KOmmUNALPOLITIK : Countdown für den Bürgerentscheid

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Kreis rührt Werbetrommel für Neubau des Verwaltungsgebäudes in Itzehoe.

shz.de von
21. Juni 2014, 07:47 Uhr

Der Wahlkampf für den Bürgerentscheid zur Kreishaus-Fassade kommt in die heiße Phase: Heute trommeln in der Fußgängerzone Vertreter aller Kreistagsfraktionen für den geplanten Neubau, gestern appellierte Landrat Torsten Wendt in einem Gespräch mit unserer Zeitung an die mehr als 100 000 wahlberechtigten Steinburger, sich unbedingt mit allen Fakten vertraut zu machen – und dann möglichst mit „Nein!“ zu stimmen. An einem Abriss des ehemaligen Bahnhofshotels und des angrenzenden Bollhardt’schen Gebäudes geht aus Sicht der Chefs der Kreisverwaltung nämlich kein Weg vorbei. Nur so, so betont er, könne die dringend erforderliche Barrierefreiheit für Besucher der Verwaltung und für Mitarbeiter erreicht werden.

Kreisdezernent Dr. Friedrich Stork pflichtet bei: Bei einem Erhalt der Gebäude wären drei Ebenen zu überwinden. So viele Rampen und Fahrstühle wären nicht gerade besucherfreundlich. Kreissprecherin Britta Glatki sieht ebenfalls einen dringenden Bedarf für zeitgemäße Zugänge: „Vor allem im Jugendamt kommen täglich Besucher mit Kinderwagen.“ Torsten Wendt denkt noch ein paar Jahre weiter: Angesichts der demografischen Entwicklung und einer zu befürchtenden Altersarmut werde der Zustrom von Menschen in den Sozialämtern deutlich zunehmen. Und auch das Sozialamt soll, neben der tiermedizinischen Abteilung, aus maroden Gebäuden in der Karlstraße in den Neubau umziehen.

Immer wieder betonen die Sprecher, dass sich die Wähler vor ihrem Votum am 6. Juli mit den Fakten vertraut machen sollten. Dr. Stork: „Wenn sich dann jemand trotzdem für den Erhalt der Fassade ausspricht, akzeptieren wir das natürlich. Nicht aber, wenn jemand den Argumenten der Bürgerinitiative „auf den Leim geht“.

Mit Blick auf den ungewissen Ausgang des Bürgerentscheids räumt Landrat Wendt ein mulmiges Gefühl ein. „Das ist spannender als die Fußball-WM.“ Auch, weil es hier um die Arbeitsplätze vieler Mitarbeiter gehe. Von der Entscheidung hängt aus seiner Sicht das Wohl und Wehe der Itzehoer Innenstadt ab. Er lässt keinen Zweifel daran, dass die Verwaltung notfalls einen Neubau an anderer Stelle vorschlagen werde. Über Ästhetik könne man zwar streiten, nicht aber über den Kaufkraftverlust durch einen Abzug der mehr als 400 Mitarbeiter großen Verwaltung aus dem Stadtzentrum. Wendt warnt zudem davor, dass der Bürgerentscheid verpuffen könnte, wenn man das Bahnhofshotel an einen privaten Investor abgeben müsse. Der nämlich sei an das Votum aus der Bevölkerung nicht gebunden.

Verwaltung und Politik wollen jedenfalls bis 6. Juli Wahlkampf in eigener Sache betreiben. Am 28. Juni und am 5. Juli jeweils von 10 bis 14 Uhr stehen Mitarbeiter im Holstein-Center für Auskünfte bereit. Am 25. Juni findet für Menschen mit Behinderungen eine Sonderführung durch die Kreisgebäude statt. Wendt: „Hier haben sich Gruppen auf eigenen Wunsch gemeldet. Wir freuen uns natürlich über die Schützenhilfe.“ Und am 26. Juni gibt es im Kreishaus um 16 Uhr noch einen Tag der offenen Tür (Anmeldungen unter kreishausneubau@steinburg.de oder Tel. 04821/69235). Auch Vertreter der Bürgerinitiative hätten Interesse an einem Besuch bekundet. An allen Tagen wollen Wendt und sein Team noch möglichst viel Überzeugungsarbeit leisten. „Ich weiß auch, dass der Abriss ein Eingriff ins Stadtbild ist. Aber die Alternative ist nur der Verfall des Gebäudes.“

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