Demonstration : Bürger fordern freie Fahrt auf L 116

Mit Transparenten demonstrieren Lägerdorfer Bürger gegen die Untätigkeit der Landesregierung.
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Mit Transparenten demonstrieren Lägerdorfer Bürger gegen die Untätigkeit der Landesregierung.

Rund 300 Bürger gingen am Wochenende auf die Straße: Sie demonstrierten gegen die Einengung auf der Landesstraße zwischen Münsterdorf und Lägerdorf. Auch der Verkehrsminister war dort.

shz.de von
13. Juli 2015, 12:12 Uhr

Seit sechs Jahren ist die Landesstraße 136 zwischen Breitenburg und Lägerdorf für Lastwagen über 3,5 Tonnen gesperrt. An zwei Stellen ist die Fahrbahn so weit eingeengt, dass gerade mal noch Autos die Engpässe passieren können. Am Sonnabend machten gut 300 Lägerdorfer ihrem Unmut Luft. Sie zogen fast in volksfestartiger Stimmung, angeführt von Musikern des örtlichen Musikzuges, aus dem Dorf bis zum Tor der Kreidegrube Saturn und appellierten an die Landesregierung, speziell an Verkehrsminister Reinhard Meyer, der sich in Lägerdorf dem Bürgerprotest stellte.

Neben dem Minister waren weitere Politiker erschienen: Bundestagsabgeordneter Mark Helfrich (CDU), die Landtagsabgeordneten Birgit Herdejürgen (SPD), Heiner Rickers (CDU) und Bernd Voß (Grüne) sowie der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Kai Vogel aus Pinneberg. Der stellvertretende Kreispräsident Volker Susemihl hatte sich ebenso in den Demonstrationszug eingereiht wie Steinburgs Landrat Torsten Wendt.

Die Bürgermeister von Lägerdorf, Heiner Sülau, und Münsterdorf, Jörg Unganz, hatten gemeinsam die Demo organisiert und mit ihrem Schulterschluss gezeigt, dass beide Gemeinden von der Lkw-Sperrung der L 116 gleichermaßen betroffen sind: Lägerdorf, weil der Durchgangsverkehr fehlt und damit die Gewerbetreibenden sowie die örtliche Tankstelle erhebliche Umsatzeinbußen verkraften müssen, und Münsterdorf, weil der Umleitungsverkehr die eigenen Gemeindestraßen belastet „und unsere Straßen, Abwasserkanäle und Schächte kaputtgefahren werden“, wie Jörg Unganz feststellte.

Die aktuelle Demo, so Sülau an den Verkehrsminister, sei nur der Anfang. „Unsere Fantasie ist grenzenlos“, sagte der Lägerdorfer Bürgermeister im Hinblick auf weitere Aktionen. Die Gemeinden fordern entweder eine Ertüchtigung der alten L 116 oder den Neubau auf einer Trasse jenseits des Kanals. Die jetzige L 116 musste gesperrt werden, weil Radweg und Teile der Fahrbahn in Richtung der benachbarten Holcim-Kreidegrube Saturn in starkem Maße abgesackt sind. Die Kosten bezifferte Heiner Sülau mit etwa zwölf bis 14 Millionen Euro für den Neubau oder acht Millionen Euro für die Sanierung, Demonstranten untermauerten die Forderungen mit handgemalten Transparenten „Straße tot – Lägerdorf in Not“, „Weg mit der Schikane!“ oder „Freie Fahrt auf der L 116“

„Sie stehen nicht allein“, versicherte Minister Meyer den Lägerdorfern. Dennoch stehe die L 116 nicht in vorrangiger Dringlichkeit angesichts der Tatsache, dass etwa ein Drittel aller Landesstraßen sanierungsbedürftig seien. Das sei nicht in den vergangenen Jahren entstanden, sondern durch Versäumnisse in den zurückliegenden drei Jahrzehnten. Das Land habe zwar die Mittel für die Strukturmaßnahmen um 50 Prozent auf 30 Millionen Euro erhöht, „aber das reicht nicht!“ Der Minister kündigte für 2017 ein Infrastrukturprogramm für den Straßenbau an. Dann würde ab 2018 mehr Geld zur Verfügung stehen. Das Land müsse zwar Prioritäten setzen, „aber wir werden uns um diese Straße kümmern“, versprach Reinhard Meyer. Er schloss nicht aus, dass es zu einem Rechtsstreit zwischen dem Land und der Firma Holcim kommen könnte, um das Zementunternehmen an den Kosten für die Sanierung zu beteiligen. Er wisse, dass seine Aussage für die Lägerdorfer Bürger unbefriedigend sei, „aber ich komme wieder. Wir müssen weiter im Gespräch bleiben“.

Bürgermeister Heiner Sülau rief in Erinnerung, dass das Wegbröseln einer Torfschicht unter dem Straßenkörper zu den Absackungen geführt habe. Es sei aber auch festzuhalten, dass Land und Kreis die Genehmigung für den Kreideabbau in der Grube Saturn genehmigt hätten. Holcim sehe deshalb keinen Anlass, in die Schadensregulierung einzutreten.

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