Stockcar-Rennen in Kohlenbek : Crash – Boom – Bang

Beim Stockcar gehören spektakuläre Unfälle zum Programm.
Beim Stockcar gehören spektakuläre Unfälle zum Programm.

Der vierte Lauf zur Norddeutschen Stockcar-Meisterschaft war zugleich der letzte in Kohlenbek.

shz.de von
20. August 2018, 12:21 Uhr

„Lieber tot als Letzter“ ist auf einem der schrottreifen Fahrzeuge zu lesen. Dessen Fahrer geht mit Vollgas in die scharfe Kurve, um seinen Gegner doch noch irgendwie aus der Bahn zu bringen. Zerbeulte Karossen, heulende Motoren und staubverschmierte Gesichter hinterm Lenkrad bildeten am Wochenende wieder einmal mehr die Kulisse eines bewährten Spektakels.

Seit mehr als 20 Jahren kommen auf der Koppel von Peter Söhren in Kohlenbek Motorfreunde zusammen, um sich beim vierten Wertungslauf zur Norddeutschen Stockcarmeisterschaft zu messen. Das ungebrochene Interesse von Teams und Fahrern sowie die guten Besucherzahlen belegten erneut, dass das Rennen auf dem Stoppelfeld den Nerv vieler treffen. Allerdings war es auch das letzte Mal, dass das alljährlich im August stattfindende Rennen in Kohlenbek ausgetragen wurde. „Zwei Rennen zu organisieren, ist uns auf Dauer zu viel“, sagt Jens Lucht vom Team „Blue wonder“, das künftig nur noch das im Frühjahr stattfindende Rennen in Gribbohm ausrichten wird. „Ein wenig Wehmut ist natürlich schon dabei – aber es wird uns einfach zu viel“.

Zufrieden zeigte sich Lucht nicht nur über die große Anzahl an Teilnehmern, sondern auch über den Besuch vieler ehemaliger Fahrer. „Die wollten beim letzten Rennen hier noch einmal dabei sein“. Mehr als 120 Fahrer, darunter zahlreiche couragierte Frauen aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Dänemark waren mit ihren 60 bis 130 PS-starken sowie Allrad-Fahrzeugen nach Kohlenbek gekommen, um sich auf dem Acker scheppernde Duelle zu liefern. Auf einer rund 700 Meter langen Rennstrecke kämpften Jugendliche und Erwachsene in fünf verschiedenen Klassen in ihren ohnehin schrottreifen und käfiggeschützten Fahrzeugen um den Sieg. Und das, ohne sich an die Straßenverkehrsordnung zu halten. Anstand und Rücksicht blieb an diesem Wochenende ein Fremdwort für die erwachsenen Teilnehmer. Vielmehr galt es über die staubige Piste, die immer wieder mit Hilfe eines Wasserwagens bewässert werden musste, zu brettern, dichte Staubwolken aufzuwirbeln, den Motor aufheulen zu lassen und die Konkurrenz mit allen Mitteln gnadenlos auszuschalten.

Dabei aber kamen nicht nur die Drängler, Raser und Schubser auf ihre Kosten – auch die zahlreichen Zuschauer am Rande der Rennstrecke hatten wieder ihre Freude, so dass lautes Johlen und tosender Beifall die aufheulenden Crash-Boliden in der Arena übertönten, sobald eines der ausgeschlachteten Fahrzeuge von einem „Verkehrsrowdy“ auf die Seite gelegt wurde oder gar zum Überschlag gebracht wurde. Gerade in dieser Situation wissen die Fahrer aber auch, dass trotz vieler Freiheiten, einige Regeln beachtet werden müssen.

Beim Stockcar bleiben die Momente in Erinnerung, wenn Fahrzeuge durch die Luft fliegen, Dreck über die Piste wirbelt und die Fahrer danach unversehrt aus ihren stählernen Vehikeln steigen. So wurde das Feld durch Ausfälle nach und nach dezimiert. Glücklicherweise überstanden die Fahrer der Rennteams ihre Crashs im Gegensatz zu so manchem Fahrzeug ohne schwere Blessuren.

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