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Norddeutsche Rundschau

13. Dezember 2017 | 16:27 Uhr

Windenergie : Dammflether nehmen sich Bedenkzeit

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Pläne für gleich zwei Windparks sorgen für Diskussionen. Jetzt soll darüber entschieden werden, ob höhere Anlagen als bisher erlaubt werden sollen – und ob die Bürger sich beteiligen wollen.

shz.de von
erstellt am 24.Jan.2016 | 08:54 Uhr

17 Windkraftanlagen stehen schon auf Dammflether Gemeindegebiet, bald könnten zwei komplette Windparks hinzukommen. Die Aussicht auf weitere und dann wohl auch wesentlich höhere Windräder bescherte Bürgermeister Delf Sievers und seinen Mitstreitern vom Gemeinderat ein restlos überfülltes Gemeindehaus. Zwei Stunden lang stellten Planer ihre Vorstellungen von Bürgerwindparks vor. Nach einiger Diskussion vertagten die Einwohner per Mehrheitsbeschluss das Thema. Nach einer Flut von Informationen wird bei vielen Bedenkzeit benötigt. Auf einer weiteren Einwohnerversammlung am Donnerstag, 4. Februar, ebenfalls um 19.30 Uhr im Gemeindehaus in Hochfeld, wollen sie darüber befinden, ob die bisherigen Dammflether Vorgaben weiter Gültigkeit haben sollen: 500 Meter Abstand zu Einzelhäusern und Splittersiedlungen, vor allem aber nicht höher als 100 Meter sollen die Anlagen sein.

Bodenständig gaben sich zum Auftakt die beiden Nordfriesen Hans Feddersen und Wolfgang Paulsen, die für fünf Grundeigentümer einen Windpark in Poßfeld planen. Feddersen führte sogar familiäre Bande zu Altbürgermeister Fritz Scheffler ins Gefecht. Der Plan: Auf einer Fläche von 30 Hektar sollen acht 100 Meter hohe oder vier 150 Meter hohe Anlagen errichtet werden. „Wir bevorzugen allerdings eindeutig die letztere Variante, weil sie deutlich wirtschaftlicher ist“, gab der Sprecher gleich die Richtung vor. Das 15-Millionen-Projekt, so sein Rechenbeispiel, könnte zu 80 Prozent fremdfinanziert werden. 1,5 Millionen Euro kämen von Landeigentümern und Planern, mit weiteren 1,5 Millionen Euro zu Anteilscheinen von jeweils 1000 Euro können sich alle Dammflether beteiligen.

Mit solchen Bürgerwindparks, so versicherte Feddersen, habe man in Nordfriesland beste Erfahrungen gemacht. Er räumte ein, dass Windkraftanlagen immer eine Belastung darstellten. Durch die Einbindung der Einwohner sei die Akzeptanz aber ungleich höher. „Wenn die Gemeinde aber gespalten ist, machen wir nicht mit“, kündigte Feddersen den Rückzug für den Fall an, dass eine Mehrheit der Bevölkerung das Projekt ablehne. Dann aber habe man in Dammfleth keinen Einfluss mehr auf das weitere Geschehen und mögliche andere Investoren. Zum Zeitplan: In zwei Jahren könnte die Ausschreibung erfolgen, 2019 die Inbetriebnahme.

Etwas anders ist der Ablauf für einen zweiten Windpark. Dabei geht es nach Darstellung von Planer Michael Schwarze um zwei mögliche Flächen zwischen Neufeld und der Stadtgrenze von Wilster. Dabei würde einer der Investoren ein derzeit noch im Weg stehendes Wohnhaus aufgeben. Nach der bisherigen Grobplanung könnten sieben Anlagen errichtet werden, wobei Schwarze aber noch von einer Reduzierung dieser Zahl ausgeht. Keinen Zweifel ließ er daran, dass die Mindesthöhe 150 Meter betragen müsse. „Besser weniger große als viele kleine Anlagen“, sagte er. Immer wieder beschwor Schwarze zudem die Gefahr, dass große Energieversorger sich auf die vom Land freigegebenen Flächen stürzen könnten, wobei die Menschen vor Ort dann keinerlei Einflussmöglichkeiten mehr hätten. In der trotz überfülltem Versammlungsraum insgesamt sachlich verlaufenden Diskussion wurden reichlich Bedenken laut. Die Bandbreite der Befürchtungen reichte vom drohenden Wertverlust vorhandener Wohnbebauung über mögliche Schäden an nahestehenden Häusern während der Bauphase bis hin zu gestörter Nachtruhe durch rotierende Windräder. Sogar Forderungen nach einem vorherigen Beweissicherungsverfahren wurden laut. Schattenwurf, ständig blinkende Lichter waren weitere Gegenargumente. Auch, so hieß es weiter, seien selbst 500 Meter Abstand bei so hohen Anlagen eigentlich zu wenig.

Das Gros der Bedenken versuchten die Planer mit dem Hinweis auf die Einhaltung aller gesetzlichen Rahmenbedingungen zu entkräften. Und der Vorschlag, die Anlagen nachts abzuschalten, könnte zwar technisch umgesetzt werden, sei aber aus wirtschaftlichen Gründen völlig unrealistisch. „Wir haben jetzt die Chance, dass alle noch mit ins Boot können“, sagte der Bürgermeister und hob die Vorteile von Bürgerwindparks hervor. Offensichtlich mit Blick auf Streit in anderen Gemeinden nannte Investor Harold Siemen seine Beweggründe für einen Windpark in Einwohnerhand: „Ich will später noch durch Wilster gehen können, ohne dass Leute, die mich kennen, die Straßenseite wechseln, wenn sie mich sehen.“

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