Kernkraft : Brokdorf: Atomprotest als Volksfest

Kleinkünstler wie  'Herr Konrad' mit einer Jonglage auf dem  Hochrad unterhielten die Demonstranten. Foto: Schwarck (2)
1 von 2
Kleinkünstler wie "Herr Konrad" mit einer Jonglage auf dem Hochrad unterhielten die Demonstranten. Foto: Schwarck (2)

1000 Atomgegner demonstrieren am Kernkraftwerk Brokdorf teil. Aktivisten fordern: "Endlich abschalten!" Sie formulieren Kritik an Umweltminister Habeck.

Avatar_shz von
23. April 2013, 08:39 Uhr

Brokdorf | Protestlieder wie "Hallo Angie, hallo Robert, schläfst du noch? Hörst du nicht die Massen: Abschalten!" stimmten Atomkraftgegner frei nach dem Kanon "Bruder Jakob" Sonntag vor dem Kernkraftwerk Brokdorf an. Die lokale Anti-Atombewegung "Brokdorf akut" hatte mit befreundeten Initiativen zu einer Protest- und Kulturmeile aufgerufen - und das aus gutem Anlass: Am 26. April jährt sich zum 27. Mal die Reaktorkatastrophe im ukrainischen Kernkraftwerk Tschernobyl.

Der Protest von mehr als 1000 Atomkraftgegnern wurde zu einem Großereignis für ganze Familien. Sie waren zu Fuß, per Fahrrad und mit Bollerwagen vor das Kernkraftwerk gezogen, flanierten über die Veranstaltungsmeile und nutzten die zahlreichen Informations- und Aktionsstände zu Gesprächen und unterhaltsamen Spielen. Andere sonnten sich auf dem Elbdeich und warteten auf die Protestansprachen.

1,2 Kilogramm Atommüll pro Stunde

Dr. Karsten Hinrichsen von "Brokdorf akut" forderte: "Wir wollen, dass das Atomkraftwerk Brokdorf sofort abgeschaltet wird!" Den "Tag der Erde" am Montag nutzte er zur Mahnung, dass sanft und zutraulich mit der Erde umgegangen werden müsse. Hinrichsen rief dazu auf, den Stromanbieter in Richtung Ökostrom zu wechseln, "damit den Atomkraftgiganten das Wasser abgegraben wird". Vehement wandte er sich gegen die Einlagerung von Atommüll in schleswig-holsteinischen Kernkraftwerken. In jeder Stunde des AKW-Betriebs in Brokdorf würden 1,2 Kilogramm Atommüll anfallen. Diese Entwicklung könne nur durch das sofortige Abschalten gestoppt werden. Vehement übte er Kritik an Energiewendeminister Robert Habeck von den Grünen, der Brunsbüttel als Atomzwischenlager empfohlen hatte. "Er darf uns nicht seine Meinung überstülpen, sondern soll sich jetzt zum ersten Mal mit uns Atomkraftgegnern zu Gesprächen treffen." Der Minister habe den zweiten vor dem ersten Schritt getan. "Erst muss Schluss sein mit der Produktion von weiterem Atommüll."

Als weitere Redner berichteten Antonia Uthe über das Atomlager im Schacht Konrad, Heike Wiegel über die Vorkommnisse in der "Asse" sowie Hans-Jörg Lüth vom BUND über eine möglicherweise atomfreie Zukunft mit erneuerbaren Energien. Zwischendurch gab es ein unterhaltsames Bühnenprogramm. Mit Speisen und Getränken, einer warmen "Protestsuppe" und Kaffee und Kuchen wurde für das leibliche Wohl gesorgt. Unterdessen gab es auf der Protest- und Kulturmeile ein Schnupperklettern mit der Umweltorganisation Robin Wood, Stelzenläufer, Malwände, Musik und Gesang sowie Kleinkunst verschiedener Künstler und vieles mehr.

"Es ist alles friedlich verlaufen", zog der Pressesprecher der Polizeidirektion Itzehoe, Hans-Werner Heise, ein insgesamt positives Fazit. Die Zufahrten zum Veranstaltungsgelände wurden von rund 50 Polizeikräften abgesperrt und kontrolliert. Besuchern, die mit Pkw und Sonderbussen angereist waren, mussten lange Fußmärsche in Kauf nehmen. Politische Präsenz zeigen die Grünen mit dem Landtagsabgeordneten Bernd Voß aus Nortorf und der Landesvorsitzenden Ruth Kastner aus Bargteheide, aber auch die Piratenpartei, die Linken und die DKP waren vor Ort.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen