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Tierischer Unterricht : Butsch erobert Schülerherzen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das Regionale Berufsbildungszentrum ist auf den Hund gekommen: Lehrer Ingolf Eisenschmidt unterrichtet im Team mit einer Bulldogge.

Wenn Butsch im Regionalen Berufsbildungszentrums (RBZ) unterwegs ist, fliegen ihm die Herzen zu. „Hey, Dicker,“ tönt es durch die Flure. Schüler klopfen ihm kumpelhaft auf die Schulter, Lehrer halten ihm geduldig die Tür auf oder laufen lächelnd einen Bogen, wenn der Schulhund wieder mitten im Weg herumliegt.

Breites Kreuz, Muskelpakete, großer Kopf, faltiges Gesicht, leichter Unterbiss – auf den ersten Blick ist Butsch kein Sunnyboy. „Als Jogger würde ich die Straßenseite wechseln, wenn er mir begegnet“, meint Klaus-Peter Teske, Geschäftsführer des RBZ. Doch Butsch sei zwar „etwas ungewöhnlich, aber ein ganz lieber Kerl“.

„Es gibt im ganzen Kollegium keine Vorbehalte gegen ihn“, sagt Teske. Und das ist nicht so selbstverständlich, wie es klingt. Butsch ist ein reinrassiger Da Capo Bulldog. Mit seinem Herrchen Ingolf Eisenschmidt, der am RBZ als Lehrer für Sport und Sonderpädagogik arbeitet, ist der Vierbeiner im Einsatz, um Schüler zu sensibilisieren, interessieren und motivieren.

„Ich hatte Butsch mal zufällig mit dabei – da ist mir der enorme Aufforderungscharakter aufgefallen, der von ihm ausgeht“, erzählt Eisenschmidt. „Den müsste man sinnvoll für den Schulalltag nutzen können“, überlegte der 34-Jährige. Und merkte schnell: Es klappt. Wenn Butsch beim Fußball mitspielt oder zum Tauziehen herausfordert, seien auch Schüler zum Mitmachen zu begeistern, die sonst auf alles „keinen Bock“ haben.

Lena und Mona (beide 18) sind motiviert. Trotzdem finden sie es „cool“, dass Butsch an diesem Tag ausnahmsweise bei ihnen im Sportunterricht dabei ist. „Er ist was anderes, nicht der typische Schulhund“, findet Mona. Und Lena, die zuhause einen Jack-Russell-Terrier hat, kann sich sehr gut vorstellen, dass Butsch eine große Hilfe ist. „Tiere bewirken ja viel.“

Das bestätigt Steffen (20). Seine Klasse war 2011 eine der ersten, in denen Butsch zum Einsatz kam. „Es war echt lustig und hat Spaß gemacht“, erinnert er sich. Erst hätten sich alle gefragt: „Was soll der Hund jetzt hier?“ Doch dann seien alle begeistert gewesen. „Es war entspannter. Und wenn Langeweile aufkam, war der Hund da, mit dem man sich beschäftigen konnte.“

Nebenbei lernen die Schüler durch den Umgang mit dem Tier soziales Miteinander und Verantwortung kennen und haben gemeinsame Erfolgserlebnisse. Deshalb ist Butsch auch vor allem in Klassen mit schwierigen Schülern im Einsatz. „Mit ihm geht man beim Fußball nicht so rau um wie mit Mitschülern“, sagt Klaus-Peter Teske. „Diesen Respekt wollen wir fördern.“ Oft geht es zusammen mit Butsch auch für „aktiven Unterricht“ in die Natur. Dann wird zum Beispiel zusammen gejoggt. „Ich muss immer schauen, wo es Sinn macht, ihn einzusetzen, und das Programm auf die jeweilige Klasse abstimmen“, erklärt Ingolf Eisenschmidt. „Die pädagogische Arbeit liegt bei mir. Der Hund ist nur eine Hilfe.“

Doch nicht nur die Schüler muss der Pädagoge dabei im Blick behalten, sondern auch sein Tier. Zwar ist Butsch, der durch eine entsprechende Ausbildung und einen Wesenstest auf seinen Job vorbereitet wurde, robust, charakterfest und lammfromm. Aber gestresst werden soll er nicht. Eisenschmidt sorgt für Ruhepausen. Und sobald der Lehrer Signale erkennt, die auf Stress hindeuten, holt er den Hund aus der Situation heraus.

Dem Pädagogen ist es wichtig, dass der Unterricht mit Hund nicht nur „Spinnerei“ ist, sondern ein fundiertes Konzept dahinter steht, das sogar wissenschaftlich begleitet wurde. Er arbeitet mit der Hamburger Uni zusammen, eine Referendarin schrieb ihre Examensarbeit über die tiergestützte Pädagogik. Das Konzept sei auf jeden Fall aufgegangen, betont Klaus-Peter Teske. „Es läuft toll. Der Hund geht als Partner in den Klassen richtig auf“, schwärmt er.

Wie lange es noch weiterläuft, hängt einzig von Butsch ab. Wenn die knapp sechsjährige Bulldogge eines Tages keine Lust mehr hat, ist Schluss. Da ist nicht nur ihr Herrchen konsequent, sondern auch der Schulleiter: „Butsch hat keine Pensionsansprüche“, stellt Teske lachend klar.





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erstellt am 04.Mär.2015 | 10:19 Uhr

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