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Castortransporte : „Brokdorf darf kein Endlager werden“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Castortransporte aus Sellafield sind Thema im Brokdorfer Gemeinderat. Kernkraftgegner regt ein Entwicklungskonzept an.

Im Zwischenlager des Kernkraftwerks Brokdorf sollen möglicherweise ab 2019 sieben Castoren mit Atommüll aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield eingelagert werden. Das Thema brachte der örtliche Kernkraftgegner Karsten Hinrichsen in der Einwohnerfragestunde der jüngsten Gemeinderatssitzung zur Sprache. Hinrich hatte dazu einen ganzen Fragenkatalog vorgetragen, um deren Beantwortung er schon vorab Bürgermeisterin Elke Göttsche gebeten hatte.

Die Dorfchefin verwies auf die aktuelle Beschlusslage der Brokdorfer Kommunalpolitiker, im Zwischenlager des Kernkraftwerks nur radioaktives Material aus dem eigenen Kraftwerksbetrieb für eine Einlagerung zuzulassen. Mit der Anregung von Hinrichsen, Preußen Elektra, Atomaufsicht und Umweltministerium zu einer Informationsveranstaltung nach Brokdorf einzuladen, konnte sich die Bürgermeisterin durchaus anfreunden. Dagegen konnte sie einer Nachrüstung des Zwischenlagers für die Unterbringung der Sellafield-Castoren nicht folgen. „Das fällt nicht in unsere Zuständigkeit. Aber wir werden das hinterfragen“, versprach die Bürgermeisterin.

Sorgen machte sich Karsten Hinrichsen darüber, dass die aus England anzuliefernden Glaskokillen nicht mit Wasser in Berührung kommen dürfen. Sollten sie schadhaft sein, müssten sie in einer sogenannten „heißen Zelle“ repariert werde, was erhebliche Gefahren in sich berge. Im Gegensatz zu den bisher eingelagerten Castoren seien jene aus England mit größeren Risiken verbunden, warnte Hinrichsen. Sie enthielten noch deutlich mehr Spaltmaterial und strahlten noch beim Transport eine Hitze von 400 Grad ab. Es sei ungewiss, ob die Glasschmelze überhaupt so lange haltbar sei.

Unmissverständlich forderte Hinrichsen eine Nachrüstung des Zwischenlagers und vor einer Einlagerung der englischen Castoren ein neues Genehmigungsverfahren für das Brokdorfer Zwischenlager mit Bürgerbeteiligung. In diesem Zusammenhang rügte er die zögerliche Haltung von KKW-Betreiber und Umweltministerium bei der Freigabe von Unterlagen zur Einsichtnahme. Er sei da sehr misstrauisch. Ihm sei nämlich unverständlich, weshalb „diese Unterlagen an wesentlichen Stellen geschwärzt sind“. Hinrichsen weiter: „Eine umfassende Information der Bevölkerung ist aus meiner Sicht dringend erforderlich“.

„Ich kann Ihre Besorgnis verstehen“, teilte auch Elke Göttsche die Sorgen ihres Mitbürgers. Man werde sich aber zunächst an das Umweltministerium wenden und deren Entscheidung abwarten. Nahezu ängstlich sah sie dem Castortransport auf England entgegen. Sie wolle nicht wieder Krawalle erleben müssen, mit denen die Castor-Transporte der Vergangenheit verbunden gewesen seien. Hier erwarte sie mehr Unterstützung durch die Politik.

Eines sei für sie absolut sicher: „Das Brokdorfer Zwischenlager darf kein Endlager werden!“ Dessen Betrieb sei ohnehin nur noch bis 2048 zugelassen. Sie begrüßte deshalb die Ankündigung des Bundesumweltministeriums, dass bis zum Jahr 2031 eine Auswahlentscheidung für ein atomares Endlager getroffen sein müsse.

Abschließend verwies Hinrichsen auf die 2021 anstehende Abschaltung des Brokdorfer Atommeilers sowie den dann folgenden Rückbau. „Was ist, wenn das Kernkraftwerk seinen Betrieb einstellt?“ warf er eine wichtige Frage in den Raum. Es sei ratsam, einen „Gemeindeentwicklungsausschuss auf kommunaler Ebene einzurichten, um sich darauf vorzubereiten, wie ein solcher Umbruch aufgefangen werden kann.“

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