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„Little Flowers of China e.V.“ : Chance aufs Leben für Waisen in China

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

In China werden kranke Babys oft ausgesetzt. Die Kinderheime sind überfüllt. Aber sie bekommen Hilfe aus Deutschland. Der Grevenkoper Verein „Little Flowers of China“ unterstützt Heime in Peking

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erstellt am 26.Okt.2013 | 08:00 Uhr

Der Tod eines kleinen Mädchens aus China im Oktober 2011 hat die ganze Welt erschüttert. Überwachungskameras in einem Eisenwarenmarkt hielten den schrecklichen Unfall fest und dokumentierten, wie wenig das Leben eines Kindes in China manchmal zählt: Ein zweijähriges Mädchen wird von einem Lieferwagen überrollt. In den nächsten Minuten passieren 18 Menschen die Unfallstelle, an der die kleine Yue Yue in ihrem Blut liegt, ein weiterer Laster überrollt das Kind, aber keiner hilft. Erst eine Müllsammlerin ruft schließlich um Hilfe, bis die Mutter des Mädchens herbeieilt. Weinend schließt sie ihre schwer verletzte Tochter in die Arme, aber die Hilfe kam zu spät. Wenig später stirbt Yue Yue im Krankenhaus.


Teure Krankenversicherung ein Todesurteil für kranke Babys


Auch andere Kinder sterben in China am Straßenrand , aber um sie weint niemand. Sie haben eine Gaumenspalte, einen Gendefekt oder einen Herzfehler. Ihre Eltern setzen keine Berge in Bewegung, um ihrem Spross zu helfen, sondern setzen ihren Nachwuchs aus, weil er krank ist oder statt eines Stammhalters ein Mädchen geboren wurde. Aber in Waisenheimen bekommen sie auch dank eines Vereins aus Grevenkop eine zweite Chance aufs Leben.

Das traurige Schicksal des kleinen Mädchen brachte in Deutschland zwei Mütter zusammen – und damit eine riesige Hilfswelle für chinesische Waisenkinder ins Rollen. Jana Schmidt (37) aus Grevenkop und Sandra Bucker (33) aus Bernau bei Berlin waren beide so schockiert von dem Vorfall, dass sie im Dezember 2012 den Verein „Little Flowers of China e.V.“ mit Sitz in Grevenkop gründeten. „Ab dem Moment haben wir beide beschlossen, unsere Ohnmacht und negativen Emotionen in etwas Positives und Effektives umzuwandeln. Wir wollten nicht akzeptieren, dass ein Land, das so ein großes Wirtschaftswachstum hat, seine Zukunft, nämlich die Kinder, nur unzulänglich versorgt. Unsere Arbeit begann.“

Beide sind Asien-Fans. „Ich sah wie viele andere Menschen nur die schönen Seiten in China. Erst in den 90er Jahren sah ich bei Stern-TV einen Beitrag über chinesische Waisenheime. Man sah Mädchen, Mädchen,Mädchen und kranke Kinder. Selten gesunde Kinder und Jungen“, so Sandra Bucker. Den Grund für die Probleme erklärt Jana Schmidt: „Schuld sind die chinesische Ein-Kind-Politik, das Gesundheitswesen und der erhebliche Differenzierung zwischen Jungen und Mädchen.“ Ein krankes Kind würde den absoluten finanziellen Ruin bedeuten. Die Anzahl der Waisenkinder sei deshalb sehr hoch. „Aber die staatlichen Einrichtungen sind hoffnungslos überfüllt.“ Die Kinder, die die staatlichen Einrichtungen nicht versorgen können, geben sie an private Waisenheime ab. „In den letzten Jahren wurden viele private Heime aufgebaut. Denen helfen wir“, so Jana Schmidt. „Gemeinsam wollten wir etwas für die Kinder tun. Wir haben es uns zum Ziel gemacht, verwaisten chinesischen Kindern eine Chance auf Leben zu ermöglichen.“

Die Waisenheime sind dringend auch auf Unterstützung angewiesen. „Die Sterblichkeitsrate jener Kinder ist nicht zu unterschätzen “, erklärt Jana Schmidt. Es fehlt an Geld, medizinischer Versorgung und Personal, wie Karen Brenneman erklärt. Die US-Amerikanerin ist Leiterin des Waisenheimes „New Day Foster Home“ in Peking. „Viele der Dinge, mit denen der Verein uns unterstützt, sind hier in China nicht verfügbar oder von schlechter Qualität. Außerdem ermöglichen uns die Spenden, mehr Mittel für Operationen zu verwenden.“

Als Privatpersonen fingen die zwei deutschen Mütter an, zunächst ein Kinderheim in Peking zu unterstützen. Aber die Sache entwickelte schnell eine Eigendynamik. Die zwei Frauen fragten bei deutschen Firmen an, Produkte für die chinesischen Waisenkinder zu spenden. Die Resonanz der Firmen war so groß, dass mittlerweile schon sechs Kinderheime unterstützt werden können. Bisher sind rund 900 Kilo Spenden nach Peking gebracht und an die Waisenheime verteilt worden. „Besonders für Neugeborene brauchen wir immer Artikel – von der Windel bis zur Kleidung“, so Jana Schmidt. Sie und Sandra Bucker hoffen, auch noch ein Logistik-Unternehmen als Sponsor gewinnen zu können. „Die Pakete mit der Post zu schicken ist aber teuer“, so Jana Schmidt. Aber sie bekommen bei diesem Problem Hilfe von Privatpersonen: Windeln, Produkte zur Wundversorgung oder Kleidung kommen mit Hilfe von Reisenden ans Ziel.


Mit Aktentasche und Koffern voller Windeln nach China


Zwei der reisenden Unterstützer sind Verena Giese (39) und Sven Prochowski (36) aus Unna (Nordrhein-Westfalen). Das Ehepaar lebte eine Zeit lang in Peking und hat einen Sohn, der am Herzen operiert werden musste. „Wir in unserer 1-a-Welt bekommen solche Operationen, aber da sterben die Kinder“, sagt Verena Giese. Im Internet stieß sie auf den Grevenkoper Verein und nahm Kontakt auf. „Mein Mann fliegt beruflich noch viel nach Peking und hat dann jedes Mal Windeln und Medizinprodukte im Gepäck“, erklärt sie. „Wenn ich selbst fliege, lasse ich die Hälfte meiner der Sachen zu Hause und packe lieber Spenden ein. Jedes Kilo hilft.“ Als sie 2010 in einem Pekinger Heim mitgeholfen habe, hatte es nicht mal eine Heizung und es war nicht gesichert, dass jedes Kind operiert werden kann. „Es ist toll zu sehen, wie sich die Situation mittlerweile verbessert hat durch die Hilfe und Spenden. Die Kinder bekommen endlich eine Chance.“

 

Info: Little flowers of china e.v. Hilfe für Waisen in China

Mütter, die in ihren Schränke Medizinprodukte verstauen, neben ihrem Job und der Kinderbetreuung stundenlang telefonieren, organisieren. Geschäftsmänner, die mit Aktenkoffer und kiloweise Windeln im Gepäck ans andere Ende der Welt fliegen und kranke Kinder, die nach einem schweren Start ins Leben endlich wieder lachen können – das ist die Geschichte des gemeinnützigen Vereins Little Flower of China e.V.. Jana Schmidt aus Grevenkop (Vorsitzende) und Sandra Bucker aus Bernau (2. Vorsitz) gründeten den Verein im Dezember 2012. Neun Mitglieder hat der gemeinnützige Verein derzeit, alles ehrenamtliche Helfer. Der Verein unterstützt sechs Baby-Waisenheime in China. Dabei hat sich der Verein auf Spendensammlungen und Sponsorensuche in den Bereichen Wundversorgungsprodukte, Baby-Pflege und Bekleidung/Windeln spezialisiert. Homepage: www.littleflowersofchina.org/ , Facebook: www.facebook.com/#!/LittleFlowersofChina; Kontakt: Telefon: 04824- 4000 624 Email : info@littleflowersofchina.org
 

 

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