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Norddeutsche Rundschau

17. Dezember 2017 | 09:02 Uhr

Bunt, schrill und fröhlich: Fubama

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Im Wilsteraner Colosseum machten 6500 kostümierte Faschingsgäste bei der Traditionsveranstaltung des SV Alemannia die Nacht zum Tag

von
erstellt am 05.Feb.2017 | 17:00 Uhr

Gerade hatte Zeremonienmeister Knut Jüstel im „Colosseum“ nach dem „Einmarsch der Masken“ die „Acht goldenen Fubama-Regeln“ verkündet, da ging es auch schon rund – und das die ganze Nacht lang. Am Wochenende herrschte in Wilster wieder einmal der geplante Ausnahmezustand. Bereits zum 63. Mal bebten bei der Fußballmaskerade (Fubama) des SV Alemannia Wilster die Bretter, als 6500 bunt verkleidete Jecken zu Live-Musik und DJs der Szene fröhlich feierten. Innerhalb der riesigen Zeltstadt wurde es bei fast tropischen Temperaturen heiß.
Kultig und kreativ waren einmal mehr die Kostümierungen, überwiegend eigene Kreationen.

So kamen Matthias und Birte Rogge nach dem Kinofilm „Findet Dorie“ im Fischkostüm mit Schwanzflosse und blauen Papp-Fischen auf dem Kopf. „Das war eine Woche Arbeit“, schilderte Birte, „aber mit Gleichgesinnten zu feiern und Leute zu treffen, die man lange nicht gesehen hat, dafür lohnt es sich. Wenn man sie erkennt.“

An Kara Schmid, Katja Harders und Kerstin Behncke aus Heiligenstedtenerkamp, die unter dem Motto „I was made for loving you“ nach dem größten Hit der amerikanischen Glam-Rock-Band gekommen waren, hätte „Kiss“-Sänger Gene Simmons seine helle Freude gehabt. Mit Schminke die Gesichter bemalt, haben sie die Kragen aus einer silbernen Auto-Eisabdeckung zurecht geschnitten. „Es ist Wahnsinn, was die Leute hier auf die Beine stellen“, sagte Katja Harders – und beschrieb damit ein bisschen auch sich selbst. „Die beschwipsten Pistenradler“ im Alter von 25 bis 40 Jahren fahren jedes Jahr Ski im österreichischen Saalbach-Hinterglemm. Nun hatten sie ihre Skistöcke aus Styropor hergestellt, die Skier aus Laminat an Karabinerhaken am Gürtel fest gemacht. „Das ist das bequemste Kostüm, das wir je hatten“, sagte Alexandra Bauch, die schon seit 15 Jahren zur Fubama kommt.

Mit Bernhard Brink, Nena und Depeche Mode am Körper: Für ihr Outfit hatten die „Vinyl-Ladies“ aus Wilster die alten Schallplatten von Oma und Opa aus dem Keller geholt – und sich an ihre Jacken geheftet. Selbst die Hamburger Elbphilharmonie war im Colosseum vertreten: auf dem Kopf von Silja Rohwedder aus St.  Margarethen. Die hatte sie selbst entworfen und aus Pappe und Stanniol-Papier zusammen geklebt. Ihr Mann Martin ging als Leuchtturm. „Das war ganz schöne Arbeit, vier volle Abende haben wir dafür gebraucht“, so Silja.

„Lemmy lebt!“ Den vor einem Jahr verstorbenen legendären Sänger der britischen Band Motörhead ließ Andreas Conrad aus Vaale, ganz in Schwarz und mit Hut gekleidet, wieder auferstehen. „Ich war so traurig, als er gestorben ist“, erzählte der Metal-Fan, „und wollte ihn schon immer mal verkörpern.“ Nun tat er das inklusive Bart und der charakteristischen Warze an der Wange – und mit Flügeln, „weil er bereits im Metal-Himmel ist“.

Aus Holz, Plastik und Kabeln hatten die „Ghostbusters“ Christian, Thorben und Malte aus Wacken ihre leuchtenden „Protonen-Packs“ auf dem Rücken selbst hergestellt und mit einem Neun-Volt-Block zum Blinken gebracht.

Hoch über den Köpfen auf ihren Bühnen standen unterdessen die DJs an den Reglern und wurden zu Dirigenten der ausgelassenen Stimmung, zündeten immer wieder Konfettikanonen. Kay van Schall, der gemeinsam mit Daniel Mic das Zelt rockte, sagte begeistert: „Es ist sensationell, was hier abgeht. Das habe ich noch nicht erlebt. Besser geht’s nicht.“ Und der Song, der an diesem Abend am besten ankam? Da musste er nicht zwei Mal überlegen: „,Johnny Däpp‘ von Lorenz Büffel.“

Auf der zweiten großen Bühne machte DJ Frank Raven mit seinem Hamburg-Sound elektronischer Musik ordentlich Dampf. „Es ist deutlich voller als im vergangenen Jahr“, fiel ihm auf. „Und es ist warm, sehr warm.“ Vor seiner Bühne wurde es geradezu heiß. Er stand hier gemeinsam mit DJ Gunnar G. (Gunnar Groksch aus Wacken), der den Gästen im stilechten 70er-Jahre Glitter-Outfit den Rest gab.

Im „Heiratsmarkt“ gaben sich unterdessen beim Standesbeamten Thomas Duffner wieder mehrere Hundert Paare für nur diese eine Nacht das „Ja“-Wort. Wie lange das hinterher anhielt, stand dann aber in den Sternen.

Die Veranstalter konnten mit dem bunten Treiben wieder einmal nur Bestes abgewinnen. So sagte Vorstandsmitglied Frank Goede, der mit einem Team aus neun Vereinsmitgliedern am SVA-Stand Getränke verkaufte: „Alle sind total begeistert, wir haben eine schöne, stimmungsvolle Fubama gehabt.“ Auch das Verkehrskonzept klappte wieder, die Shuttle-Busse brachten die Jecken sicher nach Hause.

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