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Awo-Projekt : Dank „Johanne“ zurück in den Job

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Awo in Itzehoe ist jetzt Eigner eines 109 Jahre alten Besanewers. Menschen, die keine Arbeit finden, können sich auf dem Schiff austoben.

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erstellt am 28.Okt.2014 | 05:00 Uhr

Man bekommt nicht alle Tage ein Segelschiff geschenkt. Die in Itzehoe ansässige Awo Bildung und Arbeit gemeinnützige GmbH, deren Wirkungsbereich das südliche Schleswig-Holstein ist, hat es aber jetzt schwarz auf weiß: Die gemeinnützige Gesellschaft ist Eigner des 109 Jahre alten Traditionsseglers „Johanne“.

Das Schiff hat eine bewegte Geschichte. Der Besanewer wurde 1905 als Frachtsegler in Wewelsfleth gebaut, unter dem Namen „Meteor“. Im Lauf der Zeit wurde das Schiff mehrfach verlängert und umgebaut, wechselte den Namen, erhielt einen Motor und fuhr ohne Masten und Seitenschwerter für verschiedene Eigner lange Jahre als Binnenschiff. Zuletzt für die Kellinghusener Mühle Reimer, die den Frachtschiffverkehr wegen zunehmender Versandung der Stör Anfang der 1980er Jahre aufgeben musste.

1988 kaufte der schleswig-holsteinische Landesverband der Arbeiterwohlfahrt die „Johanne“, holte sie von Kellinghusen nach Glückstadt, wo die Restaurierungsarbeiten mit der Verkürzung und dem Rückbau zum Besanewer begannen. Heimathafen der „Johanne“ wurde der Museumshafen Lübeck.

Heute hält Martin Meers, Geschäftsführer der Awo Bildung und Arbeit, die notarielle Urkunde über den Eigentümerwechsel in den Händen: „Mit der Eintragung in das Schiffsregister wird das Eigentum amtlich.“ Stiftstraße 5 in Itzehoe ist die neue Eigneranschrift.

Neuland ist das Metier aber nicht für Meers: „Als sich der Landesverband der Arbeiterwohlfahrt nicht mehr aktiv um das Schiff kümmern konnte, haben wir es vor acht Jahren aus dem Dornröschenschlaf geweckt.“ Für das Schiff wurde eine Verwendung gefunden, die dem gemeinnützigen Zweck des Awo-Wohlfahrtsverbandes entspricht und speziell der Aufgabe der Awo Bildung und Arbeit, Menschen mit besonderen Problemlagen dem Arbeitsmarkt wieder näher zu bringen. Durch unterschiedliche handwerkliche Tätigkeiten wird den Teilnehmern im Rahmen des Projekts Lübeck Plus 2014 die Möglichkeit geboten, sich zu stabilisieren und ihr Selbstwertgefühl zu steigern. Dazu gehören unter anderem ein regelmäßiger Arbeitsrhythmus und Teamfähigkeit.

Es stehen Projekträume an der Trave zur Verfügung. Dort verrichten die Teilnehmer je nach Leistungsfähigkeit und Interessenlage kleinere Holz-, Metall- und Malerarbeiten an der „Johanne“. Martin Meers: „Dabei handelt es sich um einfache Tätigkeiten. Es ist eines der wenigen Projekte, die wir zusammen mit dem Jobcenter machen, für Menschen, die schwerste Probleme haben.“

Doch unterhalten könne man die „Johanne“ auf diese Weise nicht. So war Meers froh, als die Lübecker Possehl-Stiftung einsprang und die Kosten für größere Reparaturen übernahm. Förderzweck der Stiftung sind unter anderem das soziale Engagement und die Erhaltung des maritimen Gesamtbilds der Stadt Lübeck. „Wir sind auf solche Querfinanzierungen angewiesen“, sagt Meers, „nur dadurch ist das Schiff in diesem guten Zustand.“

Die Übernahme in das Eigentum der Awo Bildung und Arbeit und damit die Sicherung des Besanewers „Johanne“ für das gemeinnützige Arbeitsprojekt sei vor allem der Hartnäckigkeit von Hans-Hermann Kulisch aus Hamburg zu verdanken. Martin Meers berichtet: „Herr Kulisch ist unser Skipper und Mitarbeiter der Maßnahme. Wenn er mir nicht jahrelang in den Ohren gelegen hätte, hätte ich das Geschenk nicht angenommen.“

Mit dem Eignerwechsel ist die „Johanne“ – zumindest auf dem Papier – an die Stör zurückgekehrt. Die Verbindung zu ihrem Ursprungsort Wewelsfleth und ihrem langjährigen Wirkungsfeld, dem Kreis Steinburg, möchte Martin Meers gern stärken. Er wünscht sich für das nächste Jahr, wenn die „Johanne“ 110 Jahre alt wird, eine Fahrt von der Trave zur Stör. „Wir möchten gern Wewelsfleth und Itzehoe besuchen, aber das müssen wir in Ruhe planen.“

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