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Norddeutsche Rundschau

22. September 2017 | 19:06 Uhr

Industrie : Brunsbüttel fühlt sich abgehängt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das Verkehrsforum Westküste bemängelt Prioritäten im Bundesverkehrswegeplan.

von
erstellt am 22.Mai.2016 | 08:00 Uhr

Die Region bekommt die A20 samt Elbquerung und Glückstadt eine Umgehungsstraße. Nur das landesweit größte Industriegebiet geht im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030 (BVWP) leer aus. Nicht die Erweiterung der B5 von Wilster bis Brunsbüttel taucht dort auf, auch nicht der seit langem geforderte Ausbau des Industriegleises. Eine optimierte Westroute zwischen Heide und Kiel ist ebensowenig angedacht. Darum hagelt es aus der Region Widersprüche gegen den Entwurf des bundesweiten Verkehrskonzepts für die nächsten zehn bis 15  Jahre, das den seit 2003 geltenden Plan ablösen soll.

Besonders die Vernachlässigung der Schiene trieb am Donnerstag Abend im Pinneberger Kreishaus in Elmshorn die Teilnehmer des Verkehrsforums Westküste um. In dieser Kooperation sind die Kreise Pinneberg, Steinburg, Dithmarschen und Nordfriesland ebenso eingebunden wie die jeweiligen Entwicklungsgesellschaften und die IHK. In Elmshorn stellten sie noch einmal ihre Forderungen an den BVWP dar – und hofften, dass die zur Diskussion geladenen Bundestagsabgordneten Valerie Wilms (Grüne, Wahlkreis Pinneberg), Karin Thissen (SPD, Steinburg/Dithmarschen-Süd) und Ingbert Liebing (CDU, Nordfriesland/Dithmarschen-Nord) die Wünsche aus der Region mit nach Berlin nehmen werden.

„Schienenprojekte – da ist Schleswig-Holstein nicht so gut bedient worden“, stellte Telsche Ott fest. Die Geschäftsführerin der IHK-Geschäftsstelle Heide betonte: „Das sind Standortnachteile.“ Dies gelte besonders für das Industriegleis in Brunsbüttel. Da auch die Elektrifizierung der Bahnstrecke entlang der Westküste im BVWP nicht berücksichtigt wird – dabei gebe es gerade durch Windstrom Energie quasi frei Haus – kam sie zu dem Schluss: „Da gibt es noch Forderungen.“

Und was nehmen die drei Bundespolitiker mit? Da gab es sehr unterschiedliche Statements. Während Karin Thissen erklärte, Brunsbüttel müsse „angemessen angeschlossen“ werden, verlor Liebing kein Wort zum Standort. Er verwies lediglich darauf, dass der dreistreifige Ausbau der B5 zwischen Wilster und Brunsbüttel nicht in den BVWP gehöre, sondern zwischen Land und Bund ausgehandelt werden müsste. Und Valerie Wilms brach eine erneute Diskussion um die A  20 vom Zaun, stellte fest, dass der Tunnel nicht finanzierbar sei und der Rest besser für eine Anbindung des Brunsbütteler Industriegebiets genutzt werden könne.

Ken Blöcker, Geschäftsführer des Unternehmensverbands Unterelbe-Westküste mit Sitz in Heide, hinterfragte, ob es Unterstützung gebe für eine vernünftige West-Ost-Trasse, etwa von Heide nach Kiel. Das, erfuhr er, sei nicht angedacht, die A  20 übernehme diese Funktion. Für Liebing unstrittig: „Die großen Projekte sind im Bundesverkehrswegeplan verankert.“

Das sah Michael Pirschel aus dem Kieler Wirtschaftsministerium anders. Angesichts prognostizierter Zunahme von Warenströmen aus Skandinavien, mehr Tourismusverkehr und ausbaufähiger Hafenhinterland-Anbindungen erklärte er: „Wir müssen Angebote schaffen.“ Beispielsweise das Schienennetz erweitern, damit mehr Transporte auf die Bahn verlagert werden. „Das entspricht der Position der Landesregierung. Da ist Bedarf zum Nachjustieren.“ Denn die erste Frage von ansiedlungswilligen Unternehmen gelte der Infrastruktur.


Forderungen der Werkleiter


Um die sorgt sich auch die Werkleiterrunde des ChemCoast Parks, der von Hemmingstedt bis Glückstadt reicht. Unabhängig vom Verkehrsforum Westküste formulierten die Leiter der Unternehmen eine gemeinsame Stellungnahme zum BVWP. Dadurch, dass die seit langem geforderten Maßnahmen im Verkehrskonzept keine Berücksichtigung fänden, würde das Entwicklungspotenzial des Industriereviers nicht richtig genutzt werden können, heißt es in dem Schreiben an das Bundesverkehrsministerium.

Kritisiert wird, dass die zweigleisige Schienenanbindung mit dem Vermerk „Kein Bedarf“ versehen wurde. Nicht nachvollziehbar sei, heißt es weiter, dass andere Projekte in anderen Regionen durchaus unterstützt würden, obwohl dort das Verhältnis von Kosten zu Nutzen „nachweislich ebenfalls negativ“ ausfalle. Die Werkleiter sehen zumindest Nachbesserungsbedarf.

Ähnlich bewertet Martina Hummel-Manzau die Ausgangssituation. „Wir rollen potenziellen Investoren den roten Teppich aus“, sagt die Egeb-Chefin. „Für die beginnt der rote Teppich aber schon bei der Autobahnabfahrt in Itzehoe.“ Anschließend müssten sie sich über die B5 bis ins Industriegebiet quälen. Das schrecke ab.

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