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Leben auf Trischen : „Da habe ich Luftsprünge gemacht“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Christin Kunze aus Sachsen-Anhalt arbeitet als Vogelwartin auf der Insel Trischen und probiert ein Leben im Rhythmus der Gezeiten aus.

Allein unter Vögeln, auch wenn der Wind um die Hütte pfeift – noch bis Oktober lebt Christin Kunze auf Trischen vor der Dithmarscher Nordseeküste. Als Vogelwartin kümmert sich die
28-Jährige aus Sachsen-Anhalt für den Naturschutzbund (Nabu) um die Tierwelt. In Greifswald hat die junge Frau Landschaftsökologie und Naturschutz studiert, nun berichtet sie über ihren Alltag von der „Perle im Nationalpark“.
Was ist es für ein Gefühl, wenn der Sturm über das Eiland fegt und die Insel überschwemmt?
Das ist wirklich aufregend. Einschlafen während die Hütte wackelt, daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Aber ich weiß von meinen Vorgängern, dass sie hier so manchen Sturm gut überstanden haben, darum habe ich keine Angst. Zum Glück steht die Hütte auf fünf Meter hohen Pfosten.

Warum haben Sie sich für diese Arbeit entschieden?
Ich fühle mich einfach wohl in der Natur und ganz besonders am Wasser. Das halbe Jahr auf Trischen ist eine gute Gelegenheit, um fachlich dazu zu lernen, es ist aber auch eine wertvolle persönliche Erfahrung. Ganz allein hier draußen erlebt man nicht nur die Natur viel intensiver, man lernt auch viel über sich selbst.

Seit wann interessieren Sie sich für Vögel?
Bei meiner ersten vogelkundlichen Exkursion zu Studienbeginn in Greifswald konnte ich nicht verstehen, warum man von Vögeln so begeistert sein kann. Das hat sich schnell geändert. Ehe ich mich versah, habe ich meine Semesterferien nach dem neuen Hobby ausgerichtet und ein Urlaubssemester genommen, um als Vogelwartin auf der Strohauser Plate, einer Insel in der Weser, zu arbeiten.

Sie nennen sich zwar Vogelwartin, haben aber auch andere Aufgaben…
Die offizielle Bezeichnung ist heute „Naturschutzwart“. Mir liegt der alte Begriff aber auch immer auf der Zunge. „Naturschutzwart“ wird dem Aufgabenbereich eher gerecht. Es gibt beispielsweise im Frühjahr und im Herbst das Wattmonitoring, bei dem die im Wattboden lebenden Kleintiere untersucht werden. Die Vegetation wird kartiert, so dass man über die Jahre die natürliche Entwicklung der Salzwiesen beobachten kann. Auch die Insel wird vermessen, um ihre Wanderung zu dokumentieren. Bei Kontrollgängen am Strand erfasse ich tote Vögel und Meeressäuger. Auch das kommt vor und ist Teil der Natur. Und natürlich ist da noch die Öffentlichkeitsarbeit, mit der Homepage.

Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?
Bei Sonnenaufgang beginne ich mit der Beobachtung des Vogelzugs. Ansonsten richtet sich der Tagesablauf nach Wetter und Gezeiten. Kurz vor Hochwasser ist immer eine gute Zeit, um Wattvögel zu beobachten. Und dann sind da viele kleine Aufgaben, die am Festland nicht anfallen würden, wie Feuerholz machen, Wasser zum Duschen aufwärmen oder den Klo-Eimer leeren. Abends gebe ich die gesammelten Daten ein und beantworte E-Mails.
Gab es einen besonderen Moment?
Aus ornithologischer Sicht die Beobachtung eines Zwergflamingos, der im Mai über Trischen zog. Da habe ich Luftsprünge gemacht. Persönlich sind es viele kleine Dinge – etwa ein schöner Sonnenuntergang oder wenn die See spiegelglatt ist und man Schweinswale sehen kann.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Was würden Sie wählen?
Einen interessanten Herbstzug und bis dahin richtig gutes Sommerwetter. Ich glaube das sind die beiden wichtigsten Dinge, wenn man auf Trischen ist.

Vogelwart im Internet: www.trischen.de




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