarzen Kunst“. Johann Schwarck hatte den Bäckerberuf aus gesundheitlichen Gründen aufgeben müssen – und wurde Buchbinder. Im „Haus an der Brücke“ am Kohlmarkt richtete er zudem einen Buch- und Papierhandel ein. 1847 erwarb sein Sohn eine in Konkurs gegangene Buchdruckerei. Zehn Jahre lang wurde hier sogar das „Kreisblatt des Kreises Steinburg“ gedruckt. Ab 1890 versorgte die Familie Schwarck dann die Wilstermarsch regelmäßig mit den neuesten Nachrichten.

Als letzter Drucker in Wilster hat Kai-Peter Schwarck sein Handwerk noch von der Pike auf gelernt – bei Rautenberg in Glückstadt. Ausgelernt und im Alter von knapp 18 Jahren trat der heute 58-Jährige in den Familienbetrieb ein. „In den 70er Jahren hatten wir auch noch viele Privatkunden. Zu Konfirmationen haben wir Karten ohne Ende gedruckt“, erinnert er sich an gute Zeiten. Auch für die Vereine wurden viele Jubiläumsschriften hergestellt. Zahlreiche Druckerzeugnisse aus dem Hause Schwarck dürften bis heute in Haushalten zu finden sein, vor allem das Höfebuch für die Wilstermarsch, aber auch viele andere Publikation. Spontan zieht er ein Jubiläumsbuch zum 25-jährigen Bestehen der Jazz Lips aus dem Regal – und erinnert sich: „Wir haben hier auch die Plakate für die Sängerin Lillian Boutté gedruckt. Die hätte ich gerne auch selbst in New Orleans ausgeliefert.“ Eines der letzten Erzeugnisse aus der Druckerei am Kohlmarkt ist nun das neue VHS-Programm. Die Wilstersche Zeitung kommt ohnehin schon seit 19 Jahren aus einer Großdruckerei des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages (sh:z). Gerne, so bekennt Kai-Peter Schwarck etwas wehmütig, hätte er seinen Betrieb noch bis zum Rentenalter weitergeführt. Allerdings genießt er auch die Vorteile seines neuen Angestelltendaseins: „Das erste Mal seit 17 Jahren hatte ich 14 Tage am Stück Urlaub.“ Die neue freie Zeit will er nun nutzen, um den Maschinenpark in seiner kleinen Druckerei nach und nach aufzulösen. Dann ist endgültig ein Stück Stadtgeschichte verschwunden.

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