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Norddeutsche Rundschau

17. Dezember 2017 | 23:01 Uhr

„Dann kann er mal kommen“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Elfriede Schulz wurde beinahe das Opfer von Einbrechern / „Tag für mehr Sicherheit“ am Sonntag liefert Tipps zur Prävention

von
erstellt am 06.Nov.2015 | 05:00 Uhr

Sie hatte Glück. Im Juli sitzt Elfriede Schulz vormittags auf ihrer Terrasse an der Wallstraße – aber das hinter der Hausecke ein Einbrecher ihr auf Kipp stehendes Schlafzimmerfenster öffnet, hört die 79-Jährige nicht. Was der Täter nicht weiß: Ein Bekannter der Seniorin hat sich gerade zum Ausruhen hingelegt. Ein Blumentopf fällt herunter, er schreckt hoch und sieht die Handschuhe des Mannes, der hereinzuklettern versucht. Die Reaktion „Verschwinde, du Dreckschwein!“ beendet den Einbruchsversuch: „Der hat sich so erschrocken, der ist gleich vom Fenster gefallen“, schildert Elfriede Schulz. Zwei junge Männer, einer hat offenbar draußen gewartet, türmen eilig, und die Seniorin weiß, was ohne ihren Bekannten passiert wäre: „Der hätte hier alles leer geräumt, und ich hätte gar nichts gemerkt.“

Und das um 9.40 Uhr an einem Sommer-Vormittag, durch ein Fenster direkt am Durchgang von der Wallstraße zum Theater, gut einsehbar von allen Seiten und von Nachbarhäusern aus. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass hier einer einbrechen würde“, sagt Elfriede Schulz. Doch damit sei immer zu rechnen, sagt Polizeihauptkommissar Hans-Werner Heise, Leiter der Präventionsstelle bei der Polizeidirektion Itzehoe. Dass nur nachts eingebrochen werde, sei ebenso ein Irrglaube wie die Annahme vieler Bürger, dass ihr Hab und Gut für die Täter nicht von Interesse sei. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Einbruchsdelikte im Kreisgebiet um 50 auf 380, „in diesem Jahr ist nicht mit einem größeren Rückgang zu rechnen“, sagt Heise. Dabei gehe es nicht nur um materielle Schäden – es betreffe immer auch das Sicherheitsgefühl. Deshalb steht der Schutz vor Einbrüchen auch im Mittelpunkt beim dritten „Tag für mehr Sicherheit“, der am verkaufsoffenen Sonntag, 8. November, von 11 bis 17 Uhr im Holstein-Center stattfindet. Noch mehr als zuvor konzentriere sich das Angebot der Polizei auf dieses Thema, nachdem es im Vorjahr schon das größte Interesse bei den Besuchern geweckt habe, so Heise. Mit großen Schritten gehe es in die dunkle Jahreszeit, „das heißt auch, dass die Einbrecher wieder aktiver werden“.

Darüber hinaus bieten die Aussteller eine große Vielfalt von den Fahrsimulatoren der Kreisverkehrswacht über technische Vorrichtungen gegen Einbrüche bis zu der „Biologischen Ortung“ des Technischen Hilfswerks: Ab 15 Uhr, so Heise, könnten die Besucher die Ortungsgeräte auf vier Pfoten kennen lernen. Zudem werden im Holstein-Center besondere Gäste erwartet: Torsten Heim, alias „Toto“ aus der Kultserie „Toto & Harry“, sowie Peter Althof, bekannt als „Bodyguard der Prominenz“, der schon für die Klitschko-Brüder, Michael Schumacher, Michael Jackson und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Einsatz war. Sie stehen für Autogramme und Fotos zur Verfügung und berichten aus ihrer Arbeit. Torsten Heim gibt Einblicke hinter die Kulissen der Sendung und die Dreharbeiten für die neue Serie „Toto & Harry International“, Peter Althof zeigt zum Beispiel Ausschnitte seines täglichen Trainings für Bodyguards. Moderator der lockeren Talkrunde ist Marco Brandes, selbst seit vielen Jahren als Sicherheitsspezialist weltweit im Einsatz. Zudem geben die Experten dem Publikum Tipps für mehr Sicherheit.

Elfriede Schulz hat bereits gehandelt. Fenster lässt sie nicht mehr auf Kipp stehen, wenn sie nicht in der Nähe ist, zudem hat ihr Sohn einen Alarm am Rahmen installiert. Am Bett hat sie zwei Dosen Pfefferspray in Griffweite und außerdem einen „schönen Gummiknüppel“. Die Botschaft der 79-Jährigen an einen möglichen Einbrecher ist eindeutig: „Dann kann er mal kommen.“

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