Christa Engel bannt Motive auf Porzellan

Die Kraniche in der Sauna.
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Die Kraniche in der Sauna.

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06. Januar 2011, 07:27 Uhr

Marne | Ein lebensgroßer Leopard ziert das Treppenhaus, Paare in der Robe verschiedener Epochen glänzen von Tellern im Flur, ihnen gegenüber hängt ein großer Kutter an der Wand, gesteuert von einem glücklich wirkenden Seemann. Im Hintergrund verschwimmt die Sonne mit den Wellen. Allen Kunstwerken gemein ist, dass sie von Christa Engel auf Porzellan gebannt worden.

Mehr als 20 Jahre geht die Marnerin ihrem Hobby nun schon nach, stellt einmal jährlich im Heimatmuseum aus und fertigt auch gern auf Wunsch individuelle Geschenke. Dabei gibt es keine Motivbeschränkung. "Ich kann alles malen außer Portraits", sagt die 75-Jährige. "Das ist etwas Besonders." Aber das Lieblingstier vom Foto, das eigene Haus oder Florales auf einem Service oder die Windmühle der Region in Delfter Blau auf einer Kachel - Christa Engel malt in ihrem Atelier alles. Selbst Porzellanfingerhüte, Lampenfüße, Vasen oder Terrinen verziert sie nach Wunsch und Ideen.

Inspiriert wird sie auf ihren Reisen: So lässt sich ihre Affinität zu ägyptischen Motiven unschwer auf einer Deckelvase im Küchenregal erkennen; die Entwicklung ihrer Lieblingstiere - den Kranichen - malte sie in den heimischen Saunabereich. Dabei zeichnet sie vorher nie eine Skizze auf das Porzellan. "Wenn ich das Stück sehe, dann ist es in mir drin und ich weiß, wie ich es haben will. Bleistift oder ähnliches würde man außerdem sehen." Damit die Werke überhaupt sichtbar und fixiert werden, müssen sie gebrannt werden.

"Nach einem Volkshochschulkurs 1987 war mein Mann so begeistert, dass er mir einen Brennofen gekauft hat", erzählt Christa Engel und lächelt. Heute freut sich ihr Mann auch über die kleinen Meisterwerke auf Porzellan, doch früher stellte Christa Engel ihre Kreativität hinter das Wohl der Familie. Erst nach dem VHS-Kurs zum Anmischen von Porzellanfarben entdeckte sie ihre Leidenschaft neu. Sie selbst mischt seitdem mit Anis- und Siebdrucköl. "Wenn ich auf einer Ausstellung male, sagen die Leute immer, bei mir riecht es so gut."

Entdeckt wurde ihr Talent von einem bekannten Zeichner, Maler und Grafiker in Brunsbüttel: "Ich hatte das große Glück, bei Herrn Lippert gefördert zu werden und bei ihm Unterricht zu haben." Willi Horst Lippert kam während des Zweiten Weltkriegs mit dem Militär nach Brunsbüttel und gab, vorerst ohne feste Anstellung, Zeichenunterricht an der Boje-Realschule - unter anderem auch Christa Engel. "Doch als ich 1953 die Schule verlassen habe, war ich froh, eine Lehrstelle zu bekommen, denn mit Kunst war kein Geld zu verdienen", erzählt die heute 75-Jährige. Sie wurde Bürokauffrau, doch ihr künstlerisches Talent gab sie nie ganz auf, es pausierte nur.

Heute malt sie aus Freude, zur Entspannung, wann immer es die Pflege ihres Mannes zulässt. "Ich will damit ja kein Geld verdienen, das ist mein Hobby, ich mache das, weil es mir Freude macht und es mich entspannt." Die Preise, die an den kleinen Kunstwerken in ihrem Atelier kleben, verraten: Sie decken lediglich Material und Stromkosten. In ihrem Atelier warten noch verschiedenste Tassen, Fingerhüte, Teller oder Kacheln auf die passende Bemalung. Oder man bringt das eigene Porzellan zur Künstlerin. "Doch damit muss man vorsichtig sein, oftmals haben schon benutzte Sachen kleine Haarrisse, die beim Brennen auseinander gehen, das muss man im Einzelfall sehen."Wer Kontakt aufnehmen will, Christa Engel ist unter 04851/2581 erreichbar.

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