Poetry-Slam in Kellinghusen : Bürgerkrieg verpackt in Prosa

Beeindruckten das Publikum mit teils schwer verdaulicher Kost (v.l.): Ilhan, Youssef Adlah, Mokadessa Abdul Rahman (die spätere Siegerin) und Larria Nuffer.
Beeindruckten das Publikum mit teils schwer verdaulicher Kost (v.l.): Ilhan, Youssef Adlah, Mokadessa Abdul Rahman (die spätere Siegerin) und Larria Nuffer.

Während der „Interkulturellen Woche“ beleuchten muslimische Slamer schwere Themen.

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01. Oktober 2018, 14:38 Uhr

Es war nachdenklich und tiefgründig, aber auch heiter und leicht: Wie man Themen der Zeit von verschiedenen Seiten in Poesie und Prosa beleuchten kann, das zeigten vier Autoren eines Poetry Slams in Kellinghusen.

Im Bürgerhaus machte sich die Gruppe „i-Slam“ mit vier jungen muslimischen Vertretern mit Migrationshintergrund Gedanken zu Themen wie Alltagsrassismus und Stereotypen sowie zu Feminismus und Interkulturalität.

Und der Saal war voll, 60 Zuhörer waren neugierig. In der „Interkulturellen Woche“, veranstaltet von der Gleichstellungsbeauftragten Wiebke Tischler mit Unterstützung vom „Bündnis für Toleranz“ in Kellinghusen, wurde das eigentlich schwere Thema in einem letztlich leicht verdaulichen Mix serviert. Moderiert vom Projektgründer Youssef Adlah, Student aus Berlin, traten die Slam-Poeten Ilhan aus Berlin, Mokadessa Abdul Rahman (23) aus Köln (ursprünglich Kenia), und Larria Nuffer (22) aus Berlin (mit Wurzeln in Afghanistan), mit ihren Texten gegeneinander an.

Die vier Vortragenden sind Teil eines seit 2011 bestehenden Netzwerkes von mehr als 300 vernetzten Slammern, die in unterschiedlichen Konstellationen in ganz Deutschland und im angrenzenden Ausland mit ihren Themen auftreten.

Bei freiem Eintritt zu Getränken und Snacks arbeitete Moderator Youssef Adlah die ganz harten Themen wie Bürgerkrieg und Flucht vor Verfolgung mit ihren schrecklichen Bildern gleich zu Anfang ab. Larria und Mokadessa beschäftigten sich überwiegend mit Erlebnissen, in denen sie diskriminiert wurden, während Ilhan „Kriminelle als Vorbilder in der Jugend“ thematisierte. Youssef Adlah trug aber auch Lustiges vor wie etwa seine Erlebnisse beim Fernsehen.

Michelle Denker, Organisatorin der „Interkulturellen Woche“ mit 40 Veranstaltungen im Kreis Steinburg, die das Angebot gemeinsam mit Sandra Stadniczuk koordiniert hat, freute sich: „Das Publikum nimmt hier viele neue Denkanstöße mit.“ Die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises, Andrea Boennen, bemerkte: „Es sind viele da, die sonst nie bei solchen Veranstaltungen sind.“

Gleichstellungsbeauftragte Wiebke Tischler: „Der Anfang war schwer verdaulich, denn die Texte gingen teilweise extrem unter die Haut. Das ist für viele ungewohnt, aber es wurde auch wieder leichter und somit zugänglicher.“ Das Publikum kürte Mokadessa wegen ihres starken und selbstsicheren Eintretens für ihre Themen zur Siegerin. Dazu Wiebke Tischler: „Sie waren alle sehr gut.“

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