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Norddeutsche Rundschau

18. Oktober 2017 | 04:06 Uhr

Britisches Kult-Faltrad aus Kaaks

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Steinburger Unternehmen hat Alleinvertriebsrechte für Faltfahrräder von Brompton in Deutschland

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2014 | 12:48 Uhr

„Wir sind nicht der klassische Fahrradgroßhandel“, erklärt Henning Voss, legt den Schnellspannhebel um, zieht die Sattelstütze heraus und fixiert sie wieder. „Wir haben uns auf drei Marken spezialisiert – und die vertreiben wir exklusiv für ganz Deutschland.“ Inzwischen hat Voss mit einem Handgriff den Lenker hochgeklappt und mit wenigen Umdrehungen festgestellt. „Das würde nicht funktionieren, wenn es sich nicht um ganz besondere Marken handeln würde und diese nicht auch von außergewöhnlicher Qualität und Individualität sind“, sagt der Geschäftsführer der Voss Spezial-Rad GmbH, klappt das Vorderrad mit Gabel um, hebt das Rad hoch, stellt es auf die Räder und sichert die letzte Verbindung. Das Brompton-Faltrad steht fahrbereit vor ihm, er lächelt. Keine zehn Sekunden hat die Aktion gedauert – „und das Zusammenfalten geht genauso schnell“.


Camper und Freizeitkapitäne sind die Zielgruppe


Das traditionelle, britische Faltrad, das Andrew Ritchie vor mehr als 30 Jahren in seiner Wohnung mit Blick auf die Kirche Brompton Oratory – daher der Name – entwickelte, ist das Aushängeschild des kleinen Unternehmen in Kaaks. Auch, wenn Henning Voss ausschließlich an Händler liefert, kennt er die Zielgruppe für ein Brompton genau. „Camper, Freizeitkapitäne, eben alle, die wenig Platz haben, aber trotzdem auf ein vollwertiges Fahrrad nicht verzichten wollen.“ Denn mit den wackeligen Klapprädern, mit denen vor 30 Jahren auf dem Campingplatz die Brötchen geholt wurden, haben die modernen Falträder nichts mehr zu tun. Stabiler Rahmen, angenehme Sitzposition und Gangschaltung sorgen für Fahrkomfort – und das bei gerade einmal elf bis 13 Kilogramm Gewicht, je nach Ausstattung. Das macht das Brompton auch für Berufstätige attraktiv, die das Faltrad für den Arbeitsweg zur Bahn oder zum Bus nutzen. Voss: „Bei den kleinen Packmaßen muss keine Extrakarte gelöst werden.“ Mobilitätsergänzung heißt das Fachwort dafür.

Gelernt hat Henning Voss bei Lego in Hohenwestedt, wo er anschließend auch im Außendienst tätig war. Zu den Fahrrädern ist er über seinen Vater gekommen, der sich als Hobby dafür interessiert hat. „In den 1980er Jahren hat er sich mit Folding-Bikes und Sesselräder beschäftigt. Damals waren die hier bei uns noch weitgehend unbekannt. So sind die ersten Kontakte entstanden.“

Henning Voss hat die Geschäftsbeziehungen ausgebaut. Seit 22 Jahren ist er in der Fahrradbranche tätig. Erst in Itzehoe, seit vier Jahren in Kaaks. Sieben Mitarbeiter beschäftigt der Geschäftsführer, mit Anne Gröger seit kurzem auch eine Fachkraft für das Marketing. Und die steckt bereits mittendrin. Denn im August richtet Voss Spezial-Rad in Bremen die erste Brompton National Championship (BNC) aus. Bei dem Rennen, das in Großbritannien schon seit vielen Jahren stattfindet, gehen die Teilnehmer in Sacko, Hemd, Krawatte und mit Helm – eben „very british“ – an den Start, der im Le-Mans-Art erfolgt, das heißt: Zum Rad rennen, auseinander falten und losfahren. Damit ist das Rennen ebenso besonders, wie das Brompton-Rad selbst.

Auch die anderen Marken unter dem Dach der Spezial-Rad GmbH sind auf ihre Art einzigartig. Montague, ein Unternehmen aus dem US-amerikanischen Boston, stellt vollwertige Sporträder für die Stadt, aber auch das Gelände her, die durch einen patentiertes Faltsystem zwar verkleinert werden können, beim Fahren aber nichts von ihrer Stabilität einbüßen. Mit dem Modell Paratrooper setzt sogar das US-Verteidigungsministerium auf die Montague-Räder und stattet die Fallschirmspringer der US-Marines mit ihnen aus. Jüngstes Mitglied im Sortiment der Voss-Familie sind die Helme von Nutcase. Durch ein spezielles Verfahren kommt das außergewöhnliche Design zur Geltung und macht die Sicherheits-Kopfbedeckung nicht nur für Radfahrer, sondern auch für Skater oder Wassersportler interessant.


Rund 30 000 Bromptons rollen auf deutschen Straßen


Die Nummer eins im Sortiment bleibt aber das Brompton-Faltrad. Mit mehr als 1000 Euro sind zwar schon die Einsteigermodelle nicht gerade günstig, aber „niemand würde das Geld ausgeben, wenn es nicht funktioniert und die Erwartungen erfüllt“, versichert Henning Voss. Rund 30 000 Bromptons, so schätzt der Alleinimporteur, rollen auf deutschen Straßen. Und das überwiegend in größeren Städten. Kunden, die vor zehn oder 20 Jahren ein Brompton gekauft haben, schicken es nach Kaaks, allerdings selten zum Reparieren, sondern eher zur Inspektion. „Die Marke wäre nicht mehr am Markt, wenn sie nicht für eine ganz besondere Qualität stehen würde“, sagt Voss, der etwa zehn Prozent der Brompton-Produktion abnimmt. Deutschland steht nach dem Mutterland England und den Niederlanden an dritter Stelle, was den Absatz angeht. Es folgen Japan und Südkorea, wo die britischen Falträder in größeren Städten fest zum Stadtbild gehören. „Da sind die Kult“, weiß Voss, der aber überzeugt ist, dass in einem original Brompton immer noch mehr Fahrrad als Kult steckt.


>Infos im Internet: www.voss-spezialrad.de und zum BNC auf www.brompton.de

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