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Norddeutsche Rundschau

14. Dezember 2017 | 16:34 Uhr

Religion : Buddhisten mitten im Leben

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Buddhistische Gruppe Itzehoe besteht seit zehn Jahren. Bei der Meditation holen sich die Mitglieder Handlungsanregungen für den Alltag.

von
erstellt am 04.Dez.2013 | 09:40 Uhr

„Ich hol’ die da raus!“ Als eine Freundin von Anja Mohr vor einigen Jahren erzählte, dass sie sich einer buddhistischen Gruppe angeschlossen hat, war die Poyenbergerin skeptisch. Voller Misstrauen ging sie zu einem Vortrag von Lama Ole. „Und dann saß ich da und konnte innerlich alles abhaken.“ Was Ole Nydahl, einer der bekanntesten westlichen buddhistischen Lehrer, erzählte, sprach sie an. „Ich fand viel Bestätigung“, erzählt sie. Die buddhistische Lehre lasse sich sehr gut in das heutige Leben übertragen: Buddha gebe gute Belehrungen, wie man mit seinen Störgefühlen, seinen Stressthemen umgehen kann, mit Gefühlen wie Zorn, Eifersucht und Aggression. „Ich dachte: ‚Boah, dass Buddha das damals schon gewusst hat.‘ Das faszinierte mich.“

Heute ist die Heilpraktikerin selbst mittendrin, geht regelmäßig zu den Treffen der Buddhistischen Gruppe Itzehoe, die vor zehn Jahren gegründet wurde. Diese folgt der Tradition der tibetischen Karma-Kagyü-Schule, die dem Diamantweg zuzurechnen ist, der Alltagserfahrung und Meditation eng miteinander verbindet. Jeden Donnerstag um 20.15 Uhr trifft sich die Gruppe in der Feldschmiede 51. Nach einem Kurzvortrag gibt es eine auf Deutsch angeleitete Meditation, danach sitzen die Teilnehmer oft noch beisammen, trinken ein Gläschen Wein und reden.

„Es ist locker bei uns“, betont Annette Speth. „Wir teilen viel Freude miteinander, diskutieren, feiern.“ Die 48-Jährige aus Quickborn in Dithmarschen hat die Gruppe seinerzeit im Kulturhof mitgegründet. 22 Mitglieder umfasst sie heute, bunt gemischt durch alle Altersgruppen und Berufe – von der Buchhändlerin über die Bankkauffrau bis zur Verwaltungsoberinspektorin. „Wir stehen alle mitten im Leben, sind ganz normale Leute, bodenständig, nicht esoterisch abgehoben“, betont Stefanie Pierson. „Wir leben nicht eine fremde Kultur und schließen alles drumherum aus, sondern beziehen es mit ein. Wir leben schließlich hier in diesem Kulturkreis und sind alle christlich erzogen. Aber der Buddhismus ist für uns passender.“ Es sei eine Erfahrungsreligion, keine Glaubensreligion, betont Annette Speth. Es gehe viel um Eigenverantwortung, sagt Garnet Stromer. Jeder ist nach der buddhistischen Lehre für sein eigenes Leben verantwortlich. Man erhalte viele Möglichkeiten, sich zu verändern. Achtsamkeit sei ein zentrales Thema, so Stefanie Pierson. „Man muss achtsam sein, auf seine Worte schauen.“ Alles lasse sich in den Alltag, auf die praktische Erlebensebene übertragen.

Niemand werde zu etwas gezwungen, es gebe keine Erwartungshaltung – und keine Prüfungen. „Jeder kann unverbindlich vorbei schauen, sich das Ganze angucken, Fragen stellen“, sagt Annette Speth. Am ersten Donnerstag im Monat finde zudem ein kurzer einführender Vortrag statt. Und alle haben Verständnis dafür, dass jeder seinen eigenen Weg in seinem eigenen Tempo geht: Einige besuchen von Anfang an viele Vorträge, suchen die Vernetzung mit Gruppen etwa in Hamburg oder Kiel, andere brauchen länger, machen ihre Fragen zunächst mit sich selbst aus. Angst, kritisch beäugt zu werden, müsse heute aber niemand mehr haben, so Annette Speth: „Der Buddhismus ist in der Gesellschaft angekommen.“

> Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Diamantweg-Buddhismus-Gruppe in Itzehoe findet Donnerstag, 5. Dezember, um 20 Uhr ein Vortrag im Kulturhof statt: Gerd Boll, Bio-Landwirt und Vater von sechs Kindern, spricht über Tod und Wiedergeburt. Eintritt: 6 Euro. Im Internet: www.buddhismus-itzehoe.de.

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