CFB: Gespräche gescheitert

Andreas Suß
Andreas Suß

Gewerkschaft setzt auf unabhängige Verhandlungsführung für Sozialplan

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23. Juli 2014, 11:48 Uhr

In einer Woche sollen beim Textilfarbenhersteller CFB im Bayer-Industriepark die Lichter endgültig ausgehen. Das hatte die Geschäftsleitung den Beschäftigten am 23. Juni mitgeteilt. Grund für das Aus des seit Jahren unter verschiedenen Besitzern immer wieder schlingernden Unternehmens sind massiv gestiegene Kosten. Die 110 derzeit dort beschäftigten Mitarbeiter sehen sich vor einer ungewissen Zukunft. Denn die Gespräche über den von der Gewerkschaft IG BCE angestrebten Sozialplan sind gescheitert.

„Es sind völlig unterirdische Angebote gemacht worden“, erklärt Gewerkschaftssekretär Andreas Suß. Obwohl die IG Bergbau, Chemie, Energie bereits mit niedrigen Vorstellungen in die Verhandlungen mit der Geschäftsleitung des angeschlagenen Unternehmens gegangen sei, wären selbst diese Vorschläge als zu hoch bezeichnet worden. Daher habe es aus gewerkschaftlicher Sicht keine andere Möglichkeit gegeben, als die Verhandlungen über den Sozialplan für die Belegschaft als gescheitert zu erklären. Die konstruktive Fortsetzung der Gespräche erhofft sich Suß durch die Einschaltung eines neutralen Vermittlers. Hier habe die IG BCE den Namen einer auf diesem Feld renommierten Person genannt. Akzeptieren muss die Geschäftsführung der zur Chemie GmbH Bitterfeld-Wolfen gehörenden CFB nicht. Suß setzt jedoch auf die Wiederaufnahme der Gespräche. Er betont: „Wir werden keine Hängepartie daraus machen. Die Leute haben ein Recht auf eine Lösung.“

De Facto sei der Belegschaft noch gar nicht gekündigt worden. Denn die Gespräche über den einem Sozialplan vorgeschalteten so genannten Interessensausgleich laufen weiter. Folge, so Suß: Kündigungen könnten nur unter Wahrung der vertraglichen Fristen ausgesprochen werden. Bis dahin stünden die CFB-Mitarbeiter unverändert auf der Gehaltsliste ihres Arbeitgebers.

Zwar ist er überzeugt, dass gerade Chemielaboranten und Chemikanten relativ gut neue Arbeit finden sollten. Dies wohl aber nicht in benachbarten Betrieben im Brunsbütteler ChemCoast Park, sondern eher im Großraum Hamburg. Um jedoch soziale Härten abzufangen, sei ein Sozialplan wichtig. Der reiche von der einfachen Abfindungszahlung bis hin zur Transfergesellschaft. Und genau die hat die Gewerkschaft offenbar zum Ziel. Zumindest bezeichnet Suß dies als ideale Lösung. Er sagt aber auch: „Wir werden keinem Interessensausgleich zustimmen, wenn wir die Perspektive nicht kennen.“

Einen Zeitplan für die Fortsetzung der Gespräche über den Sozialplan gäbe es nicht. Suß: „Ideal wäre unverzüglich.“ Letztlich habe auch der Arbeitgeber eine Verantwortung seinen Mitarbeitern gegenüber. Die schieben offenbar keine ruhige Kugel in der Farbenfabrik, obwohl diese bis zur beabsichtigten Schließung am 30. Juli „chemiefrei“ sein soll. „Es wird gearbeitet wie verrückt“, beschreibt der Gewerkschafter die Situation im Werk. Allerdings sei die Stimmung unter den Mitarbeitern denkbar schlecht. „Die Leute haben schon eine leidvolle Geschichte hinter sich. Sie sind jetzt stinksauer.“

Den Grund dafür habe Geschäftsführer Bernd Mucha selbst geliefert. Denn er habe in der Betriebsversammlung eine „saubere Lösung“ angekündigt. Genau die sei momentan aber nicht in Sicht.

Suß versteht die sperrige Haltung nicht, sagt, dass er Derartiges in 21 Jahren Gewerkschaftsarbeit nicht erlebt habe. Im Interesse der Mitarbeiter solle kein überhasteter Konfrontationskurs gefahren werden. Suß sagt aber auch: „Viel zu verlieren haben wir nicht.“ Bernd Mucha war für ein Stellungnahme nicht erreichbar.

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