Film über Wacken Open Air : Casting für die Kieskuhle

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Filmemacher wollen die Geschichte des Wacken Open Air nachstellen. Mehr als 100 Bewerber für kleinere Rollen.

shz.de von
05. März 2018, 10:37 Uhr

Wacken | Metal-Fans in schwarz kaufen die Tankstelle leer, die Biervorräte im Supermarkt neigen sich dem Ende zu, und Lieferwagenfahrer fragen sich durch, wo sie überhaupt hin sollen – Szenen aus den Anfangstagen des Wacken Open Air (WOA). Szenen aus der Zeit, in der es noch nicht die heute hochprofessionelle Infrastruktur gab. Um das Geschehen des Metal-Festivals aus der Zeit seines Entstehens wieder lebendig werden zu lassen, soll nun ein internationaler Kinofilm gedreht werden. Aber: „Hier spritzt kein Blut, eher das Bier“, wie es Produzent Michael Lütje von der Filmproduktionsfirma „Take 25 Pictures“ aus Lunden beschreibt.

Die „Wacken Winter Nights“ am vergangenen Wochenende nutzten die Macher des Films mit einem Live-Casting, um Komparsen und (Klein-)Darsteller zu finden. Das Hinweisschild war eher unscheinbar, die Aktion dafür umso umfangreicher: Mehr als 100 Freiwillige meldeten sich über den ganzen Tag hinweg im WOA Outlet-Store in der Hauptstraße.

Im hinteren Raum saßen die Filmemacher um Regisseur Michael David Pate, beantworteten die Fragen der Teilnehmer und gaben ihnen die nötigen Tipps und Informationen. „Wir hatten Männer und Frauen jeden Alters hier“, freute sich Produzent Michael Lütje. „Die Jüngste war zwölf, der Älteste noch im Krieg geboren; viele aus Wacken, aber auch Festivalbesucher.“

Teilnehmen konnte jeder, der schon immer mal in einem Film mitmachen wollte. Zu vergeben sind insgesamt mehr als 500 Kleinrollen für Filmbegeisterte. Von den Bewerbern wurden zwei Fotos geschossen – „… wie bei einer Verhaftung: eines frontal, eines von der Seite“, schilderte Produktions-Assistentin Mirja Wagenknecht, die die Fotos machte.

Die Teilnehmer freuten sich über die Gelegenheit, einmal an einem Film mitwirken zu können, und das Beste: „Sie haben die Chance, einen Blick hinter die Kulissen eines großen Kinofilms zu werfen und hautnah dabei zu sein“, so Produzent Florian Schauer.

Wie Vivien Schmeer (25) aus Pinneberg, die bislang weder mit dem Film noch mit dem Festival große Berührung hatte und beim Casting die Nummer „100“ erhielt. Ihr Freund hatte sie im vergangenen Jahr aufs WOA mitgenommen. „Ich habe jetzt von dem Casting durch Zufall erfahren und fand das eine schöne Idee“, sagte die junge Frau, die das Festival bislang nur als Mega-Veranstaltung mit 80 000 Fans kennt. „Das war früher wahrscheinlich sehr klein mit einer winzigen Bühne im Vergleich zu heute“, vermutet sie. „Ich hoffe, dass sie es gut umsetzen und würde mich freuen, ein Teil davon zu sein. Und von den Bands aus den Anfangstagen wie Doro und Saxon habe ich auch schon einmal etwas gehört.“

Auch Frank Grabmeier (40) aus München, der seit fünf Jahren aufs Festival fährt, machte mit. „Nun habe ich als spät Dazugekommener einmal die Gelegenheit zu erfahren, wie es da in den Anfangstagen zuging“, sagte er. „Ich habe gehört, dass es in der Kieskuhle statt fand, da war ich gerade zwölf Jahre alt. Das stelle ich mir so vor, wie es das Wort schon sagt: mit einer Akustik, die dafür gereicht hat“, vermutet er.

Aufgrund der zahlreichen Anmeldungen freute sich Michael Lütje: „Wir sind zufrieden, das war ein schöner Anfang.“

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