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Integrationsbeauftragte verlässt Glückstadt : Brückenbauerin für Menschen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Integrationsbeauftragte Katharina Schmidt verlässt Glückstadt aus persönlichen Gründen. Ihre Arbeit wird fortgeführt.

Katharina Schmidt hat in Glückstadt viel bewegt. Die 31-Jährige baute die Integrationsarbeit auf. 2014 fing sie an, nach „drei Jahren und vier Monaten“ verlässt sie nun Glückstadt wieder. Sie zieht nach Heide. Doch wird sie Glückstadt öfter besuchen. „Beim Fest der Vielfalt bin ich dabei, auch beim bunten Dinner“, sagt sie zu den Veranstaltungen im Sommer.

Noch kann Katharina Schmidt nicht loslassen, zu sehr lebte sie ihre Arbeit. Und das weit über die eigentlichen Arbeitsstunden hinaus. Eine Brücke zwischen Migranten und Verwaltung bauen – das hatte sich die studierte Islamwissenschaftlerin damals vorgenommen. Denn in Glückstadt leben Menschen aus über 70 Nationen. Es ist ihr gelungen. Dafür zollte ihr die Politik immer hohe Anerkennung.

Vier Jahre lang zuvor hatten die Politiker über diese Stelle beraten. Ziel sollte sein, dass die vielen Menschen aus anderen Ländern, die in Glückstadt lebten, besser integriert werden. Mit dieser Vorgabe „Aufbau Integration“ fing sie an. Doch sie war zunächst erstaunt, über die zwei Seiten, die sie erlebte: „Auf der einen Seite gab es große Freunde, dass sich jemand des Themas annimmt.“ Auf der anderen Seite hatte sie auch mit Menschen zu tun, die sie ständig ausbremsten. „Einiges war nicht gewollt und deshalb schwierig umzusetzen.“ Der Knoten löste sich erst 2015 bei einem Fest im Jugendzentrum für Migranten, Ehrenamtler und Rathausmitarbeiter.

Bei ihren Beratungsterminen im Rathaus erlebte sie gleich einen „großen Ansturm“. Ein Glück für die Stadt war, dass sie schon im Amt war, als immer mehr Flüchtlinge kamen. Als Katharina Schmidt ihre Stelle antrat, lebten bereits 30 Asylbewerber in Glückstadt. „Dann wurden es wöchentlich mehr.“ Strukturen, diese Menschen zu betreuen, gab es bis dahin nicht. Sie wollte aber „Fehler der Vergangenheit vermeiden“ und kümmerte sich unter anderem darum, dass Deutschkurse angeboten wurden. Bezahlt wurden diese von den Glückstädter Service Clubs. Und auch heute noch werden sie angeboten über Spenden. Katharina Schmidt fuhr damals zu den einzelnen Familien, um sie zu informieren. Überrascht war sie, wie viele dann zum ersten Deutschkurs in die Volkshochschule kamen und in Folge lernten.

Ein wichtiger Baustein war es auch, Ehrenamtler zu finden, die Flüchtlinge betreuen. Mit jedem Ehrenamtler – 60 sind es inzwischen – führte sie persönlich Gespräche, um sie dann mit den Flüchtlingen zusammenzubringen. „Ich weiß gar nicht, was wir ohne die Ehrenamtler gemacht hätten. Sie bringen mit ihrer Herzlichkeit die Normalität.“ Sie seien die Brückenbauer, um den Flüchtlingen den Weg in die Gesellschaft zu ebnen.

Inzwischen hatte sie bei ihren vielen Projekten hauptamtliche Hilfe bekommen. Zum einen Susann Laatz, die Flüchtlinge betreut und zum anderen seit dem vergangenen Jahr Elif Cevik-Rützel als Assistentin. Arbeit war und ist trotz des Teams mehr als genug vorhanden. Unterstützung fand sie immer bei Bürgermeisterin Manja Biel. „Die Koordinierungsstelle ist eine Endlosarbeit“, sagt die 31-Jährige zu den vielfältigen Aufgaben. „Ich hätte mir gewünscht, ich hätte mehr Zeit mit denen verbringen können, die schon lange hier sind“, sagt sie zur ursprünglichen Aufgabe, die sie nie wirklich in der gewünschten Form umsetzen konnte. Was sie freut: Das Forum der Vielfalt ist gegründet worden.

„Ich gehe mit einem weinenden Auge.“ Es werde dauern, bis sie loslassen könne. Angestellt war sie mit einem Zeitvertrag bei der Arbeiterwohlfahrt, überlassen an die Stadt Glückstadt. In den Jahren änderten sich immer wieder ihre bezahlten Stundenzahlen. Jetzt wird sie eine Ganztagsarbeit bei der Volkshochschule in Heide übernehmen.

Ihre Arbeit in Glückstadt übernimmt zunächst Rathausmitarbeiterin Ingrid Ehlert. „Ich übergebe meine Arbeit an gute Leute, hier bricht nichts zusammen“, beruhigt sie, weiß aber auch: „Es ist noch viel Arbeit zu tun.“

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erstellt am 28.Apr.2017 | 05:00 Uhr

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