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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 15:30 Uhr

Verkehr : Cuxhavenfähre: Langer Atem nötig

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Gerade aus der Logistikbranche erhofft sich die Reederei mehr Kunden. Erste Kooperationen im Tourismus beschlossen.

von
erstellt am 03.Dez.2015 | 17:08 Uhr

Tot Gesagte leben länger: Als kürzlich die Reederei Elb-Link ihren Winterfahrplan wegen mangelnder Auslastung um späte Touren reduzierte, wurden die ersten Stimmen laut, dass es die am 20. August eröffnete Fährverbindung zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven wohl nicht mehr lange geben werde. Mitnichten, sagt Betriebsleiter Bernd Bässmann. Nötig sei in der Anlaufphase des Unternehmens aber ein langer Atem. Bässmann verhehlt nicht: „Der November war ein schlechter Monat.“ Das gelte allerdings nicht nur für die Fährlinie, sondern beispielsweise auch für das Gastgewerbe. Vom Dezember verspricht er sich schon wieder eine Aufwärtsbewegung bei den Passagierzahlen.

Die seien seit dem Start im Spätsommer mit 125  000 Passagieren bereits außerordentlich gut gewesen. Über Pkw-und Lkw-Fuhren auf den beiden Schiffen „Grete“ und „Anne-Marie“ wollte Bässmann nichts sagen. Dabei sind es vor allem die Speditionen, von denen sich Elb-Link ganzjährig eine konstante Auslastung erhofft. Fahrgäste, die zu Fuß unterwegs sind, stellen wirtschaftlich eher das Tüpfelchen auf dem I dar. Immerhin, das vor der Inbetriebnahme erstellte Wirtschaftlichkeits-Gutachten sieht eine Mindestauslastung von 30 Prozent vor – übers Jahr verteilt. Das, so Bässmann gestern bei einem von den Grünen beider Hafenstädte organisierten Treffen, sei kein überzogenes Ziel. Skeptikern entgegnet der Betriebsleiter: „Ich kann nicht nach drei Monaten erwarten, dass unsere Schiffe ausgelastet sind.“

Unermüdlich seien er und Geschäftsführer Christian Schulz dabei, besonders in der Logistikbranche für die neue Verbindung über die Elbe zu trommeln. Auf Facebook informiert Elb-Link regelmäßig über Staus auf der A7 und am Elbtunnel – die klassischen Nadelöhre in Hamburg – und bietet sich als Alternative an. Nebenher vermeldet die Reederei, eine Tochter der estnischen Saaremaa Ferry, erste Erfolge bei Kooperationen. So wirbt der dänische Ferienhausanbieter Novasol für die Fährverbindung, Kunden setzen günstiger über. Und ganz aktuell gibt es ein Kombiticket mit der Helgolandfähre. „Um den touristischen Bereich mache ich mir wenig Sogen“, sagt Bässmann denn auch. Dass es eine Durststrecke geben werde, sei vorher bekannt gewesen. „Wenn ich einen Markt haben will, muss ich erst das Angebot machen.“

Hier hakt Martina Hummel-Manzau ein. Die Geschäftsführerin der Egeb-Wirtschaftsförderung betont, dass es nicht genüge, wenn sich alle über die Fährlinie freuen. „Das Angebot ist geschaffen, jetzt ist gerade die Wirtschaft in der Verantwortung, es zu nutzen.“

An der Bedeutung der Verbindung für die Region um Brunsbüttel und Cuxhaven besteht kein Zweifel. Jürgen von Ahnen von der Cuxhavener Agentur für Wirtschaftsförderung führt ausgerechnet Siemens als Beispiel eines gemeinsamen Wirtschaftsraums an. Zwar habe Brunsbüttel bei der Ansiedlung den Kürzeren gezogen, doch bei der Suche nach Mitarbeitern für insgesamt rund 1000 freie Stellen in der Windkraftsparte von Siemens, die 2017 den Betrieb aufnehmen will, ist die für Dithmarschen und Steinburg zuständige Agentur für Arbeit in Heide mit eingespannt. Umgekehrt könnte auch das Brunsbütteler Industriegebiet interessant für Arbeitnehmer aus Cuxhaven sein, glaubt von Ahnen. „Wenn die Wertschöpfung in der Region ist, wollen wir alle davon profitieren“, bestätigt Volker Jahnke von der Egeb, der die Fährlinie betreut.

Wie sich noch vom Sprung über die Elbe profitieren lässt, machen inzwischen viele Brunsbütteler deutlich, die ohne Auto nach Cuxhaven übersetzen und dort die Bahn Richtung Süden nehmen. Damit liegt Brunsbüttels Bahnhof gewissermaßen auf der anderen Elbseite. Die Verbindung etwa nach Bremen ist um fast eine Stunde kürzer, als wenn sich ein Brunsbütteler Bahnreisender auf den Weg über Itzehoe und Hamburg macht.

In der Schleusenstadt wird daran gearbeitet, die Fähre in den öffentlichen Nahverkehr einzubinden. Ab kommendem Donnerstag ist der Fähranleger ein Halt für den Stadtbus, nächstes Jahr wird der Schnellbus nach Itzehoe die Fähre mit ansteuern.

Brunsbüttels Bürgermeister Stefan Mohrdieck weiß, bis alles rund läuft, braucht die Fähre noch viel Unterstützung.

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