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Norddeutsche Rundschau

18. Oktober 2017 | 13:44 Uhr

„Brokdorf darf nicht Endlager werden“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Grüne diskutieren über Castor-Transporte mit Atommüll aus dem britischen Sellafield / Kostenfrage für Polizeieinsätze ist noch ungeklärt

von
erstellt am 22.Jan.2016 | 17:55 Uhr

Bis auf die Finanzierung der bei den Transporten zu erwartenden Polizeieinsätze seien alle von der Landesregierung gestellten Forderungen für eine Aufnahme von Atommüll aus dem britischen Sellafield im Zwischenlager Brokdorf erfüllt. Das stellte Energie-Staatssekretärin Ingrid Nestle in einer Diskussionsrunde bei den Steinburger Grünen fest. Erwartet werden die sieben Behälter aus der Wiederaufarbeitungsanlage „wahrscheinlich 2018“. Allerdings: „Das Zwischenlager darf nicht auf schleichendem Weg zu einem Endlager werden“, so Nestle.

„Eigentlich ist es ja widersinnig: Wir haben immer gegen die Atomenergie gekämpft und jetzt kriegen wir die Hinterlassenschaften“, so die Staatssekretärin und stellte aber auch gleich klar: „Jeder muss den Müll entsorgen, den er verursacht hat.“ Mit Blick auf die noch lang dauernde Suche nach einem geeigneten Endlager schloss sie die Notwendigkeit für den Bau eines zentralen Zwischenlagers nicht aus. Die Brokdorfer Betonhalle ist bislang nur für 40 Jahre genehmigt, zehn davon sind schon um. Nestle warnte davor, dass angesichts so langer Zeiträume auch eine Menge an Fachwissen verloren gehen könne.

Ein von den Grünen diskutiertes Problem könnte eine eventuelle Reparatur von schadhaft gewordenen Castoren sein. Eine Öffnung der mit hochradioaktivem Material gefüllten Behälter kann nur in einer so genannten heißen Zelle erfolgen. Die gibt es nur im Atommülllager Gorleben – und sie ist nach Einschätzung der Grünen mit einem Alter von mehr als 30 Jahren schon museumsreif. „Vor 2050 bekommen wir bestimmt kein Endlager“, sagte der Steinburger Grünen-Landtagsabgeordnete Bernd Voss. Er fürchtet, dass vielleicht noch bis ins Jahr 2100 zwischengelagert werden muss. Sein Landtagskollege Detlef Matthiessen ging auf die Rechtslage ein, nach der das weitgehend baugleiche Zwischenlager in Brunsbüttel für eine Lagerung nicht mehr genutzt werden darf. Für möglich hält er eine nachbarschaftsrechtliche Klage in Brokdorf. Die Frage für die Justiz sei dann aber, ob die Einlagerung von Castoren aus Sellafield als wesentliche Änderung mit Blick auf die Betriebsgenehmigung angesehen werde.

In der Diskussion regte der Brokdorfer Karsten Hinrichsen an, doch am besten gleich ein zentrales Zwischenlager zu bauen, „wenn doch ohnehin in einigen Jahren alles wieder woandershin transportiert werden muss“. Ingrid Nestle griff die Anregung auf: „Wenn du mir einen Standort verschaffst, können wir gern darüber reden.“

Den Standort Brokdorf hält Bernd Voss für indiskutabel: „Es wäre ja irre, so etwas in einem Hochwassergebiet zu bauen.“ Einig waren sich aber alle in der Einschätzung, dass die Uhr tickt: „Wir brauchen jetzt sofort eine Anschlussplanung“, forderte Voss. „Das ist ja auch kein Spielkram, der da kommt. Das ist richtig gefährlich“, warf Karsten Hinrichsen ein. Blieb noch seine Forderung, durch sofortiges Abschalten mehr Lagerkapazitäten in Brokdorf zu schaffen. Hier sieht Ingrid Nestle zwar keine Möglichkeit, meinte aber: „Wir arbeiten ja schon daran, den Betrieb so unwirtschaftlich wie möglich zu machen.“

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