Naturschutz : Burger Au wird tiefer gelegt

Bis ans andere Ufer reicht der Greifarm. Mit einem Zug zieht Baggerführer Udo Dreier den in Jahrzehnten angesammelten Schlamm auf seine Seite und hebt ihn ans Ufer.
Bis ans andere Ufer reicht der Greifarm. Mit einem Zug zieht Baggerführer Udo Dreier den in Jahrzehnten angesammelten Schlamm auf seine Seite und hebt ihn ans Ufer.

Stellenweise nur 40 Zentimeter flach: Noch bis Februar wird der sechs Kilometer lange Wasserlauf ausgebaggert

shz.de von
04. Dezember 2014, 17:46 Uhr

Die Burger Au wird bis auf ihre alte Sohle hinunter ausgebaggert. Grund: Zur Zeit ist die rund sechs Kilometer lange Au an einigen Stellen nur noch 20 bis 40 Zentimeter tief. ,,Da ziehen Brassen und große Karpfen nicht mehr durch“, weiß Detlef Fischer, Vorsitzender des Angelvereins Burg. Angler, Kahnschiffer und auch der BUND begrüßen die vom Deich- und Hauptsielverband durchgeführten Baggerarbeiten.

Gestartet ist Baggerführer Udo Dreier Ende Oktober am Kudensee. Mit dem 16 Meter langen Ausleger seines Baggers greift er bis ans andere Ufer, kann die Au so in einem Zug bis auf ihre Ursprungstiefe von 1,50 Metern ausbaggern. Tausende Kubikmeter an Schlick wird Dreier bis Mitte Februar noch aus der Au heben. Dann will der Deich- und Hauptsielverband mit der Maßnahme durch sein, den Endpunkt der Burger Au nahe dem Kattenstieg an der Einmündung des Hellmschen Bachs erreicht haben. Ideal ist bis dahin trockener Frost. Der sorgt für gut befahrbare Uferstreifen. In die Pause zwingen würde den Baggerführer Schnee, denn dann droht ein Abrutschen des Baggers.

Zuletzt hat der Deich- und Hauptsielverband die Miele bei Meldorf ausgebaggert. Wie die Miele ist die Burger Au eines der größten und bedeutendsten Gewässer für die Entwässerung der teils bis zu drei Meter unter dem Meeresspiegel liegenden Landschaft. Die Au selbst liegt gut einen Meter unter dem Meeresspiegel. Ihr Wasser wird am Schöpfwerk Kudensee in den Kanal gepumpt. In die 8000 Jahre alte Au fließen große und kleine Gräben. Viele Zuggräben sind über Schöpfwerke mit der Au verbunden, heben das Wasser aus den Tiefen von Burger Feld und Buchholzermoor in den Fluss. Ohne die Au wären Leben und Landwirtschaft in Buchholzemoor undenkbar.

Zwei bis drei Mal in einem Jahrhundert wird das Gewässer derart gründlich ausgebaggert. ,,Alle 20 Jahre wäre wünschenswert“, sagt Jens Karstens. 25 Mitarbeiter sorgen dafür, dass Dithmarschen nicht als Sumpflandschaft endet. Nahezu jährlich sind auf der Burger Au die Krautboote des Verbandes im Einsatz. Sie mähen Unterwasserpflanzen ab. Das ist nötig um die Fließgeschwindigkeit aufrecht zu erhalten. In Jahren, in denen sich die Wasserpest, eine wuchernde Krautpflanze, stark ausbreitet, ist der Wasserstand im Helmschen Bach einen Meter höher als am Kudensee mit der Folge, dass Burgs Kahnanleger Land unter meldet, während im Kudener Kahnhafen alles normal ist. Auch dieses Problem der Fließgeschwindigkeit wird durch das aktuelle Ausbaggern wohl auf Jahre verbessert. Das Baggergut ruht wie ein vier Meter breiter Todesstreifen auf der Uferböschung. Landwirte nutzen es später, um Lunken in ihren Feldern auszugleichen.

Im Baggergut stecken viele Süßwassermuscheln und wohl auch Kleintiere. Deshalb sollen noch Läufer ausgehobene Muscheln, Fische und Kleintiere zurück ins Wasser setzen. Gleichwohl werden vor allem die Muscheln zunächst die großen Leidtragenden der Maßnahme sein. ,,Wünschenswert wäre es die Arbeiten abschnittsweise durchführen, damit Fauna und Flora eine bessere Chance zum Erhalt und zur Regeneration bleiben“, fordert deshalb Dirk Koenig. Der 49-Jährige ist Vorsitzender des BUND in Dithmarschen. Gleichwohl erkennt auch Koenig Vorzüge des Ausbaggerns. ,,Die meisten Gewässer verflachen im Laufe der Jahre. Wenn wieder eine gewisse Tiefe vorhanden- und der Schlamm raus ist, kann der Sauerstoffgehalt wieder ansteigen, der Lebensraum sich verbessern“, weiß der Umweltexperte. Auch Harald Gossing, Ältermann der Kahnschiffergilde Kuden, die seit 1995 mit ihren Spreewaldkahntouren auf der Au der lokale Tourismusmagnet sind, ist zufrieden. Denn der dichte Unterwasserbewuchs in der flachen Au behinderte die Kahntouren beträchtlich in den vergangenen Jahren.

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