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Nachbarschaftsstreit : Bürgervorsteher streitet um Parkplatz

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Glückstädter Ehepaar will denkmalgeschütztes Haus sanieren. Paul Roloff kämpft gegen Sondergenehmigung für Stellgelegenheit vor dem Haus

von
erstellt am 30.Mär.2016 | 04:45 Uhr

Jörg und Mareike Charles wollen ihr altes Haus in der Schlachterstraße erhalten. Voraussichtlich fast eine Million Euro will das Ehepaar für die Sanierung ausgeben. Die Vertreter vom Denkmalschutz sind begeistert von dem 1644 errichteten Gebäude, die Verantwortlichen der Stadtverwaltung auch. Nur ein Nachbar nicht. Paul Roloff, Bürgervorsteher der Stadt, macht mobil gegen das Ehepaar und ist mehrfach im Rathaus vorstellig geworden. Sein Vorwurf: „Die beiden haben sich die Parkgenehmigung erschlichen.“

Das Ehepaar Charles hat die Genehmigung der Stadt, dass ihr Anhänger an der Straße vor dem Haus stehen darf. Mit diesem wird der Schutt, der bei den Vorarbeiten zur Sanierung anfällt, abgefahren. Im Vorwege leistet das Ehepaar viel Eigenarbeit, um alte Schätze freizulegen. Paul Roloff ist der Anhänger jedoch ein Dorn im Auge. Er würde dort nur stehen, weil die Eheleute keine eigene Garage dafür hätten. Roloff will jetzt erreichen, dass die Politiker die entsprechende Satzung ändern. Ziel: Eine Sondergenehmigung dürfe nicht erlauben, bei Bauarbeiten längere Zeit einen Parkplatz zu blockieren. Er hätte nichts dagegen, wenn ab und zu dort ein Container stehen würde. Den Schutt könnten die Hausbesitzer so lange im Garten zwischenlagern. Er sagt auch, Mareike Charles habe ihn auf der Straße gefragt, ob sie sich nicht vertragen könnten. „Nein“, sagt Roloff, er hätte ihr keine Antwort auf ihre Bitte gegeben, sondern sei weitergegangen.

Bürgermeister Gerhard Blasberg, bei dem Paul Roloff wegen der Parkplatzgenehmigung mehrfach vorstellig war, sagt: „Das Haus ist das wichtigste Gebäude in der Innenstadt. Wir haben als Stadt ein großes Interesse daran, dass es saniert wird. Die Sondergenehmigung ist wichtig und richtig.“ Blasberg stellt auch klar, dass es andere wichtigere Themen gibt außer diesem Parkplatz. „Ich würde mir wünschen, dass der Bürgervorsteher andere Probleme in der Stadt genauso anfasst, wie das vor seiner Haustür.“

Auch für Bauamtsleiter Lüder Busch ist die Frage der Genehmigung unstrittig. „Das Ehepaar Charles hat glaubhaft vermittelt, dass es mit Arbeiten am Haus in Eigenleistung beschäftigt ist.“ Dafür müsse der Anhänger dort stehen, um Materialien zweimal die Woche zum Wertstoffhof bringen zu können. „Das Gebäude ist eines der wichtigsten Häuser in Glückstadt“, erklärt auch er. Das Ehepaar würde viel investieren, um es zu erhalten. Deshalb stehe die Stadtverwaltung zu dem Projekt. „Das Haus kann ein Schmuckstück werden.“

Mareike Charles kann nicht verstehen, warum Paul Roloff nicht bereit ist, mit ihr zu sprechen. Und dass der Bürgervorsteher ihr gegenüber so negativ eingestellt ist, ist ihr fremd. Es geht aber nicht spurlos an ihr vorbei. „Das kostet viel Kraft.“ Die 44-Jährige glaubt, dass er nicht sie persönlich meint, sondern dass die Ursachen tiefer liegen. „Es ist eine offene Fehde und ich weiß nicht warum.“ Aus ihrer Sicht müsse ein Bürgervorsteher für alle Bürger da sein. „Er arbeitet aber gegen uns als Familie.“ Und würde er mit ihr sprechen, wüsste er auch, dass sie eine Garage für ihren Anhänger habe. Dass der Bürgervorsteher eine Satzungsänderung anstrebt, findet sie problematisch. Damit würde er gegen die Interessen der Stadt arbeiten. „Glückstadt lebt als Stadtdenkmal.“ Vieles werde in der Stadt saniert.

Untersuchungen von Fachleuten haben ergeben, dass das Fachwerkhaus 1644 kurz nach der Stadtgründung Glückstadts gebaut wurde. Wobei es im Laufe der Zeit mehrere Anbauten gab. „Aus der Zeit um 1700 sind noch bemerkenswerte Wand- und Deckenmalereien erhalten“, sagte Mareike Charles. Zudem habe die Familie einiges gefunden aus frühen Zeiten. Das Haus mit einer Fläche von 520 Quadratmetern wurde 1890 von Johannes und Carl Minck gekauft. Johannes Minck ist der Vorfahre von Jörg Charles. Seit dem Kauf war es immer im Familienbesitz und soll es auch bleiben.

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