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Norddeutsche Rundschau

14. Dezember 2017 | 11:33 Uhr

Studie : Cuxhaven-Fähre hat Perspektiven

vom

Das könnte was werden: Ein neues Gutachten räumt einer Fährverbindung zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven gute Chancen ein.

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2013 | 12:02 Uhr

Brunsbüttel | Seit März 2001 dümpelt der Anleger der Elbe-Ferry in Brunsbüttel vor sich hin. Das muss nicht so bleiben. Eine für 16 000 Euro von der Rostocker BalticMarineConsult gestern vorgestellte Untersuchung räumt einer ständigen Fährverbindung zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven grundsätzlich Perspektiven ein. In Auftrag gegeben hatten die Studie die egeb: Wirtschaftsförderung und die Agentur für Wirtschaftsförderung in Cuxhaven. Das Rostocker Ingenieurbüro griff als Grundlage eine Studie aus dem Jahr 2004 auf und rechnete die Entwicklung bis 2025 durch. Das wäre ein zehnjähriger Zeitraum, den die Gutachter betrachtet haben, sofern der Fährverkehr 2015 aufgenommen wird.
Davor allerdings stehen Investitionen, die, so Cuxhavens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Getsch, nicht ohne staatliche Anschubfinanzierung auskommen werden. Größter Ausgabeposten dürften die zwei 70 bis 90 Meter langen Schiffe sein, die in der Studie als Voraussetzung für den Betrieb gelten. Investitionskosten pro Stück: 13,5 bis 18,5 Millionen Euro. Diese Fähren sollten nach Ansicht des Gutachters Prof. Dr. Jürgen Lüsch täglich zwischen 5 und 22 Uhr im Stundentakt unterwegs sein. Liegezeit am Anleger Brunsbüttel und dem von Lüsch favorisierten Anleger Steubenhöft in Cuxhaven: rund zehn Minuten. Die Überfahrt auf den rund 14 Seemeilen dauert etwa 50 Minuten. Um die starke Strömung auf der Elbe zu bewältigen und zugleich bei bis zu 300 Tonnen Ladekapazität schnell zu sein, müssen die Fähren entsprechend kräftig motorisiert sein.

Route könnte attraktiv werden


Das war beim ersten Versuch zwischen August 1999 und März 2001 nicht der Fall. Die beiden "Elbe Ferrys" waren den Anforderungen nicht gewachsen. Letztlich scheiterte das Projekt an der ausbleibenden Wirtschaftlichkeit. Je zehn Millionen Euro hatten damals das Cuxhavener Tiefbauunternehmen Voß und Reeder Egon Herbert Harms investiert.
Seitdem hätten sich aber die Rahmenbedingungen geändert, sagte Lüsch gestern bei der Vorstellung der Studie im Brunsbütteler Rathaus. Steigende Kraftstoffpreise, Autobahnmaut, geänderte Hinterlandanbindungen vor allem auf Cuxhavener Seite und die sich über Jahre hinziehenden kommenden Arbeiten an der A7 könnten diese Route attraktiv machen. Speziell für Speditionen - auch aus dem ChemCoastPark. Die aber brauchten zuverlässige Abfahrtzeiten. Dies gewährleiste die Elbfähre zwischen Glückstadt und Wischhafen nicht ständig. Zugleich gilt diese Verbindung aber wie eine feste Elbquerung der A20 bei Glückstadt als größte Konkurrenz zur Neuauflage der Elbe Ferry. Dennoch prognostiziert die BalticMarineConsult bereits für 2014 ein Aufkommen von jährlich 265 000 Pkw, das bis 2025 auf 302 000 Fahrzeuge steigen dürfte. Errechnet wurden zudem 48 000 Lkw (53 000) und 625 000 Passagiere (670 000).

2015 könnte der Betrieb beginnen


"Wir halten diese Werte durchaus für realistisch, wenn die Rederei bei Qualität und Sicherheit hohe Standards setzt", sagte Ulrich Getsch. Er sieht in der Fährverbindung eine "hervorragende Alternative" zur A7. Angesichts einer traditionellen Verbindung zwischen der Stadt an der Elbemündung und Brunsbüttel sagte er über die Möglichkeit eines ständigen Fährverkehrs: "Ich würde das sehr begrüßen."
Natürlich sei die Linie kein Selbstgänger, machte Prof. Dr. Lüsch deutlich. Denn die mit jährlich 10 Millionen Euro kalkulierten Beriebskosten müssten erstmal eingefahren werden. Und das funktioniere nicht mit Preisen wie an der Glückstädter Elbfähre, sondern müsse deutlich teurer sein. Lüsch: "Das ist keine Ölquelle für Investoren, das wird begleitet werden müssen." Eine Beteiligung der öffentlichen Hand am laufenden Betrieb gilt aber als ausgeschlossen.
Dennoch sind egeb-Chef Dr. Hans-Jürgen Hett und sein Cuxhavener Kollege Jürgen von Ahnen überzeugt, mit dem Gutachten mehr als nur ein interessantes Papier in Händen zu halten. Denn die Flensburger Förde Reederei sei in einer eigenen Untersuchung zu einem ähnlichen Ergebnis wie BalticMarineConsult gekommen. Eine handvoll Reeder soll nun angesprochen werden, ob sie Interesse haben. "Wir geben ihnen ja einen Businessplan mit auf den Weg", so Hett. In zwei bis zweinenhalb Jahren könnten zwei Schiffsneubauten fertig sein und der Betrieb beginnen, glaubt Lüsch.
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