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Integration in Itzehoe : Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Marvin Mertens kommt von der Steinburgschule – und verstärkt die Hausmeisterei am Regionalen Berufsbildungszentrum.

Itzehoe | „Marvin, da bist du ja! Wie schön!“ Bernhard Schaardt freut sich, als er den 18-Jährigen unerwartet in der Hausmeisterei des Regionalen Berufsbildungszentrums (rbz) trifft. Denn eigentlich hat Marvin Mertens frei, lässt es sich aber nicht nehmen, seinen Kollegen einen Besuch abzustatten. Seit Februar machte er ein Praktikum. Ab Montag ist er als Mitarbeiter in der Hausmeisterei beschäftigt.

Das Besondere daran: Marvin hat eine geistige Behinderung, besuchte bis vor kurzem die Steinburgschule. In der Regel stehen die Chancen für Menschen mit Behinderung eher schlecht, eine Anstellung außerhalb der Werkstätten auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden. Um dies zu ändern und Betroffenen eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, wurde vor drei Jahren das Projekt „Übergang Schule und Beruf“ (ÜSB) gegründet. „Es war bis dahin nicht vorgesehen, Schülern mit Behinderung entsprechend ihrer Wünsche und Begabungen die Türen zu öffnen“, erklärt Rainer Albath, Projektkoordinator im Kreis und Lehrer am rbz. Träger des Projektes ist der Integrationsfachdienst (IFD) unter dem Dach der Brücke Schleswig-Holstein.

Marvin nimmt seit 2011 daran teil. Nachdem er und seine Eltern sich dafür entschieden hatten, stand zunächst eine Potenzialanalyse an, bei der seine Stärken herausgearbeitet wurden. Berufswünsche wurden thematisiert, Marvin und seine Mitschüler lernten Berufe kennen. Auch die selbstständige Anfahrt per Bus aus Wilster nach Itzehoe übte Marvin dabei. Angeleitet und betreut wurde er von Miriam Kaufmann, Mitarbeiterin des IFD. Sie begleitete Marvin auch in den folgenden Praktika – bis heute. Regelmäßig besucht sie ihn an seinem Arbeitsplatz. Ein Mal jährlich musste Marvin sich und seine Ergebnisse in einer Berufswegekonferenz präsentieren, um weiter dabei zu sein.

Metallbau stand bei Marvin anfangs ganz oben auf der Favoritenliste. Doch beim Praktikum in einer Itzehoer Metallbaufirma merkte er, dass die immer gleichen Arbeitsabläufe nicht sein Fall sind. Anders beim Bauhof in Wilster, in der Gärtnerei der Glückstädter Werkstätten und in der Hausmeisterei am rbz: Es sei mehr zu tun, die Aufgaben gefielen ihm besser, und sie seien abwechslungsreicher, erzählt Marvin. „Unkraut ziehen mag ich gerne.“

Weil es „an adäquaten Praktikumsplätzen mangelt“, regte Albath an, einen Platz in der Hausmeisterei des rbz zu schaffen. Bei den Angestellten stieß er erst einmal nicht auf Begeisterung: „Wir haben schon so viel zu tun, wie sollen wir uns da noch um so jemanden kümmern?“, hieß es. Doch als Marvin da war, legte sich die Skepsis schnell. „Nach zwei Wochen war Marvin voll integriert“, berichtet Albath. Inzwischen fragen die Kollegen sofort nach, wenn Marvin nicht bei ihnen ist.

„Sehr gut“ mache sich der 18-Jährige, so Hausmeister-Kollege Bernhard Schaardt. „Man merkt sofort: Er will.“ Bei der Arbeit stelle Marvin sich geschickt an, sei motiviert, pünktlich und „immer da“ – „kein Vergleich“ zu vielen anderen Praktikanten, ob mit oder ohne Behinderung. Und auch Marvin selbst gefällt die Arbeit am rbz „sehr gut“. Mit den Kollegen komme er „gut klar“ und erhalte Hilfe, wenn nötig. Mit seinen drei Kollegen hält er die Anlagen in Ordnung, erledigt Gartenarbeiten, baut für Veranstaltungen auf und ab oder wechselt Lampen aus. „Es macht Spaß“, so Marvin.

Sein zweiwöchiges Praktikum verlängerte er mehrmals – bis die Option einer Anstellung im Raum stand. „Momentan wird die Stelle geschaffen“, so Albath. Bis dahin werde Marvin im Rahmen einer unterstützten Beschäftigung von der Arbeitsagentur bezahlt, flexible und vielschichtige Weiterbildung gehört dazu. Dabei habe Marvin auch die Möglichkeit, nach seinen Interessen in den Unterricht hineinzuschnuppern. In zwei Jahren soll er dann als Mitarbeiter übernommen werden – als Vorreiter für Schüler mit Behinderung, die auf dem ersten Arbeitsmarkt angekommen sind.

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