zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

22. November 2017 | 00:23 Uhr

Hobbyzucht : Dachdecker züchtet Galloways

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Fred Wollank hat die Zucht zum Hobby gemacht und züchtet Galloways. Er legt Wert auf gutes Fleisch – Bioschlachter Nikolaus von Holdt schlachtet die Tiere.

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2014 | 17:06 Uhr

Ethisches, wertvolles und gesundes Fleisch wollte der 50-jährige Dachdeckermeister Fred Wollank anfangs nur für sich und seine Familie. Seine Wahl fiel auf das Galloway-Rind, das ursprünglich aus dem Südwesten von Schottland stammt. Ein robustes, widerstandsfähiges, friedfertiges und genügsames Herden-Nutztier. Er entschied sich für einen Züchter aus der Gegend, der seine Galloway-Rinder im Natursprung decken lässt. Neugeborene Kälbchen bekommen dort ausschließlich Muttermilch zu trinken und dürfen ihre Mütter bis zu einem Jahr lang begleiten, bevor sie den Besitzer wechseln.

Im Frühjahr 2011 standen schon vier Kälbchen auf Wollanks Hauskoppel am Altendeich. Handzahm kriegt er sie mit Leckerlies – in diesem Falle mit Äpfeln. Im Herbst werden die Tiere auf eine größere, naturbelassene und nährstoffreichere Weide gebracht. „Ich gehe in regelmäßigen Abständen auf die Weide, ein kurzer, scharfer Pfiff, rhythmisches klappern mit dem Apfeleimer und die Rinder kommen angelaufen. Sie wissen, dass sie belohnt werden. Ein Biss in den Apfel und ich versuche sie zu streicheln, was nicht immer klappt. Aber so gewinne ich nach und nach das Vertrauen der Tiere.“

Die einjährigen, reinrassigen, schwarzbraunen Galloways verbringen die nächsten zwei Lebensjahre auf der Weide. Sie sind bei jedem Wetter draußen – auch im stärksten Winter. Ein Unterstand mit Windschutz sorgt für etwas Behaglichkeit an kalten Tagen, der alte Deich bietet zusätzlichen Schutz vor Sturm und Wind.

Weil die Galloways ausschließlich Gras und Heu fressen, wachsen sie sehr langsam. Das wiederum sorgt dafür, dass ihr Fleisch eine edle Struktur mit feinen Fetteinlagerungen erhält und dadurch bekömmlicher wird. Außerdem hat das Fleisch einen niedrigen Gesamtfettgehalt, dafür aber einen hohen Anteil an gesunden, ungesättigten Fettsäuren. Im Winter muss Wollank den Tieren zusätzliches Futter anbieten. Das Heu wird von Bauern aus der Umgebung geliefert. Wenn im Winter Teich und Gräben zugefroren sind, muss zudem eine beheizbare Tränke aushelfen.

Artgerechte Haltung ohne den Einsatz von Medikamenten ist für Wollank das A und O. „Meine Tiere bekommen weder Hormone und noch Antibiotika.“ Auch bei der Schlachtung achtet er darauf, dass die Tiere keinem unnötigen Stress ausgesetzt sind. „Der letzte Tag ihres Lebens soll ohne Stress, Schmerz und Angst sein. Die Rinder werden im vertrauten Umfeld auf der Weide durch den Kugelschuss betäubt.“ Doch dafür musste Wollak lange kämpfen. Denn die behördlichen Instanzen wollten das Schießen nach „Wildwestmanier“ verbieten. „Es war ein langer, steiniger Weg durch behördliche Instanzen, um eine Erlaubnis zu bekommen, meine Galloways auf der Weide schießen zu dürfen.“

Mittlerweile hat er eine Sondergenehmigung dafür. Den Termin für den Kugelschuss muss er beim Veterinäramt anmelden, einen Tag zuvor wird dann von einem Tierarzt kontrolliert, ob das Tier gesund ist. Den Anstoß für seine Entscheidung hatte Ernst Hermann Meier gegeben, der in seinem Buch „Der Rinderflüsterer“ für diese neue Art der Tierhaltung plädiert. Und damit ist er nicht der einzige Verfechter dieser Methode. Die Agrarwissenschaftlerin Lea Trampenau hat vor einigen Jahren ihre Diplomarbeit zu alternativen Schlachtmethoden geschrieben. Darin kommt sie zu dem Schluss, dass der Kugelschuss auf der Weide für die Tiere am stressfreiesten ist.

Nach der Betäubung werden die Galloways innerhalb einer Stunde nach Itzehoe zum Bioschlachter Nikolaus von Holdt transportiert. Dort hängt das Fleisch 21 Tage ab, bei ständiger Luftzirkulation zur Trockenreifung im Kühlraum. Durch das des lange Abhängen wird das Fleisch zart und weich und bekommt sein typisches Aroma, bevor es portioniert in Stücken oder auch als Wurst verkauft wird.

> Info: www.galloway.info.de und www.uria.de

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen