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Norddeutsche Rundschau

17. Dezember 2017 | 23:12 Uhr

Sport : „Da ist einer von uns dabei“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Familie und ehemaliger Lehrer zittern mit Hendrik Pekeler, der bei der Handball-Europameisterschaft heute um den Einzug ins Halbfinale spielt

von
erstellt am 27.Jan.2016 | 05:15 Uhr

„Wir fiebern mit. Wir sitzen im deutschen Fanblock“, sagt Hein Pekeler. Der Glückstädter ist mit seiner Frau Heike, Tochter Steffi und Hund in Breslau bei der Handball-Europameisterschaft. Der Rest der Familie fiebert von Glückstadt aus mit. Denn Hendrik Pekeler gehört zu den Stars der Mannschaft. Wenn er nicht gerade für die Nationalmannschaft aufläuft, spielt der 24-Jährige für den Tabellenführer der deutschen Handball-Bundesliga, die Rhein-Neckar Löwen.

Die Pekelers sehen ihren Sohn und Bruder Hendrik zum „Kaffeetrinken“, denn er wohnt nur 100 Meter entfernt im Hotel. Ansonsten sind sie mit den Eltern des Mannschaftskapitäns Steffen Weinhold und des Rechtsaußen Johannes Sellin unterwegs, denn auch sie wohnen im selben Hotel. „Ich wäre fast gestorben“, sagt Heike Pekeler am Telefon über das Spiel am Sonntag gegen Russland. Denn es stand auf der Kippe, nachdem die russische Mannschaft nach einem Rückstand von fünf Toren (19:24) wieder ins Spiel kam und zum 26:26 ausglich. Sie weiß, dass die Stimmung bei den Spielern heute getrübt ist, weil sich Steffen Weinhold und Christian Dissinger verletzt haben und nicht mitspielen können. Sie ist sich ebenso sicher, dass die Jungs gewinnen wollen. Heike Pekeler und ihr Mann bekommen mit, dass um den Handball wieder ein richtiger „Hype“ entstanden ist. Die Stimmung ist super in Breslau.

Gerne dabei gewesen wäre auch Martin Simonsen. Der Lehrer ist inzwischen mit den Pekelers befreundet und hat gemeinsam mit ihnen so manches Spiel von Hendrik mit angesehen. „Ich wusste immer, dass er Karriere macht, nur nicht wie“, sagt der Glückstädter. Denn Hendrik Pekeler war sein Schüler an der Elbschule und auch in der Handball-AG, die Simonsen leitet. „Mit Hendrik haben wir große Erfolge gehabt.“ Damals spielte der heutige Kreisläufer noch im linken Rückraum. Er war erst 14 und „schon zwei Meter lang“ als die Schulmannschaft 2006 zum Bundesfinale nach Berlin fahren durfte. Sie hatten sich bei den Landesmeisterschaften gegen Schulmannschaften des SG Flensburg-Handewitt, des THW Kiel und einem Team aus Bad Schwartau durchgesetzt. „Das war damals ungewöhnlich für eine Realschule“, sagt Simonsen, alle anderen Mannschaften kamen von Gymnasien.

Der Lehrer erinnert sich noch gut an den damals 14-Jährigen mit seinen langen Beinen. „Er brauchte nur einen langen Schritt und den Arm auszustrecken.“ Heute sei er begeistert, wie Hendrik Pekeler „taktisch und technisch die Gegner angeht und das mit großer Kraft“. Er stoße seinen Gegenspieler in der Verteidigung am Kreis nicht weg, was eine Zwei-Minuten-Strafe nach sich ziehen würde. Der Handballer springe mit seinem Gegner hoch und halte ihn fest. „Oder er blockt direkt den Ball“, so Simonsen. „Hendrik ist ein kontrollierter Spieler. Früher wurde er eher im Angriff eingesetzt, heute ist er auch ein starker Verteidiger.“ Er ist heute 2,03 Meter groß und 102 Kilogramm schwer. Vor fünf Jahren wurde er Juniorenweltmeister und stand schon 2015 im schwarz-weißen Trikot der deutschen Mannschaft auf dem Platz, als sie den siebten Rang bei der Weltmeisterschaft erreichte.

Wie nahe Simonsen dem jungen Mann steht, zeigt auch, dass er ein Foto von Hendrik Pekelers Tochter auf dem Handy hat. Fine-Sophia wurde gerade erst im Dezember geboren. Zu klein, um mit ihrer Mutter Johanna mit in Breslau sein zu können.

Die Kollegen von Martin Simonsen wissen um den Kontakt zur Familie und fragen ihn nach den Spielen bei der Europameisterschaft. Auch sie fiebern mit. „Bei den Schülern war die Aufmerksamkeit zunächst verhalten“, sagt Simonsen. „Jetzt wissen sie: Da ist einer von uns dabei.“ Denn im vergangenen Jahr war der ehemalige Schüler gekommen, um an seiner Schule Autogramme zu geben. „Ein Prominenter“ war und ist er für die Schüler. Simonsen erhofft sich, dass durch Hendriks Erfolg der Handball wieder attraktiver für die Schüler wird. Denn er hat Nachwuchssorgen für seine Handball-AG. Auch in den Vereinen könnten sich immer weniger junge Menschen für den Sport begeistern. „Hoffentlich kann das Feuer zünden.“

Fast täglich hält er Kontakt zu den Eltern von Hendrik Pekeler. „Wir schicken uns SMS.“ Er wird heute genauso zittern wie sie, wenn Hendrik und seine Mannschaftskollegen gegen die Dänen antreten. Denn auch er weiß: „Das sind die großen Favoriten.“

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