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Elb-Link Reederei vor dem Aus? : Brunsbüttel: Cuxhavenfähre stellt Betrieb vorübergehend ein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Betrieb wurde aufgrund eines technischen Defekts eingestellt. Seitens der Reederei herrscht Funkstille.

von
erstellt am 11.Okt.2017 | 10:48 Uhr

Die Situation erinnerte am Dienstag fatal an den Februar, als zunächst eine der beiden damals eingesetzten Doppelendfähren auf der Linie zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven außer Dienst genommen und kurz darauf die Insolvenz der Reederei Elb-Link verkündet wurde. Droht jetzt das gleiche Spiel?

Am Montag vermeldete Geschäftsführer Bernd Bässmann, dass trotz guter Auslastung der Fortbestand der Route nicht garantiert sei – tags darauf meldete die Cuxhavener Reederei Elb-Link einen technischen Defekt. Der Betrieb wurde eingestellt. Die Anne-Marie liegt seit Dienstagmorgen in Brunsbüttel, Mitarbeiter der Firma Cornils kümmerten sich nach Informationen des sh:z um die Maschine des Schiffs. Weder Geschäftsführer Bernd Bässmann noch Christian Schulz als Sprecher der Schiffseigner waren zu erreichen. Kein gutes Omen.

„Einen ungünstigeren Zeitpunkt für einen Maschinenschaden gibt es kaum. Aber morgen soll die Fähre voraussichtlich, wenn alles gut läuft, wieder fahren“, versuchte Elb-Link-Mitarbeiterin Birgit Küttner die Kunden zu vertrösten, die am Brunsbütteler Ticketschalter von der Beförderungspause überrascht wurden. Einige hatten zuvor aus unserer Zeitung erfahren, dass sich die Elb-Link-Fähre in wirtschaftlich schwerem Fahrwasser befinde.

Die Sorge, dass die Reederei den Fährbetrieb wie zu Beginn des Jahres mit zunächst fadenscheinigen Begründungen und dann jedoch aufgrund finanzieller Schwierigkeiten dauerhaft einstellt, ist sowohl unter den Mitarbeitern wie auch vielen Reisenden groß. „Natürlich schwimmt neben der Zuversicht, dass es weitergeht, auch die Angst nebenher, dass dies nun das endgültige Aus sein könnte und wir unsere Jobs verlieren“, äußert sich ein Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden möchte. Richtig vorstellen mag sich nach der durchaus sehr positiven Saison jedoch niemand, dass es das Aus der Fährlinie sein könnte.

Nicht jeder reagierte so gelassen wie Edith und Wolfgang Ern aus dem niedersächsischen Papenburg. Das Ehepaar, das die Westküste Schleswig-Holsteins mit dem Wohnmobil bereist hat, hat es nicht eilig. „Bis zum Wochenende wollen wir eigentlich gerne wieder zu Hause sein. Wir schauen Mal, ob wir jetzt die Fähre in Glückstadt nehmen oder über Hamburg fahren werden und einen Abstecher in das Alte Land machen“, sagte Wolfgang Ern sichtlich entspannt.

Weniger entspannt war Heiko Müller. Der Mitarbeiter eines Schwertransportunternehmens aus Schwentinental hat mit seinen Kollegen die Nacht am Fähranleger verbracht. „Eigentlich wollten wir einen defekten Schwerlastkran auf die andere Seite der Elbe bringen“, so Heiko Müller. Seine Kollegen und er nutzen häufig die Fährverbindung zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven. „Wir sparen rund 180 Kilometer und somit Kosten für die Fahrzeuge ein.“

Auch die Brunsbütteler Spedition F. A. Kruse ist Stammkunde der Linie. „Für uns ist die derzeitige Situation eine Riesenkatastrophe“, sagte Friedrich A. Kruse am Dienstag. „Wir wollen nach Bremerhaven, da gibt es keine bessere Verbindung.“ Gestern stand für seine Mitarbeiter Umdisponieren ganz groß auf der Tagesordnung. Ein Problem dabei: Die Spedition setzt auf unbegleitete Transporte, fährt Aufleger auf die Fähre, die am Zielhafen von einem Lkw abgeholt werden. Jetzt muss mehr Personal hinters Lenkrad, um komplette Fahrten abzuwickeln.

Zunächst müsse die Route über Glückstadt und Wischhafen genommen werden, so Kruse und gibt zu: „Wir sind ganz schön genervt.“ Noch am Montagabend habe er die an der Fähre auf die Morgentour wartenden Fahrer informiert, dass am Dienstag kein Schiff fahren werde. Was Kruse stört, ist die beharrliche Funkstille seitens der Reederei.

Kommentar: Schweigen ist der falsche Weg

von Ralf Pöschus

Schon wieder Turbulenzen? Kaum hat der Geschäftsführer der Reederei Elb-Link eine Mitteilung über schwierige Zeiten für die Cuxhavenfähre auf den Weg gebracht, wird der Betrieb anderntags wegen „technischer Schwierigkeiten“ eingestellt. Die Fähre Anne-Marie lag am Dienstag in Brunsbüttel, Fachleute kümmerten sich tatsächlich um die Maschine. Allerdings wird die Erinnerung an das Frühjahr wach, als zunächst die Technik vorgeschoben und dann die Insolvenz verkündet wurde. Diesmal ist es offenbar nur ein dummer Zufall. Dennoch: Ein Dienstleister lebt von seinen Kunden. Die zunächst im Regen stehen zu lassen, kommt nicht gut an. Schweigen ist der falsche Weg. Mehr Offensive hätte Elb-Link gerade gestern gut zu Gesicht gestanden.
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