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Flüchtlinge : Containerdorf fertig – aber leer

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das Containerdorf auf dem ehemaligen Prinovisgelände ist fast bezugsfertig. Viele Flüchtlinge sind zuletzt auf die Kreise verteilt worden.

Als Dirk Matthiesen das Camp Itzehoe verlässt, muss er erstmal einen Schritt zurücktreten, damit er nicht von einem Bagger überrollt wird. Denn auf dem Gelände des Camps, für das der Mann vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten zuständig ist, ist im Moment eine Menge Betrieb. „Wir haben schon 350 Container, die am Dienstag bezugsfertig sein sollen“, sagt Matthiesen. Weitere 150 sollen folgen. „Die Bauarbeiten sind jetzt noch nötig, damit die Container mit Strom versorgt und damit beheizt werden können.“

Und doch hofft Matthiesen, dass noch nicht so bald Flüchtlinge in die Container einziehen werden. „Ich habe zumindest die Bitte an das Landesamt in Neumünster gestellt.“ In den vergangenen Tagen haben rund zwei Drittel der Bewohner das Camp verlassen. „Wir sind im Moment verstärkt dabei, die Asylbewerber auf die Kreise aufzuteilen“, sagt die Sprecherin des Landesamts für Ausländerangelegenheiten, Magdalena Drywa. Damit solle Luft für die Weihnachtstage geschaffen werden, an denen auf Anordnung von Innenminister Stefan Studt (SPD) die Verteilung der Flüchtlinge auf die Kommunen vorübergehend gestoppt werden soll, „um durchzuatmen“.

Aus dem Camp Itzehoe werden noch einmal am 16. sowie am 21. Dezember Flüchtlinge in die Kreise verteilt. „Es könnte sein, dass das Camp über die Feiertage vorübergehend leer ist“, sagt Dirk Matthiesen. Dann könnten die ehrenamtlichen Helfer eine Pause einlegen, Polizei und hauptamtliche Unterstützer einige ihrer vielen Überstunden abbummeln. „Das ist ein Sonderfall in Itzehoe, weil wir hier mit dem Einzug der Bewohner in die Container ja ohnehin so eine Art Neuanfang machen“, sagt Matthiesen. Der könnte dann im Januar erfolgen. Zurzeit gingen die Flüchtlingszahlen etwas zurück. „Vielleicht liegt es an der Politik, vielleicht an der Jahreszeit“, sagt Matthiesen. Niemand könne jedoch wissen, wie es weitergeht. Selbstverständlich sei damit zu rechnen, dass in den nächsten Tagen und Wochen neue Flüchtlinge ankommen, so dass sich die Zahl der Bewohner der Unterkunft schnell wieder auf 1000 erhöhen könnte, sagt Magdalena Drywa.

Die Container jedenfalls bieten Platz für 2000 Flüchtlinge. Matthiesen öffnet ein gebrauchtes und aufgearbeites Exemplar. Zwei Doppelstockbetten, vier Spinde, ein Tisch und vier Stühle auf gut zehn Quadratmetern – das wird bald die Heimat für jeweils vier Flüchtlinge sein. Dazu stehen auf den Parkplätzen der ehemaligen Druckerei Sanitätscontainer und Wasch- sowie ein Cateringzelt. „Die Kantine und die Waschräume im Gebäude werden wir weiter nutzen“, sagt Matthiesen. Eine der drei Hallen, in denen die Flüchtlinge bislang geschlafen haben, wird geräumt und soll zu einer weiteren Freizeithalle werden. Eine Halle soll als Lager dienen, die dritte wird bestehen bleiben – falls doch wieder mehr Flüchtlinge kommen und die Kapazität des Containerdorfs nicht ausreicht.

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erstellt am 10.Dez.2015 | 17:54 Uhr

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