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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 01:47 Uhr

Wirtschaft : Chancen für den Standort nutzen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Geplante Ausgliederung von MaterialScience aus dem Bayer-Konzern wird in Brunsbüttel recht gelassen betrachtet.

von
erstellt am 22.Sep.2014 | 16:45 Uhr

War das schon ein Vorzeichen? Im vorigen Jahr zog die Bayer AG Pläne für den Umbau des Brunsbütteler Werks zum alleinigen Produzenten von MDI als Ausgangsstoff für harte Schaumstoffe zurück. Die werden unter anderem in Dämmungen verwendet – ein Zukunftsmarkt. Die behördliche Genehmigung liegt vor. Gebaut wird dennoch erstmal nicht. Die 120-Millionen-Investition verschwand in der Schublade. Jetzt verkündete der Konzernvorstand den Abschied von der Tochter MaterialScience. Die soll als eigenständige AG an die Börse gebracht werden – innerhalb der nächsten zwölf bis 18 Monate. Große Ausgaben sind da eher hinderlich.

Seit 41 Jahren ist der Chemiekonzern mit einem Werk in Brunsbüttel vertreten. Die geplante Abtrennung löste Beklommenheit bei der Belegschaft aus. Schließlich konnte die erst vor kurzem in unmittelbarer Nachbarschaft sehen, wie unternehmerische Entscheidungen sich auch ins Negative verkehren können. Von den zuletzt 100 Mitarbeitern der Chemischen Fabrik Brunsbüttel sind gerade mal 29 geblieben. Und auch der Chemie-Spezialist Lanxess, ebenfalls im Bayer-Industriepark ansässig und einstige Tochter des Leverkusener Konzerns, wird umgebaut. Angeblich mit wenig Auswirkungen auf den Standort an der Elbe. „Das ist eine angespannte Situation“, sagt denn auch der Brunsbüttelbeauftragte der Landesregierung, Günther Meienberg. Er verfolgt die Entwicklung bei Bayer mit einer gewissen Skepsis.

Immerhin, der Belegschaft – 600 Mitarbeiter sind in Brunsbüttel tätig – wurde in einer Betriebsversammlung am Freitag eine große Sorge genommen: Die geltende Vereinbarung über einen besonderen Kündigungsschutz bis 2020 gilt weiterhin, Und auch die Pensionskasse ist nicht vom geplanten Börsengang betroffen.

Werkleiter Dr. Klaus Gebauer hat in dieser Versammlung sogar eine Aufbruchstimmung beobachtet: „Es war zu spüren: Jetzt erst recht.“ Vor geladenen Gästen beim Tag der offenen Tür am Sonnabend erklärte Gebauer, dass die Lostrennung sogar Chancen berge für den viertgrößten Polyurethan-Produzenten in Europa: „MaterialScience kann sich mit eigenen Entscheidungen als Betrieb entwickeln.“ Mit Blick auf den Chemiestandort Brunsbüttel sagte er: „Lassen Sie uns unsere Kräfte bündeln!“

Auf die Unterstützung von Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer kann Gebauer zählen. Der Minister erklärte am Sonnabend, der Stier müsse bei den Hörnern gepackt werden: „Wir wollen einen starken Teil von MaterialScience in Brunsbüttel behalten und fortentwickeln.“ Mit Blick auf den Beschäftigungspakt im Unternehmen sagte er, dass es nun gelte, die Zeit bis 2020 zu nutzen, um den Standort um das Chemiewerk zu stärken. Denn was die Industrie insgesamt angehe, sei Brunsbüttel im Land eine Perle.

Offen bleibt weiterhin, was aus dem großen Werksumbau bei MaterialScience in der Schleusenstadt wird. Denn offenbar hat sich der Wachstumsmarkt für Dämmstoffe nicht so entwickelt wie erhofft. Genau darauf sollte die 120-Millionen-Investition abzielen. Das Brunsbütteler Werk sollte zum Global Player in dieser Sparte werden. Zunächst wird dort nun aber auch weiterhin TDI als Ausgangsmaterial für weiche Schaumstoffe, wie sie etwa in Matratzen und Sitzpolstern zu finden sind, produziert. Eigentlich war beabsichtigt, diesen Part auf das Werk in Dormagen zu übertragen. Dort ist vorgesehen, dass im nächsten Jahr die Produktion angefahren wird. Dann wäre in Brunsbüttel der Weg frei, die MDI-Kapazität von 200 000 auf 420 000 Tonnen im Jahr hochfahren.

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