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Notunterkunft Itzehoe : Camp wartet auf neue Bewohner

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Flüchtlings-Unterkunft in Itzehoe ist im Moment nicht bewohnt. Und doch herrscht dort jede Menge Leben. Mitarbeiter bereiten das Camp für neue Gäste vor.

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2016 | 17:50 Uhr

Es sind nur ganz wenig übrig. „Wir ziehen noch die letzten Betten ab – dann ist diese Halle auch leer“, sagt Andreas Borze. Der Mitarbeiter der Johanniter steht in einer der großen ehemaligen Hallen im Camp Itzehoe in denen bis vor ein paar Wochen noch fast 500 Menschen übernachtet haben. „Derzeit ist unser Belegungsstatus allerdings bei null“, sagt Dirk Matthiesen vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten. Denn seit kurz vor Weihnachten die letzten Flüchtlinge von dem Camp aus auf die Kreise verteilt worden sind, sind die Hallen unbewohnt, die rund 1000 Betten ausgeräumt.

„Das Containerdorf ist mit rund 540 Einheiten zwar nahezu fertig, aber wir haben noch keine Betriebsgenehmigung“, sagt Campleiter Lars Bessel. Rettungswege müssten noch genau festgelegt werden, auch die Nummerierung der einzelnen Container steht noch aus, damit dem Baurecht genüge getan wird. Die Stromanschlüsse sind gelegt, auch das Catering- und die Sanitätszelte stehen für neue Flüchtlinge bereit. Bis zu 2000 könnten dort wohnen. „Wann allerdings neue Flüchtlinge eintreffen und in Itzehoe untergebracht werden ist noch völlig unklar. Die Abstimmungen dazu laufen gerade“, sagt Magdalena Drywa vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten in Neumünster. Auch wie viele Flüchtlinge es werden, sei noch nicht raus.

In Itzehoe bereiten sich Bessel und seine rund 20 Mitarbeiter schon jetzt auf den Neueinzug vor. „Wir werden viele Aktivitäten nach draußen ins Containerdorf verlagern.“ So sollen die Flüchtlinge dort essen und sich waschen. Auch einen speziellen Container für Beratungen soll es geben, der campeigene Frisör soll daneben seinen Platz haben. Dazu will Bessel eine kleine Bücherei einrichten, sucht dafür noch englische oder arabische Bücher. Die Schule und die Freizeithalle im ehemaligen Prinovisgebäude bleiben bestehen, dort werden auch Kinder betreut. Allerdings musste das Landesamt aus Baurechts- und Kostengründen auf die Einrichtung einer weiteren Freizeithalle verzichten, so Matthiesen.

Im Gebäude werden die Flüchtlinge weiter registriert. Allerdings will das Landesamt die Ersterfassung der Flüchtlinge auf die Erstaufnahmeeinrichtungen Neumünster / Boostedt und Glückstadt verlagern. Von dort sollen die Asylbewerber dann auf Landesunterkünfte wie Itzehoe verteilt werden bevor sie in die Kommunen weiterziehen. „Wie lange die Leute bei uns im Camp sein werden – das hängt von der Aufnahmekapazitäten der Kommunen ab – und natürlich von der Zahl der Flüchtlinge, die nach Schleswig-Holstein kommen werden“, sagt Bessel. Experten rechnen damit, dass der Flüchtlingsstrom, der seit einigen Wochen weniger fließt, nach dem Winter wieder zunehmen wird. „Dann sind wir bereit, wieder Menschen aufzunehmen – und zwar geordneter als das noch im vergangenen Herbst erfolgen musste“, sagt Bessel.

Geordnet sei auch der Auszug der Flüchtlinge vor Weihnachten verlaufen, so der Campleiter, der damit ein Video anspricht, das noch im Internet kursiert. Darauf ist eine Halle zu sehen, in der Matratzen kreuz und quer durcheinander liegen, daneben Betten und Müll. Eine Frauenstimme kommentiert das Geschehen – so sehe es aus, wenn Flüchtlinge das Camp verließen.

„Wir haben in der Tat die Bauzäune weggeräumt, die die einzelnen Wohneinheiten voneinander getrennt haben“, sagt Bessel. Dadurch habe es „zeitweilig chaotisch ausgesehen, wie das bei einem Umzug von vielen hundert Menschen auf einmal eben aussieht“. Es gehöre auch zur Wahrheit, dass einige „Ferkel“ ihren Wohnplatz nicht ordnungsgemäß verlassen hätten. Und nicht alle Flüchtlinge hätten alle Habseligkeiten bei dem Umzug mitnehmen können. „Viele haben aber auch ihre Betten abgezogen und alles ordentlich zusammengelegt – und sogar nochmal durchgefegt.“ Das Video spiegele nicht die Tatsachen wider, es sei unklar, wer es gedreht und ins Netz gestellt habe, so Matthiesen. „Wir haben am Ende vielleicht fünf Säcke Müll da rausgetragen, auch die Putzfrauen waren überrascht, dass es so wenig war“, sagt Bessel.

Schnell seien die Hallen im Camp wieder aufgeräumt gewesen. Bislang sei nicht angedacht, dass in den großen Hallen noch einmal Menschen schlafen müssten, so Bessel. Die ehemaligen Produktionshallen seien nur noch Lager – etwa für Betten. Die Matratzen werden zwar für die Container gebraucht, in denen Doppelstockbetten stehen. „Die Holzbetten, die in den Hallen standen, passen aber nicht in die Container“, so der Campleiter. Sie seien aber zu Schade, um sie zu entsorgen, deshalb wolle das Land sie an Kommunen veräußern, die sie in ihre eigenen Flüchtlingsunterkünfte stellen könnten.

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