Kernenergie : Brokdorf plant Dialoggruppe

Stand auch den Landtagsabgeordneten Heiner Rickers (l.) und Bernd Voss (r.) Rede und Antwort: Uwe Jorden.
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Stand auch den Landtagsabgeordneten Heiner Rickers (l.) und Bernd Voss (r.) Rede und Antwort: Uwe Jorden.

Rückbau des Kernkraftwerks Brokdorf rückt immer näher. Anlage geht am 1. April zur Revision vom Netz.

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10. März 2018, 07:22 Uhr

Das Thema Rückbau rückt beim Kernkraftwerk Brokdorf immer mehr in den Fokus. Auch bei der gestrigen „Redezeit“, zu der Kraftwerksbetreiber PreußenElektra traditionell Vertreter aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft einlädt, waren die Vorbereitungen auf das Ende der Laufzeit zum 31. Dezember 2021 eines der beherrschenden Themen.

„Das geht jetzt ans Portemonnaie“, machte Kraftwerksleiter Uwe Jorden die Auswirkungen auch auf die aktuell rund 300 eigenen Mitarbeiter deutlich. Für die Belegschaft sei ein Zukunftspaket geschnürt worden, das auf der einen Seite die langfristige Beschäftigung absichert, auf der anderen Seite aber auch Arbeitszeitverlängerungen und Einschnitte in die in der Vergangenheit recht üppige Bezahlung vorsieht. Daneben laufen auch die Vorbereitungen für eine Übergabe des Zwischenlagers, das zum 1. Januar 2019 vom Bund übernommen wird. Dort sollen auch Castoren aus Sellafield und/oder La Hague untergebracht werden. Jorden geht aber von Transporten nicht vor dem Jahr 2020 aus.

Parallel dazu laufen die Planungen für den Bau eines weiteren Zwischenlagers mit einer Kapazität von 5000 Kubikmetern für schwach belastetes Material. Diese so genannte Transportbereitstellungshalle ist laut Jorden etwas kleiner als das bestehende Zwischenlager.

Daneben will der Kraftwerksbetreiber zusätzlich zu den vorgegebenen Beteiligungsverfahren die Informationspolitik noch einmal spürbar intensivieren. Im Sommer soll es eine Informationsveranstaltung vor allem für Anwohner geben. Anschließend, so kündigte Betriebsreferent Hauke Rathjen an, solle zum Thema Rückbau eine regelmäßig tagende Dialoggruppe gebildet werden, zu der auch Kernkraftgegner wie Brokdorf akut eingeladen würden. Rathjen betonte dabei aber, dass es dabei nicht um ein Entscheidungsgremium, sondern lediglich um Informationen aus erster Hand und einen Meinungsaustausch gehe.

In seinem Jahresrückblick erinnerte Uwe Jorden an die bis heute nicht genau aufgeklärte Korrosion von einzelnen Brennstäben, die Brokdorf einschließlich 21 Tagen Revision einen Ausfall von 177 Produktionstagen und damit einen Einnahmeverlust im dreistelligen Millionenbereich beschert habe. Die nächste Revision beginnt am 1. April. Damit verbunden sei auch ein umfangreiches Inspektionsprogramm. Ob das Kraftwerk anschließend wieder mit voller Leistung ans Netz gehen könne, müsse im Einvernehmen mit den Aufsichtsbehörden dann entschieden werden. Zuletzt lief die Anlage nur mit höchstens 95 Prozent der Leistung. „Wir sind aber guter Hoffnung, dass alles in Ordnung ist“, bleibt der Kraftwerksleiter zuversichtlich. Zudem habe man das Thema auch intensiv unter Störfallbedingungen betrachtet. Fazit: Die erhöhte Korrosion habe keinerlei Einfluss auf die Ergebnisse gehabt. Wenn alles planmäßig läuft, soll Brokdorf Anfang Mai wieder ans Netz.

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