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Detlefsen-Museum : Carl Blohm – ein Künstlerleben

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Ausstellung über Werke des Malers und Bildhauers eröffnet / Christian Boldt ist ab 1. Januar offiziell Direktor des Detlefsen-Museums

von
erstellt am 01.Dez.2015 | 17:18 Uhr

Christian Boldt wird ab 1. Januar hauptamtlicher Direktor des Detlefsen-Museums. Dies verkündete Bürgermeister Gerhard Blasberg auf der Eröffnung der neuen Sonderausstellung über Carl Blohm. Die frühere Leiterin, Catharina Berents hat nach langem Krankenstand gekündigt. „Gut, dass Christian Boldt jetzt lange Zeit bleiben wird“, sagte Blasberg. Und er dankte dem ehrenamtlichen Engagement des Vorstandes des Fördervereins, der den Betrieb aufrecht erhalten hat.

Tränen der Rührung zeigte Hans-Peter Widderich vom Förderverein. Fast versagte es ihm die Stimme, als er Christian Boldt als „patenten Wissenschaftler, als Motivator mit der guten Basis zum Chef des Museums“ lobte.

Christian Boldt ist seit einigen Monaten bereits kommissarischer Direktor. Deshalb eröffnete der 40-Jährige auch die Sonderausstellung mit Werken von Carl Blohm, die er gemeinsam mit Hans-Peter Widderich kuratiert hat. Boldt dankte allen, die mitgeholfen haben, diese Präsentation möglich zu machen: der Familie Blohm, den Kulturpartnern, dem Vorstand vom Förderverein und dem Team des Detlefsen-Musuems. Von ihnen allen sagte er: „Es ist mir eine Ehre mit euch zusammenarbeiten zu dürfen.“

In die Ausstellung selbst führt Hans-Peter Widderich vor zahlreichem Publikum ein. Denn seit langem ist der Kunstkenner begeisterter Fan von Carl Blohm (1886-1946), der in Tönning geboren wurde. „Er lernte das Handwerk eines Malers, denn dies war damals Voraussetzung für ein Studium an der Kunstgewerbeschule in Hamburg.“ Mit dem Gesellenbrief ging er als junger Mann zunächst auf Wanderschaft bis in die Schweiz. „Wanderschaft, Reiselust und Fernweh blieben für Blohm feste Konstanten“, sagte Widderich. Zu Blohms Lehrern gehörten Arthur Illies und Julius Wohlers. Beide waren im legendären Hamburger Künstlerclub von 1897, deren Mitglieder sich vom Impressionismus inspirieren ließen. „Sie zogen hinaus in die Natur, malten in und um Hamburg. Freilichtmalerei und Natursehnsucht war die Parole.“

Eine Segeltour mit Malerfreund Walter Reinke führte Blohm nach Kollmar. Vom Schiff aus entdeckten sie den Ortsteil Bielenberg. Carl Blohm blieb und holte 1919 seine Frau Maria nach. Die beiden Söhne Detlev und Carsten wurden dort geboren und wuchsen in dem Haus am Deich auf. Schnell fand der Künstler Freunde in Glückstadt und wurde als Maler der Elbmarsch bekannt. Sein Bild „Nebel“ wurde bereits 1925 im Heimatbuch des Kreises Steinburg abgebildet. „Das Bild war ein Reißer, der Maler schuf eine Zweitfassung“, erklärte Widderich. „Nebel“ bildete die „neue Sachlichkeit“ ab. Er habe sich aber auch einen Namen als Porträtist gemacht.

„Um 1930 entdeckte er die dritte Dimension, um sich auch im Raum voll auszudrücken. Es entstanden vor allem Porträtbüsten.“ Auch hiervon sind einige in der Ausstellung zu sehen.

Mitte der 20er Jahre verlies Blohm seine Frau, neue Lebensgefährtin wurde Grete Röhr. „Sie begleitete den Maler bis zum Lebensende. Für Maria Blohm mit den beiden Kindern begannen schwere Zeiten, aber sie hielt es bewundernswert in Bielenberg aus.“

Blohm, ein Antifaschist, ging in der Nazizeit wieder auf Wanderschaft. Ende 1933 reiste er für längere Zeit nach Albanien. Danach wohnte er zunächst in Berlin und kam dann zurück in die Region, um in Dägeling zu leben, wo Grete Röhr ein Haus baute. In der Nazizeit wurden zwei Bilder von ihm als entartet beschlagnahmt, auf der anderen Seite schuf er überlebensgroße Statuen für die Freiherr-von-Fritsch-Kaserne in Itzehoe. Als er 1944 einen amerikanischen Soldaten rettete, der mit seinem Bomber abgestürzt, war wurde er verhaftet. Durch einflussreiche Verbindungen kam er wieder frei.

Nach dem Krieg plante er einen Neuanfang. Doch Blohm starb bereits 1946 in Itzehoe.


>Zur Ausstellung gibt es den Katalog „Ein Malerleben zwischen Bielenberg, Dägeling und Anderswo“. Sponsoren der Ausstellung sind die Stadtwerke Glückstadt und Bürgerstiftung der Volks- und Raiffeisenbank Pinneberg

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