Keine Gewalt gegen Frauen : Brötchentüten mit wichtiger Botschaft

Gegen Gewalt: Sozialministerin Kristin Alheit (li.) und Landesinnungsmeisterin Maren Andresen.
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Gegen Gewalt: Sozialministerin Kristin Alheit (li.) und Landesinnungsmeisterin Maren Andresen.

In landesweit 60 Bäckereien werden Brötchentüten mit einer Aufschrift verteilt – so jetzt auch in Itzehoe. Hier warb Sozialministerin Kristin Alheit für die Aktion.

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27. November 2013, 12:30 Uhr

Die Botschaft ist so prägnant wie wichtig: „Gewalt kommt nicht in die Tüte!“ Auf 290 000 Brötchentüten wurde sie gedruckt, die landesweit in der laufenden Aktionswoche von 60 Bäckereien verteilt werden. Bereits zum 10. Mal findet die gemeinsame Aktion des Sozialministeriums, des Landesinnungsverbands des Bäckerhandwerks, der Gleichstellungsbeauftragten und der lokalen Bündnisse gegen häusliche Gewalt statt. Damit sollen zum einen betroffene Frauen auf Hilfsangebote aufmerksam gemacht werden. Zugleich geht es auch darum, das Tabu-Thema in die Öffentlichkeit zu bringen. „Wir merken an den Reaktionen der Menschen, dass die Botschaft in Erinnerung bleibt“, sagte Kreis-Gleichstellungsbeauftragte Tinka Frahm.

„Guckt hin!“ lautete der Appell von Sozialministerin Kristin Alheit, die gestern vor der Bäckerei Andresen in der Feldschmiede Brötchentüten an Passanten verteilte. „Ich finde die Aktion total klasse“, sagte sie. Sie sei niedrigschwellig, „wir schaffen damit eine gute Stimmung dafür, dass Hilfsangebote angenommen werden“. Es gebe in Schleswig-Holstein ein breites Spektrum an qualifizierten Einrichtungen – doch zwei Drittel der Betroffenen kämen dort noch nicht an. Gleichzeitig gelte: „Jede Frau, die so ein Angebot in Anspruch nehmen muss, ist eine zu viel.“

Die Zahlen sprechen für sich: Im Jahr 2012 gab es im Land 2563 polizeiliche Einsätze bei häuslicher Gewalt, 434 Täter wurden der gemeinsamen Wohnung verwiesen. 1107 Frauen flohen mit 1085 Kindern ins Frauenhaus, darüber hinaus kontaktierten 11 300 Frauen die vom Land geförderten 23 Beratungsstellen. „Kinder sind oft mittendrin, alle leiden“, betonte Andrea Bünz, KIK-Koordinatorin im Kreis Steinburg. Die Brötchentüte sei perfekt, um das tabuisierte Thema in den Alltag der Menschen zu bringen. Sie wünsche sich, dass die Aktion noch so lange weiterlaufe, „bis es nicht mehr nötig ist, auf das Leid der Betroffenen aufmerksam zu machen“.

Die Unterstützung der Bäcker ist ihr gewiss: „Das Handwerk sieht es als seine Pflicht an, die Gesellschaft auf Missstände aufmerksam zu machen“, sagte Landesinnungsmeisterin Maren Andresen. „Und durch mehrere tausend Kundenkontakte sind wir ein guter Kommunikator.“

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