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Norddeutsche Rundschau

16. Dezember 2017 | 06:36 Uhr

Erntedankfest : Buntes Volksfest und ernste Worte

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Tausende Gäste bei Erntedankfest in Glückstadt: Vertreter von Kirchen, Verbänden und Politik appellieren an Verantwortungsbewusstsein von Verbrauchern

Prächtiger Festumzug, nachdenklicher Gottesdienst und fröhliches Volksfest in der Innenstadt: Gestern wurde in Glückstadt das zentrale Landeserntedankfest für Schleswig-Holstein gefeiert.

Das Wetter spielte mit – „Gott sei dank!“, wie Mitorganisator Peter Lüschow, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, augenzwinkernd feststellte – und bescherte Teilnehmern und Besuchern gleichermaßen einen Tag mit strahlendem Sonnenschein und spätsommerlichen Temperaturen. Bereits morgens kamen zahlreiche Zuschauer, um sich den Auftakt, den Festumzug rund um den Glückstädter Fleth zum Marktplatz anzusehen. Pünktlich um 10 Uhr startete der Zug, angeführt vom Spielmannszug der Elbestadt. Mit der traditionellen Erntekrone, Trachtengruppen und Themenwagen rund um die Landwirtschaft bot sich den Gästen ein vielfältiges Bild. Die heimlichen Stars des Festumzuges waren die Kinder zweier Glückstädter Kindergärten, die ebenfalls mit geschmückten Wagen und Tret-Traktoren unterwegs waren und fröhlich in die Zuschauermenge winkten.

Im Anschluss fand in der Stadtkirche der zentrale Erntedankgottesdienst statt. Rund 600 Menschen verfolgten den Gottesdienst, der erstmals bei einem Landeserntedankfest ökumenisch gefeiert wurde, direkt in der vollbesetzten Kirche, während mehrere hundert weitere Besucher die Gelegenheit nutzten sich die Übertragung auf einer Großleinwand am Rande des Marktplatzes anzusehen und zu hören.

Im Gegensatz zum fröhlichen Treiben vor der Kirche, war der Gottesdienst, der musikalisch von Chor und Posaunenchor der Stadtkirche begleitet wurde, nachdenklich und ernst: Bereits in der Begrüßung erinnerte Pastor Stefan Egenberger daran, bei allem Frohsinn nicht „die zu vergessen, für die heute nicht die Sonne scheint“.

Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein, stellte in seiner Predigt das Wort Danke, „das schwerste aller Wörter“, in den Mittelpunkt. Er rief die Zuhörer auf, keine Angst vor diesem schweren Wort zu haben und öfter dankbar zu sein. „Du gewinnst etwas, wenn du Danke sagst.“ Magaard erinnerte an die Verwandtschaft der Wörter Dank und Denken: „Für mich ist das Erntedankfest ein Denkfest.“ Wer dankbar sei, dem werde auch klar, dass er ein Teil dieser Welt sei und nicht über ihr schwebe und dass die Hege und Pflege der Natur und der sorgfältige Umgang mit ihr die Bestimmung des Menschen seien. Viele Menschen, so der Bischof, hätten den Bezug zur Natur verloren, doch es gäbe Hoffnung: Sein Eindruck sei, dass viele sich die Bedeutung von Lebensmitteln und Natur wieder mehr und mehr bewusst machen. „Natur ist in – Plastik ist out. Trotzdem ist und bleibt es ein Skandal, dass in unseren Breiten große Mengen Lebensmittel in den Müll wandern, während anderswo Menschen hungern. Lasst uns in Dankbarkeit teilen.“


Bauern nicht alleine lassen


Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) beklagte in seinem Grußwort die niedrigen Preise, die Landwirte für ihre Produkte erzielen und erntete dafür viel Applaus. „Wir dürfen die Bauern da nicht alleine lassen“, stellte der Minister klar. Es dürfe nicht sein, dass zum Beispiel ein Erzeuger von Fleisch weniger für sein Produkt bekomme, als er an Kosten habe. So sei eine nachhaltige und tierschutzgerechte Landwirtschaft nicht möglich. Das Erntedankfest sei in diesem Zusammenhang ein wichtiger Moment um innezuhalten.

Für einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln warben in ihrem Grußwort Marga Trede (Landfrauen Schleswig-Holstein) und Martina Greve (Landfrauen Kreis Steinburg). „Wenn wir alle unsere Lebensweise ein wenig überdenken, sollte es genug für alle geben“, griff Martina Greve das Motto des Erntedankfestes „Genug für alle“ auf.

Landesbauernpräsident Werner Schwarz wies auf die Gefahr hin, dass bei wachsender Weltbevölkerung zukünftig die im Moment genutzten landwirtschaftlichen Flächen nicht ausreichen werden. Eine nachhaltige Produktivitätssteigerung sei daher zwingend notwendig. Und er bat die Zuhörer „einfach mal Danke zu sagen“, wenn sie einen Bauern, Fischer oder Imker treffen. „Das sind die Leute, die für die Fülle sorgen, um die uns viele beneiden.“

Diese Fülle konnten die Besucher nach dem Gottesdienst auf dem Marktplatz erleben und genießen: Ob Milch oder Käse, Obst oder Gemüse, Fisch oder Fleisch – an zahlreichen Ständen boten Landwirte und Lebensmittelhersteller aus der Region ihre Produkte an und informierten über ihre Waren. Besonderer Anziehungspunkt war eine riesiger, hochmoderner Mähdrescher, den der Dägelinger Landmaschinenhändler Meifort ausstellte. Den sah sich Felix (11) aus Glückstadt mit seinem Vater an: „Ich kenne die Maschine aus einem Landwirtschaftssimulator am Computer. Es ist toll, den Mähdrescher mal in echt zusehen.“

Abgerundet wurde das bunte Treiben mit Volksfestcharakter durch ein musikalisches Bühnenprogramm, bei dem unter anderem die Kinderchöre der Kirchengemeinde Glückstadt und die Band der Glückstädter Werkstätten auftraten. Die Veranstalter schätzen, dass mehrere tausend Menschen das Fest im Laufe des Tages besuchten. „Wir sind zufrieden. Die viele Arbeit im Vorfeld hat sich wirklich gelohnt“, sagte Peter Lüschow, der nicht nur den vielen Helfern, sondern auch den Sponsoren dankte. „Ohne die wäre so etwas gar nicht möglich.“

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