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Norddeutsche Rundschau

17. August 2017 | 23:34 Uhr

Brunsbüttel will Flüssiggas-Terminal

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Diskussionsrunde am Elbehafen offenbart: Ohne Unterstützung der Bundesregierung geht es nicht – in Berlin ist das Thema aber noch Neuland

Seit 2011 engagiert sich Frank Schnabel, Geschäftsführer des Hafenbetreibers Brunsbüttel Ports, für die Errichtung eines Import-Terminals für Flüssiggas (LNG). Am Elbehafen gibt es nicht nur die nötigen Flächen, sondern mit den Unternehmen im landesweit größten Industriegebiet auch potenzielle Abnehmer. Mit der Hamburger VTG steht zudem ein Logistikunternehmen in den Startlöchern, das verflüssigtes Erdgas zu Verbrauchern weit im Hinterland transportieren könnte – auf der Schiene. Die niederländische Gasuni bietet sich als Investor an. Allerdings kann das Unternehmen nicht das auf ein Investitionsvolumen von einer Milliarde geschätzte Vorhaben alleine schultern. Das Land steht längst hinter der Idee. Das bekräftigte Wirtschaftsstaatssekretär Frank Nägele gestern bei einer Diskussionsrunde zum Thema. Nur bei der Bundesregierung ist die Projekt noch nicht angekommen. Dabei soll das Terminal auch eine Möglichkeit schaffen, die deutsche Erdgasversorgung um ein Standbein zu erweitern.

Das sei ein schwieriges Thema, erklärte Frank Bonaldo, Referatsleiter im Bundeswirtschaftsministerium, und schob nach: „Das ist eine politische Entscheidung, ob es überhaupt nötig ist.“ Bonaldo ließ erkennen, dass in Berlin der mögliche Bedarf auf Seiten der Industrie bisher kaum ausgelotet wurde. Allein in Brunsbüttel wird in der Winterzeit immer wieder darüber geklagt, dass die Erdgasversorgung der Werke zuweilen mangelhaft ist. Dabei zählt etwa der Düngerhersteller Yara landesweit zu den ganz großen Erdgasverbrauchern. Auch Covestro und andere Chemiewerke bauen auf eine stabile Gasversorgung.

Dafür sei LNG bestens geeignet, betonte Marcel Tijhuis von Nederlandse Gasunie, die einen entsprechenden Terminal in Rotterdam betreibt. Denn Flüssiggas werde in den kommenden Jahren den Weltmarkt überschwemmen, schon jetzt gerate der Preis unter Druck – was den Verbraucher freuen dürfte. Er attestierte Brunsbüttel Chancen für ein Terminal. Wenn denn die Entscheidung beim Bund nicht zu lange auf sich warten lasse. „Die Anbieter von Flüssiggas in Katar, den USA und Kanada sind jetzt dabei, sich Standorte auszusuchen.“

Gas geben will auch Frank Nägele. „Brunsbüttel ist der ideale Standort für ein LNG-Terminal“, sagte er. Aber: „Berlin ist zu zögerlich.“ Und ohne den Bund mit im Boot gehe es nicht. Dabei sei es nicht Sache der Regierung, ein privates Unternehmen zu finanzieren. Gelder gebe es bei der Europäischen Union. Allerdings sei es eine öffentliche Aufgabe, Infrastrukturen zu entwickeln, auch, um in den Häfen LNG-Tankstellen zu installieren. Denn langfristig gilt auch die Schifffahrt als wichtiger Abnehmer des umweltfreundlichen Treibstoffs. Nur der niedrige Ölpreis hindere Reedereien derzeit daran, sich ernsthaft mit der Umstellung ihrer Schiffe auf Flüssiggas zu befassen. Klar sei jedoch: Wenn Deutschland den Anschluss verpasse, hätten die Niederlande die Nase vorn. Schleswig-Holstein, so Nägele, sei Energiewendeland. „Was wir im Bereich der Windenergie können, können wir mit LNG ergänzen.“ Wenn sich der Bund dem Thema verweigere, müsse ein Plan B entwickelt werden. Den gebe es aber noch nicht. Denn: „Ich bin zuversichtlich, dass sich die Bundesregierung bewegen wird.“

Daran glaubt auch Hans-Jürgen Hiller, Leiter International Operations bei VTG Deutschland. „Der Startschuss ist gefallen“, sagt er und verweist auf einen Tankwagen für den Schienentransport. Etwas Vergleichbares gebe es noch nicht in Europa. Der Waggon ist in der Lage LNG, auf -164 Grad gekühltes Erdgas, tagelang auf Temperatur zu halten. Unverzichtbar für den Bahntransport. Doch auch ohne den Terminal in Brunsbüttel seien die Entwicklungskosten nicht verschwendet. Es gebe auch andere Einsatzmöglichkeiten.

Die braucht es für Frank Schnabel nicht: „Ich bin optimistisch, dass wir es hinbekommen.“

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erstellt am 04.Sep.2015 | 07:34 Uhr

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