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Werbung, Imagebroschüren, Infoveranstaltungen : Bundeswehr kämpft um die Besten und gegen Imageprobleme

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Karriereberater Bernd Hägele ist einer der letzten verbliebenen Soldaten in Itzehoe und versucht Nachwuchs für die Armee zu gewinnen.

shz.de von
erstellt am 29.Mär.2016 | 13:18 Uhr

Itzehoe | Die Frage musste irgendwann kommen: „Warum wollen Sie eigentlich Soldatin werden?“ Bernd Hägele hat sie schon viele Male gestellt. Der Karriereberater der Bundeswehr sitzt in seinem Büro am Berliner Platz in Itzehoe und schaut Jana Thoma erwartungsvoll an. Die 20-Jährige überlegt, sich bei der Bundeswehr zu bewerben – sie möchte Ärztin werden. Doch auf die einfache Frage des Stabsfeldwebels hat sie keine Antwort.

Sie ist eine von rund fünf Leuten, die Hägele jeden Tag über Berufsaussichten bei der Bundeswehr informiert. Und das ist nicht leicht. Denn die Bundeswehr hat ein Imageproblem. Kampfeinsätze im Ausland, unter denen Soldaten psychisch auch nach ihrer Rückkehr noch leiden können, veraltete Technik und miese Kasernen, dazu nicht immer familienkompatible Arbeitszeiten, häufige Abwesenheiten und Umzüge – das alles sind keine Gründe, die für die Bundeswehr sprechen in Zeiten, in denen sich junge, talentierte Jobsuchende auf dem Arbeitsmarkt immer häufiger aussuchen können, wo sie künftig ihr Geld verdienen wollen.

Werbung, Imagebroschüren, Infoveranstaltungen – die Bundeswehr unternimmt deswegen eine Menge, um junge Leute zu gewinnen. 15.000 seien vergangenes Jahr allein beim militärischen Personal gesucht worden, rund 1200 beim zivilen, sagt Nicole Burbach-Wilm, die das Karrierecenter Hannover leitet, zu dem auch das Büro in Itzehoe gehört. Und rund 12,5 Millionen Euro hat die Bundeswehr für ihre jüngste Werbeaktion „Mach, was wirklich zählt“, ausgegeben. Jedes große Unternehmen investiere ebenfalls eine Menge Geld in Nachwuchswerbung. Dass es bei der Bundeswehr Steuergelder sind, ist für sie kein Problem. „Wir sind eben kein Unternehmen, dass man nach Gewinn und Verlust messen kann.“ Weil die Bundeswehr nach dem Ende der allgemeinen Wehrpflicht immer weniger Nachwuchs findet und viele der Jobs immer höhere Anforderungen an Bewerber stellen, ist die Armee wohl auf fast jeder Berufsmesse zu finden, es gibt sogar einen Karrieretruck mit dem Nachwuchs geworben wird. Die Nachfrage nach Jobs sei auch deswegen gut, sagt Nicole Burbach-Wilm.

Im Schnitt werde mehr als jeder Zweite genommen, nachdem er ein mehrstufiges Einstellungsverfahren durchlaufen hat. Der erste Schritt ist der Gang in eines der Karrierecenter, die es überall im Land gibt – sogar im sonst bundeswehrfreien Kreis Steinburg, in dem Hägele einer der wenigen verbliebenen Soldaten ist. Der Karriereberater trägt Uniform, in seinem Büro hängen Bilder von Kampfflugzeugen, über der Tür lächelt auf einem Foto milde der Bundespräsident. „Ich will niemanden überreden bei uns anzufangen, ich will informieren“, sagt Hägele. Der Stabsfeldwebel spricht laut und deutlich. „Bei uns gibt es das Paket Ausbildung und das Paket Soldat – aber nur beide zusammen. Das bedeutet, dass Sie auch an der Waffe ausgebildet werden“, sagt Hägele der Bewerberin. Die entgegnet etwas zögerlich „ist logisch“ – also legt der Soldat nach: „Sie werden bei einer Bewerbung auch gefragt werden, wie Sie es mit Ihrem Gewissen vereinbaren können, als Ärztin Leben zu retten und auf der anderen Seite vielleicht jemanden töten zu müssen.“ Und fügt hinzu: „Besser Sie haben dann eine Antwort darauf.“ Als Jana Thoma nur kurz nickt, sagt er: „So nicht klar gewesen?“

Dem Karriereberater ist wichtig, dass die Bewerber genau verstehen, auf was sie sich einlassen. „Wir sind kein normaler Arbeitgeber. Wir bieten den Bewerbern viel, etwa in dem wir ihnen eine Ausbildung oder ein Studium und gleichzeitig Gehalt bezahlen. Wir verlangen aber im Gegenzug auch, dass die Menschen zumindest für eine festgelegte Zeit für uns arbeiten.“ Und sich im Zweifel totschießen lassen.

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