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Kunst : Buntes Seil-Kunstwerk über dem Fleth zerstört

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Täter wird beim Abschneiden der Bänder gefilmt. Künstlerin will trotzdem weitermachen

Es geschah am Dienstag in den Abendstunden. Die Dämmerung brach allmählich herein. Ein Mann mittleren Alters schlenderte den Fleth entlang, bewaffnet mit einer Schere oder einem Messer. Irgendwann blieb er stehen, zückte sein „Werkzeug“ und begann, die über das Wasser gespannten bunten Bänder der Künstlerin Margarete Olschowka zu zerschneiden.

Es gibt Filmaufnahmen von der Tat, die einen seriös-unauffällig wirkenden Täter zeigen, der ruhig von einem Band zum nächsten geht und nur hin und wieder schaut, ob ihn jemand beobachtet. Nachdem er einen erheblichen Teil der Bänder zerschnitten hat, geht er zurück zu seinem am Fleth geparkten roten Wagen und fährt gegen 21 Uhr weg. Sein Nummernschild mit einem IZ-Kennzeichen ist auf dem Video deutlich zu sehen.

Gegen 22 Uhr kam die Künstlerin Margarete Olschowka, um an ihrem Kunstobjekt weiterzuarbeiten. „Da sah ich, dass zehn Bänder im Fleth lagen.“ Ihr Mann habe sofort die Polizei gerufen. „Eigentlich wollte ich früher kommen“, sagt sie und überlegt, was dann passiert wäre. Auch, ob der Mann sie dann eventuell persönlich angegriffen hätte. „Es ist ein mulmiges Gefühl.“

Die Nachtstreife hielt die sichtbaren Spuren der Tat fest. Gestern Nachmittag war der Täter noch nicht namentlich überführt. „Wir haben eine Strafanzeige aufgenommen. Die Ermittlungen laufen“, hieß es seitens der Polizei. Einen Täter könne man noch nicht präsentieren, hieß es bei Redaktionsschluss. Wobei die Polizei auch Kenntnis über das Autokennzeichen hat.

Aufgrund des Filmmaterials dürfte es deshalb wohl nicht lange dauern, bis der Täter gefunden ist. Interessant ist auch für die Künstlerin die Frage, welches Motiv er gehabt hat, das Kunstwerk zu zerstören.

Bisher habe sie bei ihren Arbeiten vor Ort viel positive Resonanz bekommen, sagt Margarete Olschowka. „Auch junge Menschen haben gesagt, dass sie es toll finden.“

Sie vermutet, dass vielen allerdings nicht klar sei, dass sie bei diesem Projekt auch die Bürger mit einbeziehen wolle. So soll das Kunstprojekt zu den Matjeswochen eigentlich fertig sein. Kinder, die Heringe malen, dürfen dann ihre Bilder dort hängen sehen.

Seit zwei Jahren arbeitet sie an dem Projekt. „Es hat viel Vorarbeit gekostet.“ Unter anderem musste sie mit vielen Behörden sprechen, sogar die Genehmigung der Denkmalschutzbehörde war erforderlich. „Es gab viele Auflagen, zudem hafte ich für alles und verdiene nichts daran.“

Die Bänder des Fleth-Kunstwerks stammen vom Bootsausrüster Günter Klingbeil. „Wir haben drei Abende gebraucht, um die Bänder zu spannen“, sagt der Glückstädter, der gerne hilft. Für den Täter hat er nur ein Kopfschütteln übrig. Die bunten Bänder seien aus Kunststoff „und mit einem Messer problemlos durchzutrennen, weil sie ja unter Spannung sitzen“. Die zerschnittenen Bänder sind inzwischen aus dem Fleth entfernt worden. Teile des Kunstwerks blieben unangetastet, vermitteln aber nur noch einen schwachen Eindruck des Gesamtobjektes.

Margarete Olschowka will aber trotzdem weitermachen und hofft, auch bis zum 8. Juni, zur Eröffnung der Matjeswochen, fertig zu werden.

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