Hochwasser : Bürger wollen endlich Taten sehen

Flutbilder gleichen sich: die Stör 2012 im Bereich Parkplatz „Altdeutsches Haus“.
Flutbilder gleichen sich: die Stör 2012 im Bereich Parkplatz „Altdeutsches Haus“.

Den Kellinghusenern reicht es: Immer wieder steigt das Wasser über die Ufer. Auch der neue Hochwasser-Ausschuss macht da noch nicht wirklich Mut.

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28. Januar 2015, 17:00 Uhr

Einen „höchstgradig professionalisierten“ Umgang mit dem Hochwasser attestierte Bürgermeister Axel Pietsch (BFK) den Rettungskräften. Erst wenige Wochen liegt deren jüngster Einsatz zurück. Nach Starkregen kam das Wasser über Weihnachten und dann noch einmal zwei Wochen später. „Glimpflich“ sei die Stadt davon gekommen, so Pietsch. Für die betroffenen Bürger ist dies jedoch kein Trost. Angesichts kletternder Pegelstände wollen sie in Sachen Hochwasserschutz endlich Taten sehen.

Seit rund 20 Jahren warten sie auf eine nachhaltige praktische Ursachenbekämpfung. Eine Vielzahl „Runder Tische“ sowie dicke Stapel Expertisenpapier brachten keine nennenswerten Erfolge im Flutschutz. Vor diesem Hintergrund musste Max Granzow im jüngsten Hochwasser- und Umweltausschuss nicht lange bitten: Fast alle Besucher im gut gefüllten Bürgersaal nahmen den Stift zur Hand, um sich in die Unterschriftenliste des Wristers einzutragen. Seine Forderung an das Kieler Umweltministerium: Zumindest auf Höhe des Zusammenflusses von Stör und Bramau (im Bereich der dort festgestellten „Sandbank“) die Bagger einzusetzen und so Entlastung für die Stadt sowie die zuletzt stark betroffenen Gemeinden Wrist/Stellau und Wulfsmoor zu schaffen.

Kellinghusener Hochwasser-Bürger baten den Ausschuss unter Leitung von Volker Ballin (KeLi) eindringlich, aufs „Tempo zu drücken“. Schon jetzt sei zu beobachten, wie erfolgte Planungen durch klimatische Veränderungen „aufgefressen“ würden. „Es gibt niemanden in der Ratsversammlung, der das Thema Hochwasser nicht erledigt haben will“, versicherte Bürgermeister Axel Pietsch. Deutlich wurde im Rahmen der Sitzung jedoch, dass die Stadt nur ein kleines Rädchen im großen Hochwasserszenario von Elbe und Co. ist. Ein Bestandteil ist das vom Land erstellte Kartenwerk zu Hochwassergefahr und Risikomanagement (EG-Hochwasserrichtlinie), welches auch die Region im Blick hat.

Im Ausschuss kurz erläutert, steht das Kartenwerk der Öffentlichkeit jetzt 14 Tage in der „Info“ im Museum zur Verfügung. Derweil wurden vor Ort die altbekannten Argumente ausgetauscht: „Ausbaggern können wir nicht, weil weder die Stör noch die umliegenden Flächen uns gehören“, sagte Pietsch zu der immer wieder geäußerten Forderung. Dies gelte auch für Durchstich-Maßnahmen am Engpass an der Brücke B  206 und – wegen der „schwierigen“ Eigentumsverhältnisse – für Maßnahmen im Bereich der Innenstadt. Bereits erledigt sind die „Hausaufgaben“ Abriss Eisenbahnbrücke samt Trägern sowie Säuberungen im Uferbereich. Weil von Anliegern nicht mitgetragen, geriet die Abarbeitung bei Uferabsenkungen im innerstädtischen Bereich jedoch ins Stocken. In der gutachtlichen Endphase hingegen befindet sich die Maßnahme „Poggenwiese“, wo nach der geplanten Auskofferung mehr Raum für das Hochwasser bereit stehen soll.

„Was wir hier vortragen, haben wir schon 20 Mal hinter uns“, erklärte Pietsch. Er versicherte aber: Die Stadt und der neu gegründete Ausschuss für Hochwasserschutz werde alles daran setzten, die betroffenen Gebiete vor Hochwasser zu schützen. Als schnelle Maßnahme kündigte er die Instandsetzung der dortigen Schmutzwasserkanalisation an. Ansonsten gilt: Bürger in niedrig gelegenen Stadtteilen werden vorerst weiter mit dem Hochwasser leben und ihr Hab und Gut selbst so gut wie möglich schützen müssen.

>Informationen zur EG-Hochwasserrichtlinie im Internet: www.schleswig-holstein.de/MLUR/.

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