Reederei Elb-Link : Cuxhaven-Brunsbüttel: Auffanggesellschaft soll Fähre retten

Die Mitarbeiter wissen nicht, wie lange sie auf ihr Gehalt warten müssen. Die Reederei will derweil das Land mit an Bord holen.

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02. März 2017, 09:51 Uhr

Brunsbüttel/Cuxhaven | Nur kurz gab es am Mittwochmorgen die Hoffnung, dass die Fährlinie zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel nicht unterbrochen ist: Die „Anne-Marie“ steuerte vom Steubenhöft aus die Schleusenstadt an. Das war es dann aber auch schon wieder. Bernd Bässmann, Betriebsleiter der Cuxhavener Reederei Elb-Link, war von dem Manöver offenbar selbst überrascht. Gegenüber dem sh:z bestätigte er auf Nachfrage: „Mittwochmorgen ist eine der beiden Fähren noch gefahren, dieses offensichtlich auf Anweisung aus Estland. Mittlerweile liegen aber beide Schiffe vertäut am Steubenhöft und werden übergeben.“

Seit dem 20. August 2015 pendelten die Fähren regelmäßig. Sie stellten damit für viele eine wichtige Alternative zur Fährverbindung Glückstadt-Wischhafen und der Verkehrsroute über die A7 durch den Elbtunnel in Richtung Niedersachsen dar. Finanzielle Schwierigkeiten der Reederei waren schon im letzten Jahr bekannt geworden.

Diese Aussage macht deutlich, in welcher für ein Wirtschaftsunternehmen völlig unsäglichen Lage sich die Reederei derzeit anscheinend befindet. Finanziell ist offenbar die Luft raus aus dem ambitionierten Unternehmen, dem ein Gutachten vor dem Betriebsstart am 20. August 2015 gute Perspektiven attestiert hatte. Allerdings, die dort genannten Zahlen konnten beide Fähren nicht einfahren. Im vorigen Sommer summierte sich der Verlust bis zum Stichtag 31. Juli auf 1,41 Millionen Euro. Das soll zwar durch die Gesellschafter aufgefangen worden sein. Dem standen Ende Juli aber 943.000 Euro an Verbindlichkeiten gegenüber.

Jetzt rückt eine Auffanggesellschaft unter Beteiligung Niedersachsens in den Fokus. Eine direkte Förderung der Linie werde es nach wie vor nicht geben, unterstreicht Sprecherin Sabine Schlemmer-Kaune aus dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium. „Fähren in Niedersachsen müssen eigenwirtschaftlich betrieben werden.“ Die Zahlen im Fracht- sowie im Personenverkehr zeigten, dass dies bei der ins Schlingern geratenen Linie möglich sei. Bleibt eine Auffanggesellschaft für den Übergang in ein neues Unternehmen. Derzeit würden Möglichkeiten einer Bürgschaft geprüft, sagt Schlemmer-Kaune. „Aber dafür müssen wir erst genau wissen, was los ist.“

Das weiß auch der Betriebsleiter nicht. Einen heißen Draht nach Estland zur Geschäftsführung gibt es offenbar nicht. Daher wissen die 52 Mitarbeiter derzeit auch nicht, wie lange sie auf ihre Februar-Gehälter warten müssen. Eine offizielle Insolvenz sei nicht ausgesprochen, sagt Bässmann. Problematisch auch: Onlinebuchungen seien noch immer möglich. „Das läuft alles nicht, der Ruf der Linie steht auf dem Spiel“, sagt er verzweifelt.

Wenn es weitergehen sollte, sei sogar der Einsatz nur einer Fähre denkbar, die nach entsprechendem Umbau alle zwei Stunden die Route befährt und jeweils nur 50 Minuten für eine Passage benötigt. Machbar sei dies. Gespräche mit privaten Investoren liefen.

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