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Wilstermarsch : Brücke in die Zukunft schlagen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das Projekt Regiobranding soll die Marken und Besonderheiten der Elbmarschen-Landschaft hervorheben. Nun gibt es eine erste Zwischenbilanz.

Ein Besucher der Wilstermarsch steht mit seinem Smartphone 3,54 Meter unter dem Meeresspiegel. Touristische Hinweise hatten ihn an die tiefste Landstelle Deutschlands gelockt. Jetzt will er wissen, was es in den Elbmarschen noch so an Besonderheiten gibt, wo vielleicht ein Kulturdenkmal steht und wo man nett Kaffee trinken kann. Und so ganz nebenbei möchte er auch noch etwas über die hier lebenden Menschen in Erfahrung bringen. Noch ist das Zukunftsmusik. Aber das Projekt Regiobranding möchte die Brücke in genau diese Zukunft schlagen. Mehr noch: Es sollen gemeinsam mit den in der Region lebenden Menschen Zukunftschancen herausgearbeitet und auf dieser Grundlage neue Schwerpunkte gesetzt werden.

Zum Auftakt des Projekts hatte es im vergangenen Jahr eine groß angelegte Fragebogenaktion gegeben, an der sich 3000 Einwohner der Elbmarschen und aus Glückstadt und Itzehoe beteiligen konnten. Darüber hinaus wurden zahlreiche Akteure aus der Region von wissenschaftlichen Mitarbeitern persönlich interviewt. Das Ziel: Es sollten die Marken und Besonderheiten einer einmaligen Landschaft herausgearbeitet werden. Noch läuft die Auswertung der Ergebnisse. Ende Juli auf einer zentralen Veranstaltung in Hamburg wollen die Studenten ihre Untersuchung vorstellen. Für September ist dann eine öffentliche Präsentation in Itzehoe geplant. Um die Kernthemen in der Region zu identifizieren und weitere Mitstreiter zu gewinnen, sollen dann gezielt Akteure aus der Region eingebunden werden. „Aus der Befragung heraus wollen wir beispielhafte Projekte herausarbeiten“, erläutert Daniela Kempa vom Institut für Umweltplanung der Leibniz-Universität Hannover. In einem ersten Werkstattgespräch in Glückstadt wurden dabei schon ganz konkrete Beispiele und Fragestellungen deutlich. So will man der Frage nachgehen, ob der weitere Ausbau der Windkraftnutzung auch zur Förderung der Kulturlandschaft und vielleicht sogar in Kombination mit dem Naturschutz genutzt werden kann. Auch die aktuelle Milchkrise mit einem Strukturwandel in der Landwirtschaft lässt den Blick in die weitere Zukunft und die drohenden oder vielleicht auch nutzbaren Veränderungen in den Elbmarschen richten. Studenten der Universität Greifswald kümmern sich daher um die Frage nach regionalen Marken und nach den Wünschen und Bedürfnissen der Verbraucher. Die Interviews sollen im Zeitraum 13. bis 17. Juni erfolgen.

Spannend dürfte auch die Frage sein, wie sich ländliche Gebäude für Wohnen oder touristische Zwecke nutzen lassen, aber gleichzeitig die charakteristischen Merkmale der regionalen Bauten erhalten bleiben. Darum kümmern sich Studenten der AG Bauen und Siedlungsentwicklung der Uni Hannover. In diesen Themenkomplex fällt auch die Frage, inwieweit die Umnutzung erhaltenswerter Gebäude und Höfe im Außenbereich erleichtert werden kann. Hier gelten vom Baurecht her derzeit sehr strenge Regeln. „Es geht darum, der besonderen Hauslandschaft in den Elbmarschen eine Perspektive zu geben“, sagt Beate von Malottky, die gemeinsam mit Peter Huusmann das Steinburger Projektteam bildet. Sie ergänzt: „Viele Gebäude haben mitunter auch eine immense lokalhistorische Bedeutung.“ Schließlich sei es ja auch die große Besonderheit der Elbmarschen, dass hier viele Menschen in Außenbereichen lebten.

„Uns geht es darum aufzuzeigen, wo geht die Reise hin“, macht in der Zwischenbilanz Ulf Ickerodt vom archäologischen Landesamt deutlich und spricht die Digitalisierung der Kulturlandschaft an. Unter www.kuladig.de soll es, ausgehend von der Steinburger Fokusregion, landesweit eine Art regionales Wikipedia-Forum geben. „Man muss sich das etwa wie eine große Markthalle vorstellen“, beschreibt er. Das Besondere: Es wird keine weitere Werbeplattform und auch kein neues Gastgeberverzeichnis. Vielmehr soll sich das digitale Angebot „mehr oder weniger selbst füllen“. „Wir geben nicht die Inhalte vor, sondern entwickeln das mit den hier lebenden Menschen zusammen.“ Bis es so weit ist, darf man gespannt sein, wie sich eben diese Menschen ihre Region und ihre Zukunft eigentlich selbst vorstellen. Erste Anhaltspunkte werden die Auswertungen der Haushaltsbefragungen liefern.

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