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Norddeutsche Rundschau

16. Dezember 2017 | 12:36 Uhr

Hafensnack in Kollmar : Das Ende des Kultimbisses

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Buden am Kollmaraner Hafen sind abgebaut, die Geschichte geht aber weiter. Am 14. Dezember beginnt ein Gerichtsprozess in Itzehoe.

shz.de von
erstellt am 08.Dez.2016 | 18:30 Uhr

Kollmar | Den Hafensnack gibt es nicht mehr. Seit eineinhalb Wochen stehen am Hafen von Kollmar nur noch zwei blaue Sonnenschirme einsam in der Gegend herum. Daneben liegt einsam die gepflasterte Fläche, auf der Hartmut Köhler und seine Frau Simone 13 Jahre lang Würstchen, Pommes und Getränke verkauft haben.

Die blau-weißen Imbiss-Container, die Holzbänke und das gesamte Inventar stehen inzwischen auf dem Grundstück der Köhlers hinter dem Deich. Das Paar will sie als transportable Wohneinheiten Campingplätzen anbieten. Das Gewerbe hat Hartmut Köhler schon abgemeldet, seine Frau hat bereits die ersten Küchengeräte über Ebay verkauft.

Zu Ende ist die Geschichte für das Ehepaar damit aber noch lange nicht. „Ich gebe nicht auf“, sagt Hartmut Köhler. Er hofft auf den Gerichtsprozess, der am 14. Dezember vor dem Amtsgericht in Itzehoe beginnt. Die Gemeinde Kollmar hat Köhler im Frühjahr nach 13 Jahren den Pachtvertrag gekündigt. Jetzt verklagt sie ihn, weil er nicht fristgemäß zum 30. Juni das Grundstück geräumt hat. Köhler seinerseits will auf Schadensersatz klagen. Er fühlt sich um seine Existenz gebracht. Nach der Kündigung durch die Gemeinde hatte das Lebensmittelüberwachungsamt des Kreises Steinburg im September den Imbiss geschlossen. Unter anderem forderte sie den Anschluss des Imbisses an das Trink- und Abwassernetz, weil es sich bei dem Hafensnack um einen fest stehenden Betrieb handele. „Dabei ist die Qualität des Trinkwassers getestet und für gut befunden worden“, sagt Köhler. Eine Wasserleitung sei im Wasserschutzgebiet überhaupt nicht realisierbar. „Wegen eines Imbisses buddelt doch niemand den Deich auf.“

Köhler geht es jetzt darum, vor Gericht zu klären, ob es rechtens war, ihm den Imbiss zu schließen. „Wenn ja, dann gilt das auch für alle anderen Imbisse und meinen Nachfolger. Dann muss sich die Gemeinde als Eigentümer um einen Wasseranschluss kümmern – und vielleicht ist es dann mit den Imbissen am Hafen bald vorbei“, sagt er. „Wenn ich Recht bekomme, muss mir der Verdienstausfall und die Entwertung meines Eigentums bezahlt werden.“

Aber selbst wenn er vor Gericht gewinnen sollte, will Köhler den Hafensnack nicht wiedereröffnen. „Die Stammkundschaft ist weg“, sagt er. „Es ist alles wertlos geworden“. Geräumt habe er, und das ist ihm wichtig zu betonen, das Grundstück der Gemeinde aber noch nicht. „Da ist noch meine Pflasterung, der Stromanschluss und die Sonnenschirme. Ich habe meine Bude nur abgebaut, um sie vor Hochwasser, Ratten und Frost zu schützen. Man weiß ja nie, ob die Gemeinde mir nicht den Strom abstellt.“

Hartmut und Simone Köhler haben die Imbiss-Container in ihrem Garten aufgestellt und bauen sie derzeit zu mobilen Wohneinheiten um.
Hartmut und Simone Köhler haben die Imbiss-Container in ihrem Garten aufgestellt und bauen sie derzeit zu mobilen Wohneinheiten um. Foto: Sprenger
 

Das ist auch der Grund, warum Bürgermeister Klaus Kruse nach wie vor auf dem Gerichtsprozess besteht. „Die Imbissbuden sind nicht mehr da, aber es könnte ja sein, dass Herr Köhler bei gutem Wetter wieder aufbaut“, sagt er. „Außerdem ist die Räumungsfrist verletzt worden – das muss vor Gericht geklärt werden.“ Ziel der Gemeinde ist es, die Voraussetzungen zu schaffen, dass ein neuer Pächter seinen Imbiss am Hafen eröffnen kann. Gefunden hat sie bereits einen Nachfolger – im Mai hatte es ein Interessenbekundungsverfahren gegeben.

Anders als Köhler sieht Kruse die Gemeinde nicht in der Pflicht, für einen Wasseranschluss zu sorgen. „Die Gemeinde stellt den Standort zur Verfügung. Es ist Sache des Pächters, die Vorlagen der Ämter zu erfüllen.“ Kruse glaubt außerdem, dass Köhler den Wasseranschluss nur deshalb vorweisen muss, weil er seinen Wagen zum Schutz gegen Sturmfluten im Boden verankert und damit einen fest stehenden Betrieb geschaffen habe. Köhler hält dagegen, dass er sich alles habe genehmigen lassen.

Der Ausgang des Gerichtsverfahrens ist zwar noch offen. Aber am Ende wird es wohl Verlierer auf beiden Seiten geben.

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