Seniorenbeirat Wilster : Bürgerbus soll Mobilität erhalten

Der demografische Wandel greift in Deutschland: Auch die Marschgebiete sind betroffen. Umso wichtiger ist Mobilität auch über die Grenzen der jeweiligen Heimatgemeinde hinaus.
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Der demografische Wandel greift in Deutschland: Auch die Marschgebiete sind betroffen. Umso wichtiger ist Mobilität auch über die Grenzen der jeweiligen Heimatgemeinde hinaus.

Der Seniorenbeirat stellt ehrenamtlich betriebene Mobilitätsprojekte als Vision für die Wilstermarsch vor.

shz.de von
05. März 2018, 05:00 Uhr

Ein Bürgerbus für die Bewohner der Wilstermarsch. Von Ehrenamtlern gefahren und kostenlos für die Passagiere. Noch ist dieses Szenario Zukunftsmusik. Nach Einschätzung des Seniorenbeirats der Stadt Wilster führt an einem solchen Angebot aber kein Weg vorbei. „Das muss kommen. Es können ja nicht immer die Kinder fahren“, erklärte der Vorsitzende Jochen Meiforth, der davon überzeugt ist, dass sich der Bedarf schnell einstellen wird – allein schon wegen der immer älter werdenden Bevölkerung. Im Amt Wilstermarsch wurde das Thema auf einer Runde der Seniorenbeauftragten aus den Gemeinden erstmals diskutiert.

Beiratsmitglied Birgit Böhnisch hatte sich dazu im Rest der Republik schlau gemacht. In Rheinland-Pfalz, so hatte sie herausgefunden, seien schon 60 solcher Busse unterwegs. In der Regel handele es sich um Achtsitzer, die ohne weitere Auflagen von Ehrenamtlern gesteuert werden könnten. Insgesamt, so machte sie an einem Beispielort deutlich, stünden dort für einen solchen Bus 20 Freiwillige als Chauffeure zur Verfügung, die sich abwechselten. So käme jeder zwei oder dreimal die Woche dran. Hinzu kämen Telefonistinnen, die die Anmeldungen entgegennehmen und Touren zusammenstellten. Laut Böhnisch findet das Angebot breite Resonanz: „In einer Gemeinde mit 13 000 Einwohnern gibt es rund 200 ständige Nutzer.“ Das würde auch in etwa der Bevölkerung der Wilstermarsch entsprechen. Träger eines solchen Bürgerbusses, so Böhnisch weiter, sollte das Amt sein. „Allein schon wegen der Versicherungen.“ Abgesehen von der Anschaffung des Fahrzeugs fielen rund 7000 Euro an laufenden Kosten an, wobei die Hälfte wieder durch Spenden hereinkomme.

„Das hat Charme, keine Frage“, meinte Amtsvorsteher Helmut Sievers zu dem Vorstoß aus dem Seniorenbeirat. Ansonsten reagierte er zunächst aber eher zurückhaltend und erinnerte an den höchst erfolglosen Versuch mit dem Bedarfstaxi. Die Resonanz auf dieses Angebot sei gleich Null gewesen. Allerdings, so räumte er ein, sei es auch nicht kostenlos und nur an festen Tagen in der Woche eingerichtet gewesen. Im Seniorenbeirat will man das Thema aber dennoch weiter vorantreiben.

Rüdiger Diethard Kunhnke wies darauf hin, dass auch in der Wilstermarsch eine zunehmende Altersarmut zu beobachten sei – ganz abgesehen von den sehr eingeschränkten Möglichkeiten beim öffentlichen Personennahverkehr. Der Wewelsflether Henning Sötje machte auf jüngste Aussagen des Planers Olaf Prüß im Zusammenhang mit der dortigen Dorfentwicklung aufmerksam. Bei einer Informationsrunde sei als Zukunftsvision die Anschaffung von zwei kommunalen Elektro-Autos in den Raum gestellt worden, die ebenfalls von Ehrenamtlern gesteuert werden sollten. Übertragen auf das gesamte Amt wäre man damit schon bei einem Bürgerbus.

„Das wird landesweit überall diskutiert“, betonte denn auch Kuhnke. Amtsvorsteher Sievers versprach am Ende: „Wir werden das beobachten. Und was für uns gut ist, werden wir auch umsetzen.“

Ansonsten wurde das Treffen der kommunalen Seniorenbeauftragten genutzt, um die jeweiligen Aktivitäten in den Gemeinden kurz vorzustellen. In der Regel werden gesellige Treffen oder Ausflüge organisiert. Vielfach sind auch örtliche Vereine wie Sozialverband oder das DRK stark eingebunden. In Einzelfällen gibt es auch ganz praktische Hilfestellungen für ältere Menschen zum Beispiel beim Glasfaseranschluss.

Wie sehr ältere Marschbewohner von Mobilität abhängen, wurde bei einer Anmerkung des Dammflethers Otto Vollmert deutlich. Hier treffen sich die Senioren regelmäßig zu einer gemütlichen Runde in ihrem Heimatort, inzwischen auch gemeinsam mit den örtlichen Feuerwehr-Senioren. „Die Hälfte von ihnen wohnt inzwischen schon in Wilster.“


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