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Brokdorfer landet als letzter Mörder in Itzehoe auf dem Schaffott

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Eine düstere Nacht, die Neustadt ist schon am frühen Abend wie ausgestorben. Da versammelt sich vor dem Historischen Rathaus eine 25-köpfige Gruppe – angespannt, nervös, erwartungsfroh.

Der Krimi-Spaziergang der Krimi Nordica führt zu Original-Schauplätzen. Das „Teatro Spectaculo“ erzählt live unter dem Titel „Die grüne Fee“ die Geschichte des Raubmörders Johann Lau, der 1856 als Letzter in Itzehoe öffentlich hingerichtet wurde. Geführt von der Frau des Bäckereimeisters Albert Schüder (Leiterin Ingeborg Bruhn-Güntner) geht es durch die Altstadt, die heute Neustadt heißt. Mit Laternen in der Hand begegnen die Teilnehmer Protagonisten aus den alten Tagen des Meuchelmordes in historischen Kostümen wie dem Nachtwächter (Klaus Stumbries: „Nehmt euch in Acht!“), schnell auch dem späteren Mörder (gespielt von Christian Büsing). Schon in der Salzstraße wird das erste Geheimnis gelüftet: Die „Grüne Fee“ war ein grün gebrannter Absinth, dem der Mörder auf seinem Weg in den Abgrund allzu oft zusprach.

Er selbst schildert – die Gruppe steht an der alten Stör – sein schwieriges Leben. 1824 in Brokdorf als unehelicher Sohn einer Dienstmagd geboren, schlägt sich Johann Lau mit Diebstählen durchs Leben, landet im Gefängnis: „Ich wurde von den Kindern gehänselt, hatte falsche Freunde – und den Alkohol.“

Nach einer Stärkung mit Kräuterbrötchen und Butterkuchenbrezel geht es zum Theater, erneut spielt die Kombination aus den Gruppen „Sono Incantare“ und „Gehupft wie Gesprungen“ zum Tanz auf mit Dudelsack, Geige und Drehleier – nun zum Totentanz? Am Prinzeßhof wartet bereits die Frau des Beidenflether Schiffers Peter Martens (Mareike Otte). Da diese Johann Lau 1854 kein Geld leihen wollte, ermordete der sie auf grausame Weise, von der Theatercrew authentisch dargestellt.

In St.  Pauli verhaftet, in Itzehoe in der Zelle der Nikolaikapelle inhaftiert, wurde Lau am 18. Dezember 1856 an der Richtstätte Wellenkamp, einem von vier Henkersplätzen in der Stadt, hingerichtet, plastisch erzählt von Lena Steffen.

Beeindruckt und angetan waren die Teilnehmer wie Tanja Lenz-Steppeler aus Itzehoe. „Es ist gruselig, dass noch so spät jemand öffentlich geköpft wurde.“
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Weiterer Termin: heute, 19.30 Uhr, Historisches Rathaus. Karten beim Stadtmanagement, 04821/9490120.

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erstellt am 11.Nov.2015 | 16:51 Uhr

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